VfB Stuttgart lässt Fans jubeln: Auftakt in die 2. Bundesliga geglückt

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Stuttgarts Daniel Didavi (l) jubelt nach dem Tor zum 2:0 mit der Mannschaft. Foto: Daniel Maurer
Stuttgarts Daniel Didavi (l) jubelt nach dem Tor zum 2:0 mit der Mannschaft. (Foto: Daniel Maurer / DPA)

Alles neu macht der Fußball-Juli – naja, fast. Die wichtigste Nachricht zuerst: das W-Lan in der Mercedes-Benz-Arena, indirekt laut Wolfgang Dietrich der Rücktrittsauslöser von Wolfgang Dietrich, hielt stand. Beinahe durchgängig.

Genauso wie der offensiv erfrischende Fußball des VfB Stuttgart beim 2:1 (2:1)-Sieg gegen Hannover 96 zum Auftakt in die Zweite Liga. Es war eine Partie, die alles hatte: schöne Tore, Slapstick-Einlagen, ein Naturspektakel im Form eines heftigen Regengusses in der Zweiten Halbzeit und – anders als so viele Spiele in der Abstiegssaison – richtig ansehnlichen Fußball.

Der Saisonauftakt ist also geglückt. Und das nicht nur dank der zahlreichen Neuerungen und des Offensivfußballs von Neu-Trainer Tim Walter. Protagonisten dieses Sieges waren auch die vermeintlich alten Eisen, die vorangingen und trafen. Mario Gomez (29.) und Daniel Didavi (36.) machten die Tore. Für Hannover traf auch ein Stuttgarter: Maxime Awoudja traf vier Minuten nach seiner Einwechslung bei seinem Profidebüt unglücklich ins eigene Tor.

 Mario Gomez jubelt nach dem Tor zum 1:0.
Mario Gomez jubelt nach dem Tor zum 1:0. (Foto: DANIEL MAURER)

Auch neben dem Platz waren die Veränderungen spürbar. Die Fans standen wieder bedingungslos hinter ihrer Elf. Keine Dietrich-Raus-Plakate, nur wenige Pfiffe (von einigen gegen Ex-VfBler und Neu-Hannover-Torwart Ron-Robert Zieler abgesehen). Stattdessen bedingungslose Unterstützung für Mannschaft und Verantwortlichen um Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, der im Brustringtrikot auf der Tribüne mitfieberte.

„Beide Mannschaften müssen sich finden und es kommt gerade am Anfang immer auf die Tagesform drauf an“, hatte Stuttgarts 2007er Meisterspieler Timo Hildebrand gesagt. Esollte recht behalten, auch wenn sich den Zuschauern ein Spiel deutlich über Zweitliganiveau bot.

Dementsprechend ging es zu Beginn stürmisch los. Hannovers Edgar Prib prüfte VfB-Schlussmann Gregor Kobel gleich doppelt (2./5.). Die neue Nummer 1 ließ sich zudem zweimal auf einen Zweikampf mit Hendrik Weydandt ein, unterlief den Ball (30.) und wirkte teilweise unsicher. Trainer Walter tigerte dementsprechend nervös an seiner Coachinglinie entlang. Aber der Walter-Fußball griff. Extrem hoch stand seine Mannschaft, attackierte früh, gab dem Gegner keinen Raum und agierte, statt zu reagieren.

Die Walter-Tugenden sitzen, Feinjustierung ist nötig. Zu ungenau noch häufig die Abspiele. Zu viel Zufall im Spiel – und auf der anderen Seite bei hoher Verteidigung oft eben auch die Räume für den Gegner. Zu leicht ließ sich die Hintermannschaft um den neuen Kapitän Marc-Oliver Kempf, Pascal Stenzel, Borna Sosa und Marcin Kaminski (der in der 35. Minute verletzungsbedingt durch Maxime Awoudja ersetzt wurde) mit einfachen Pässen ausspielen.

Aber geschenkt. Zählen im Fußball doch nur Tore. Die 29. Minute war dann Torero-Zeit und eben auch Beweis, dass Gomez für mehr als nur Mentalität zuständig ist. Sosa flankte von links, Gomez stahl sich mit all seiner Routine in den Rücken der Abwehr und hielt aus kurzer Entfernung einfach seinen Fuß hin. 1:0. Die alten Recken legten direkt nach. Kein neuer Name blinkte auf_ Daniel Didavi war es, der in der 36. Minute einen Freistoß ins Eck schlenzte. 2:0-Führung. Aber nun ruhig nach Hause spielen?

Das wäre zu einfach. Ein bisschen alter VfB steckt dann doch noch im Team, auch wenn es Neuzugang Awoudja war, dem bei seinem ersten Ballkontakt ein Klärungsversuch unglücklich über Kobel hinweg ins eigene Tor sprang.

So ging es in die Halbzeit, die durch Platzregen etwas ausgedehnter ausfiel. Anschließend hieß es Wasserballett auf grüner Wiese, die bei den vergebenen Chancen Didavi (54.) seinen Doppelpack und Santiago Ascacíbar (62.) sein erstes Tor kostete. Die berechtigte gelb-rote Karte für Hannovers Matthias Ostrolek (64.) und die diskutable für Stuttgarts Unglücksraben Awoudja (85.) waren nur noch die Schlussakkorde dieses etwas von Glück geprägtem Spiel.

Auch wenn noch einige Rädchen besser ineinander greifen müssen, der Neustart samt Radikalumstellung scheint zu funktionieren.

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