VfB Stuttgart: Mathematikprofessor überflüssig

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Thommy-Hammer – der gebürtige Ulmer traf zur Führung.
Thommy-Hammer – der gebürtige Ulmer traf zur Führung. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Dass es für den VfB Stuttgart im Abstiegskampf noch einmal brenzlig werden könnte, daran mag trotz des unglücklichen 1:1 (0:0) gegen Hannover 96 keiner der Verantwortlichen so richtig glauben. „Da muss man ja einen Mathematikprofessor ransetzen, der dann die Ergebnisse so zusammenschustert, damit wir noch absteigen“, so Sportvorstand Michael Reschke. Und auch Trainer Tayfun Korkut sowie sein 96-Kollege André Breitenreiter bleiben entspannt, wollen die vielleicht entscheidende Partie des SC Freiburg gegen Mainz 05, die den beiden Teams die Restsorgen nehmen könnte, nicht ansehen: „Ich gehe davon aus, dass ich nicht schaue“, so Korkut. „Und bei mir ist es nicht so, dass ich am Fernseher mitzitter“, so Breitenreiter über das Montagsspiel des Relegationsplatzinhabers. Das ist auch nicht unbedingt nötig, steht 96 neun, der VfB sogar zwölf Punkte vor den Mainzern. Dennoch hebt man in Stuttgart nicht ab oder schaut auf höhere Ziele. „Wir wissen das alles einzuordnen und sehen auch unser Restprogramm. Jeder Punkt, den wir noch holen, ist schwer erarbeitet. Deshalb wäre ein Sieg heute auch umso wichtiger gewesen“, so Reschke.

Dass es dazu trotz einer ansehnlichen Leistung nicht kam, dafür hatte in der 91. Minute Hannovers Niklas Füllkrug gesorgt, der mit seiner Kopfballbogenlampe VfB-Torhüter Ron-Robert Zieler überwand und Erik Thommys sehenswerten Volleyschuss aus 17 Metern (53.) ausglich. „Das war so ein typisches Stürmertor mit Instinkt. Ich freue mich riesig“, so Füllkrug, der den Stuttgartern so ein bisschen den Nachmittag vermieste, gleichzeitig aber auch Lob für VfB-Torschütze Thommy übrig hatte: „Dass er so schnell und so stark abschließt, ist schon Wahnsinn.“

Allgemein war das Spiel der Aufsteiger auch im Anschluss eher ein Duell der Nettigkeiten. „Wir hatten immer wieder Phasen, in denen wir das nächste Tor machen können. Aber in der Bundesliga zählt eben jede Sekunde, jeder Moment und den haben wir heute leider verpasst. Und Hannover ist eben eine Mannschaft, die von diesen Momenten lebt“, so VfB-Trainer Tayfun Korkut über seinen Ex-Club. Positiv zudem: Seine Mannschaft hatte nach der 1:3-Niederlage in Dortmund wieder gut in die Spur gefunden und ihrem Trainer im zehnten Spiel den neunten Punktgewinn beschert. Dass die kleine Negativserie gegen die 96er weiter Bestand hat – der VfB verlor beide Duelle im Unterhaus , kam in dieser Saision zweimal zu einem 1:1: geschenkt.

Ein kleiner Wermutstropfen blieb jedoch: Die Bad Cannstatter müssen nun voraussichtlich auf Abwehrspieler Andreas Beck und Benjamin Pavard verzichten. Rechtsverteidiger Beck zog sich eine Knieverletzung zu, der französische Nationalspieler Pavard verletzte sich am Sprunggelenk. Genauere Untersuchungen in den nächsten Tagen sollen Aufschluss über die Schwere der Blessuren geben.

Verteidiger Dennis Aogo versuchte zumindest auch im unglücklichen Untentschieden noch etwas Positives zu sehen: „Naturlich gehen wir nicht zufrieden nach Hause, weil wir wissen, was mit einem Dreier möglich gewesen wäre – wir hätten den Sack zumachen können. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht, weil es nun die Spannung hoch hält. Sonst ist die Gefahr da, dass man die Saison so austrudeln lässt.“ Und noch etwas stimmt ihn positiv: das nächste Heimspiel, am kommenden Samstag gegen Bremen: „Das ist natürlich positiv, dass wir mit den Fans nach dem Spiel im eigenen Stadion feiern können.“

Badstuber will noch Bedenkzeit

Zumindest die absolute Planungssicherheit hätte Reschke wohl trotzdem gerne gehabt, auch wenn er sagt: „Mit 39 Punkten – wir können nicht mehr absteigen. Das macht den Arbeitsalltag schon ein bisschen entspannt.“ Wobei damit nur die generelle Ausrichtung gemeint sein kann, denn die richtige Arbeit fängt für Reschke jetzt erst an. Neue Spieler und Vertragsverlängerungen stehen auf dem Programm, allen voran Abwehrchef Holger Badstuber, der das Interesse einiger Spitzenclubs aus dem Ausland auf sich gezogen hat. „Holger ist ein guter Typ und wir hatten schon gute Gespräche, aber natürlich gibt es für ihn einen internationalen Markt. Es gibt aber auch Argumente für den VfB. Er will einfach noch ein bisschen Zeit und die kriegt er auch“, so Reschke.

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