VfB Stuttgart: Weinzierl wagt und gewinnt

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 Der Spielentscheider: Anastasios Donis, hier mit Jeffrey Gouweleeuw und Martin Hinteregger (v. li.).
Der Spielentscheider: Anastasios Donis, hier mit Jeffrey Gouweleeuw und Martin Hinteregger (v. li.). (Foto: imago)

Wäre alles normal abgelaufen, der VfB Stuttgart hätte wohl sein 1:0 (1:0)-Erfolgserlebnis gegen den FC Augsburg in dieser Form nicht zelebrieren können. Zu ungefährlich wirkt die Offensive weiterhin, auch wenn die Leidenschaft und der Kampfgeist immens war, der Abwehrverbund um den starken Marc-Oliver Kempf sicher stand. Dass es eben doch zum Sieg im Schwaben-Derby reichte, dafür war nicht zuletzt Trainer Markus Weinzierl verantwortlich, der eben keine normalen Entscheidungen traf, sondern gleich mehrfach auf den Ungewöhnlichkeitsfaktor setzte. Der Trainer scheint nach einer Anlaufphase nun auch vor gewagten Entscheidungen nicht zurückzuschrecken, hauptsache das Ergebnis stimmt am Ende.

Da wäre zum einen die Ausrichtung, die selbst Gästetrainer Manuel Baum „überraschte“. Weinzierl dagegen war zufrieden mit seinem Coup: „Drei Spieler hinten plus zwei außen in der Fünferkette waren der Garant für den Sieg.“ Und dann waren da noch zwei Personalentscheidungen, die auch symbolisch für die aktuelle immer noch ausbaufähige Lage des VfB stehen und zeigen: es geht um Siege und Punkte, egal wie.

Da wäre zum einen Siegtorschütze Anastasios Donis (39.), der sich für die kommenden Wochen in Stellung brachte. Gut zwei Monate hatte der Grieche mit einem Muskelbündelriss im Oberschenkel nur zugeschaut. War aufgrund der prekären Lage des VfB und der Ladehemmungen von Mario Gomez sogar zum Heilsbringer und Hoffnungsträger vieler Fans avanciert. Dass er recht blass blieb, den Treffer jedoch beisteuerte, war unter den Umständen schon eine kleine Heldengeschichte. Dass er von Beginn an spielte und nicht spät eingewechselt wurde, eine andere. „Es war schon ein Risiko ihn spielen zu lassen und normalerweise machst du solche Sachen als Trainer nicht – nur in Notsituationen“, sagte Weinzierl. Dennoch: „Sein Tor war heute der Sieg.“ Und um nichts anderes geht es für den VfB derzeit. Der Matchwinner selbst blieb bescheiden, weiß aber: „Ich bin der Typ Spieler, der Partien gewinnen kann und habe die Hoffnungen der Fans schon gespürt“, so der 22-jährige Donis. „Weinzierl hat mit mir vom ersten Tag viel gesprochen und gesagt, wie wichtig ich für ihn und die Mannschaft bin. Heute war ich noch nicht so schnell wie sonst, aber mit jedem Spiel wird es nun besser.“

Der Torjäger außer Dienst, Mario Gomez, lobte seinen Kollegen, zeigte sich aber kampfbereit: „Donis bringt wichtige Elemente, vor allem seine Schnelligkeit in unser Spiel.“ Aber: „Ich spiele jetzt ja hier nicht, weil ich irgendwann mal gut gespielt habe, sondern ich spiele, weil der Trainer denkt, dass ich entscheidend sein kann. Und das erwarte ich auch selber von mir noch“, sagte Gomez: „Das Selbstvertrauen ist immer da.“

Dass dafür gerade der in dieser Saison als einer der wenigen überzeugenden Offensivakteure Erik Thommy draußen bleiben musste, war die andere Ungewöhnlichkeit. Immerhin ging es nicht nur gegen Weinzierls Ex-Club, sondern auch gegen Thommys. Und nicht nur das, den 24-Jährigen ereilte zusätzlich eine ungewöhnliche Höchststrafe. Erst in der 74. Minute eingewechselt, musste er in der Nachspielzeit für Chadrac Akolo wieder Platz machen.

Höchststrafe für Thommy

Und auch wenn Weinzierl den gebürtigen Ulmer direkt in den Arm nahm und gestenreich seine Entscheidung erklärte, so richtig überzeugt war Thommy dann doch nicht. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn man ein gutes Spiel macht und es dann noch gegen den Ex-Verein geht“. Doch hatte Weinzierl seine Erklärung parat: „Das war eine taktische Maßnahme. Ich wollte Zeit gewinnen und zuätzlich keinen Kopfballspieler vom Feld nehmen.“ Auch Thommy meinte versönlich: „Der Erfolg ist wichtiger als alles andere.“

Und der FC Augsburg? Den ereilte mal wieder sein derzeit alltägliches Schicksal. Gut gespielt, einige Chancen kreiert, hoher Spielanteil und doch verloren. Ähnlich wie der VfB in den letzten Wochen will die Kugel einfach nicht ins Tor. „Insgesamt haben wir es auch nach vorne in zu vielen Situationen nicht konsequent genug ausgespielt. Da fehlte die Überzeugung im Abschluss“, konstatierte Baum. Doch: „Wir dürfen nicht auf den Zug mit aufspringen, finde ich, dass wir uns selber einreden, dass wir nix mehr treffen“, entgegnete Kapitän Daniel Baier. „Wir haben genügend offensive Qualität und spielen uns genug Chancen heraus.“

Dass es bei den bayerischen Schwaben ebenfalls bald wieder aufwärts geht, darauf hofft auch Weinzierl: „Die Augsburger werden schon noch ihre Punkte holen. Wir brauchen sie mehr als sie, deshalb passt das schon“, sagte der VfB-Trainer, der, einmal angefangen, auch in den nun anstehenden Partien vor nichts zurückschrecken dürfte.

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