Volleyballer des VfB Friedrichshafen vor Reifeprüfung

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Dem Druck Stand halten heißt die Devise der beiden Annahmespieler David Sossenheimer (vorne) und Athanasios Protopsaltis.
Dem Druck Stand halten heißt die Devise der beiden Annahmespieler David Sossenheimer (vorne) und Athanasios Protopsaltis. (Foto: Guenter Kram)

Wie stark sind die Volleyballer des VfB Friedrichshafen wirklich? Nach den beiden Champions-League-K.o.-Spielen gegen den polnischen Meister Zaksa Kedzierzyn dürften Spieler, Trainer Vital Heynen und die Fans es wissen. In der Runde der letzten sechs Mannschaften Europas treffen die Häfler am heutigen Mittwoch (20.30 Uhr, laola1.tv) auf eine der stärksten Mannschaften in Europa. Donato Iasi, jahrelang Co-Trainer und Scout des VfB Friedrichshafen und bis heute ein vorzüglicher Kenner des europäischen Volleyballs, vergleicht für die „Schwäbische Zeitung“ die zwei Mannschaften.

Zuspiel: Simon Tischer beim VfB und der Ex-Häfler Benjamin Toniutti (2014/2015 beim VfB) sind zwei der stärksten Ballverteiler in Europa. Der Kapitän der französischen Nationalmannschaft hat stets ein gutes Auge und ein feines Händchen und wird nie nervös. Er ist bekannt dafür, schnell über die Außen zu spielen. „Tischer steht ihm in nichts nach, spielt aber aktuell eine überragende Saison“, so Iasi. Ein leichtes Plus für den VfB.

Diagonal: „Der Puertorikaner Mauricio Armando Torres ist ein starker Angreifer, hat aber Probleme mit einem guten Block“, sagt Iasi. Allerdings kann er sich auf seine Mitangreifer verlassen, wenn es bei ihm nicht läuft. Er bekommt nicht immer die schwierigen Bälle. „Bartlomiej Boladz und Daniel Malescha haben sicherlich nicht die Qualität im Angriff wie Torres, sind aber zwei solide Spieler. Ein Plus für den polnischen Meister“, so Iasi.

Außen/Annahme: Rafal Buszek und Sam Deroo schlagen sehr hart und präzise auf. Sie sind gut in der Annahme und im Angriff sehr effektiv. Beide sind sehr variabel. Ein harter Schlag ist nicht die Regel. „Beide Außenangreifer spielen mit Kopf, lesen den Block des Gegners gut und können auch mit einfachen Bällen punkten.“ Sie sind unberechenbar und deshalb enorm effektiv im Angriff. David Sossenheimer und Athanasios Protopsaltis (Zweitbester Punktballspieler der Champions League) spielen eine starke Saison. Sie schlagen nicht hart auf, sind aber im Angriff effektiv. Beide Außenangreifer des VfB nehmen sehr gut an und sind vor allem in der Feldabwehr eine Bank. Die beiden Angreifer von Zaksa sind einen Tick besser.

Mittelblock: Die Zaksa-Verteidiger Slawomir Jungiewicz und Mateusz Bieniek sind gute Mittelblocker, die von Zuspieler Benjamin Toniutti immer wieder gut eingesetzt werden. Allerdings fallen sie im Vergleich zu den drei anderen Angreifern etwas ab. Philipp Collin und Andreas Takvam (beide VfB Friedrichshafen) haben hier deutliche Vorteile. „Sie sind am Netz wacher und im Angriff wirkungsvoller“, so Iasi. Vorteil Friedrichshafen.

Libero: Pawel Zatorksi (Zaksa) und Markus Steuerwald sind zwei Könner in der Annahme und Organisation der Abwehr. „Beide Spieler geben ihren Teams die nötige Stabilität.“ Hier herrscht Gleichstand.

Die Trainer: „Andrea Gardini und Vital Heynen sind zwei ähnliche Typen“, so Iasi. Beide studieren den Gegner ganz genau, überlassen nichts dem Zufall und bevorzugen ein taktisches Spiel statt Haudrauf. Es wird interessant sein, zu sehen, welche Taktik aufgeht.

Fazit: Iasi: „Zaksa Kedzierzyn ist eine technisch sehr starke Mannschaft, die vor allem in der Annahme und im Angriff glänzt. Mit Toniutti, Torres, Deroo und Buszek hat das Team vier starke Aufschläger. Der polnische Meister spielt kontrolliert und riskiert nur etwas, wenn er es muss. Zaksa kann aber auch so spielen wie der VfB Friedrichshafen. Diese Variabilität ist die große Stärke von Zaksa. Die Häfler kommen mit 37 Saisonsiegen im Rücken nach Polen und mit der Gewissheit, dass sie bislang jeden Gegner kontrolliert haben. Ich glaube, beide Partien dieser zwei Spitzenteams werden einem Schachspiel ähneln. Zaksa und der VfB werden versuchen, durch eine gute Taktik den Gegner zu verwirren, ihn zu täuschen und dann zuzuschlagen. Wem das am besten gelingt, der steht im Final Four.“.

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