Von Kurz-Urlaub bis Quarantäne: Clubs im Stand-by-Modus

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Pause
In allen deutschen Profiligen ruht in Folge der Corona-Krise der Ball. (Foto: Patrick Seeger / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Morten Ritter

Nach der beschlossenen Zwangspause und der anstehenden Krisensitzung in Frankfurt schalten die Clubs im deutschen Profifußball zunächst auf Stand-by-Modus.

Die nächsten Tage sind für die meisten Profis erst einmal frei, einige genießen Kurzurlaub, soziale Kontakte sollen eingeschränkt, Reisen vermieden werden. Viele Geschäftsstellen-Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice. Die ersten festgestellten Coronafälle bei den Sportlern ziehen hingegen drastischere Maßnahmen nach sich. Der SC Paderborn sowie die Zweitligisten 1. FC Nürnberg und Hannover 96 haben Teile der Mannschaft oder das ganze Team für 14 Tage in häusliche Quarantäne geschickt.

Wie es weitergeht? Die weiteren Planungen werden nach der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga am Montag in Frankfurt mit Vertretern der 36 Bundesliga- und Zweitligaclubs konkretisiert.

„Das ist eine komplett neue Situation, die in der Form in der Bundesliga noch niemand erlebt hat“, sagte Frank Baumann, Geschäftsführer Sport von Werder Bremen. „Uns ist klar, dass die Mannschaft jetzt erst einmal runterkommen sollte. Denn die Situation um den Virus ist keine, die vor den Spielern oder ihren Familien Halt macht.“ Wie viele andere Clubs hat Werder seinen Spieler erst einmal zwei Tage frei gegeben, ehe das weitere Vorgehen geplant wird.

Borussia Dortmund trainiert trotz der Corona-Krise vorerst ganz normal weiter. „Die Mannschaft steht auf dem Platz und trainiert“, sagte ein Sprecher des Fußball-Bundesligisten der Deutschen Presse-Agentur am Samstag. „Der Trainer handhabt es wie nach einem normalen Spiel: Erst Training, anschließend bis Anfang der Woche frei. Dann sehen wir weiter“, sagte der Clubsprecher. Das Training findet aber bereits seit Tagen ohne Öffentlichkeit statt.

Auch Borussia Mönchengladbach wird den Trainingsbetrieb aufrechterhalten. Laut Plan ist die nächste Partie derzeit für den 3. April bei Werder Bremen angesetzt. „Auf diesen Termin stellen wir momentan unsere Planungen ab“, erklärte Borussias Sportdirektor Max Eberl. „Das Spiel in Bremen ist in drei Wochen, es macht also keinen Sinn, die Spieler jetzt für einen längeren Zeitraum in den Urlaub zu schicken. Wir müssen die Mannschaft gesund und fit halten und wir wollen gut vorbereitet sein, wenn wieder gespielt werden kann.“

Auf dem großflächigen Gelände des Borussia-Parks ist das Leben ruhiger als sonst. Stadionführungen sind abgesagt, Medienaktivitäten ebenfalls, lediglich der Betrieb im Hotel nebenan läuft normal weiter. „Bei uns arbeiten etwa 80 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause aus“, sagte Borussia Mönchengladbachs Mediendirektor Markus Aretz der Deutschen Presse-Agentur. Der Club hatte schon in der vergangenen Woche die Hälfte der Mitarbeiter in Heimarbeit geschickt.

Wesentlich schwieriger ist die Situation dort, wo bereits Spieler erkrankt sind. „Wir werden alles tun, um die Erkrankung im Rahmen zu halten und unseren Spielern und Mitarbeitern die bestmögliche medizinische Versorgung und Betreuung zukommen lassen“, sagte der Paderborner Sport-Geschäftsführer Martin Przondziono nachdem Innenverteidiger Luca Kilian als erster Bundesligaprofi positiv getestet worden war und die Mannschaft in Quarantäne musste.

Hannovers Mehrheitsgesellschafter Martin Kind hat sich für eine über den 2. April hinausgehende Zwangspause ausgesprochen. „Unsere Mannschaft trainiert jetzt 14 Tage nicht und hätte dann nur eine Woche, um das nachzuholen. Da wären wir nicht wettbewerbsfähig“, sagte Kind den Zeitungen des „RND“.

Dem mit dem Coronavirus infizierten Fußballprofi Timo Hübers von Hannover 96 geht es „den Umständen entsprechend“ gut. „Heute habe ich leichte Grippe-Symptome, aber nichts, was ich zuvor in meinem Leben noch nicht erlebt habe“, sagte Hübers in einem am Samstag auf der Homepage des Fußball-Zweitligisten veröffentlichten Skype-Interview. „Viel schlimmer ist die Langeweile. Bei mir ist es Tag vier von vierzehn - und es ist recht schwer, die Tage rumzubekommen“, sagte Hübers.

DFL-Mitteilung

Tagebuch Marvin Bakalorz

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