Vierschanzentournee wird zum Duell zwischen „Hundling“ Kobayashi und Konzentrationswunder Eisenbichler

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Markus Eisenbichler (re.) gratulierte Ryoyu Kobayashi wie schon in Oberstdorf auch in Garmisch-Partenkirchen wieder fair.
Markus Eisenbichler (re.) gratulierte Ryoyu Kobayashi wie schon in Oberstdorf auch in Garmisch-Partenkirchen wieder fair. (Foto: imago)

Anderes Jahr, gleiches Resultat: Auch beim Neujahrsspringen der 67. Vierschanzentournee hieß der Sieger – wie bereits in Oberstdorf – Ryoyu Kobayashi, der Zweite (jetzt nicht mehr gar so überraschend) Markus Eisenbichler. In der Tournee-Gesamtwertung liegen bei Halbzeit nur 2,3 Punkte zwischen dem Japaner und dem Vorzeige-Oberbayern aus Siegsdorf. In Weite umgerechnet sind das knapp eineinhalb Meter.

Will heißen, Markus Eisenbichler? „Ich fühl’ mich einfach echt gut, ich bin mir ziemlich sicher, was ich so mach’.“ Das kann, wer mag, durchaus als Angriffserklärung für den Österreich-Part der Skisprung-Wettkampfserie deuten. Von fairem Respekt vor der famosen Leistung des Weltcup-Führenden Kobayashi jedoch zeugte ein anerkennendes „der Hundling!“ – per Stadionmikrofon den 21 000 in Garmisch-Partenkirchen auf den Nachhauseweg mitgegeben. Der Wertschätzung auch in anderer Richtung gab Ryoyu Kobayashi später mit immerhin einem Satz Ausdruck. Markus Eisenbichlers Stärke? „Er kann sich total gut konzentrieren.“

In der Tat eine nicht unbedeutende Qualität, wenn du als Zweiter die spätabendliche Reise von Tourneestation eins zu Tourneestation zwei antrittst. Im Teamhotel der DSV-Springer in Seefeld, das verriet Markus Eisenbichler nach souverän geglückter Partenkirchen-Qualifikation an Silvester, „da hat sich der Kopf schon bissl ’dreht“ in der Nach-Oberstdorf-Nacht. „Vor so vielen Fans macht man ja nicht alle Tage ein Podest. Ich hab’ mir dann einen Kamillentee gegönnt, und dann ging‘s.“

Und wie es ging – auch zwei Tage später noch: Der Probedurchgang schon (133,5 Meter) belegte am Neujahrsmittag eindrucksvoll, wie gut Markus Eisenbichler die Große Olympiaschanze mittlerweile kennt und kann. Etliche Lehrgänge haben die Beziehung gefestigt, die Flieger-Eigenschaften, die der Bakken mit Hillsize 142 Meter fordert, hat der 27-jährige Bundespolizist wie wohl kein Zweiter im deutschen Team. Und „bissl mehr Selbstverständlichkeit“ seit dem Coup vom Sonntag in Oberstdorf. Da gelingt dann auch ein Versuch auf 138 Meter, Tagesbestweite, die Haltungsnote im Schnitt 19,0.

„Ein fantastischer Sprung“, befand Bundestrainer Werner Schuster nicht exklusiv. Ryoyu Kobayashis Konter geriet eineinhalb Meter kürzer – bei merklich mehr Rückenwind, was letztlich 0,2 Zähler Vorsprung bescherte. Die wurden final zu 1,9 Zählern, weil abermals die Bedingungen in der Luft differierten. Mehr Abzug für Markus Eisenbichler, da reichten 135 Meter gegenüber 133 Ryoyu Kobayashis nicht.

Für Severin Freund ist die Tournee beendet

Kurz die Enttäuschung, als aus der „1“ die „2“ wurde, dann war Markus Eisenbichler Zentrum eines Kollegenknäuels, schwangen die Fans Schwarz-Rot-Gold im Akkord. Ach, und: Er könne sich „schon ganz gut konzentrieren“, war vom Doppelzweiten später noch zu erfahren. „Wenn’s gut läuft, ist’s ganz easy.“ Blieb noch die Frage nach dem Schlummertrunk. „Heut’, glaub’ ich, gibt’s vielleicht einen Kamillentee – vielleicht was anderes.“

Sekt wohl kaum, dafür aber dürfte die Selters-Abteilung gewachsen sein am Gudiberg. Stefan Kraft und Skiflug-Weltmeister Daniel André Tande mussten den Finaldurchgang ebenso zuschauend ertragen wie aus den deutschen Reihen Andreas Wellinger und Severin Freund. Olympiasieger Wellinger quittierte bescheidene 118,5 Meter mit wortloser Flucht, wird aber zu dem Septett gehören, das am Donnerstag (14 Uhr/ARD und Eurosport) die Bergisel-Qualifikation angeht. Denn, so Werner Schuster: „Er kommt ja nicht von irgendwo her. Er wird sich steigern.“ Severin Freund (119 Meter) soll sich anderweitig in Form bringen, an Einsicht fehlt es nicht. Der Bundestrainer: „Wir haben alles probiert.“ Soloprogramm also.

Weiterfahren werden somit Markus Eisenbichler, Richard Freitag, Karl Geiger, Stephan Leyhe, Constantin Schmid, David Siegel und Andreas Wellinger.

Man muss nicht sagen, auf wen sie besonders schauen werden in Tirol.

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