VfB: Drei Punkte und ein Wunder-Trainer

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Der zweite Streich: Kevin Großkreutz hat zum 2:0-Endstand für den VfB Stuttgart im Heimspiel gegen Tabellenführer Eintracht Bra
Der zweite Streich: Kevin Großkreutz hat zum 2:0-Endstand für den VfB Stuttgart im Heimspiel gegen Tabellenführer Eintracht Braunschweig getroffen. In Kürze bekommt er einen alten Bekannten als Trainer. Hannes Wolf wechselt von der U 19 von Borussia (Foto: dpa)

Ausgiebig wurde in den letzten sechs Tagen darüber gerätselt, wer der neue VfB-Trainer werden könnte.

Respektive die, denn einige Humoristen hatten eine besonders originelle Idee. „Noch 100Tage bis Weihnachten. Oder, wie man beim VfB sagt: Noch drei Trainer“, witzelten sie in den sozialen Netzwerken. Am Dienstagabend kurz vor der Partie der Stuttgarter gegen Zweitliga-Tabellenführer Eintracht Braunschweig sickerte dann ein Name durch, den wohl nur die wenigsten erwartet hätten.

Manager Jan Schindelmeiser gab nicht etwa seinem früheren Hoffenheimer Spezl Markus Gisdol den Job, er wählte einen Novizen im Profigeschäft zum Nachfolger des zurückgetretenen Routiniers Jos Luhukay, einen Jugendtrainer von Borussia Dortmund: Hannes Wolf.

Der 35-Jährige, der beim VfB einen Vertrag bis 2018 erhält, war bereits mit 25 Spielertrainer des ASC Dortmund, mit dem er den Durchmarsch von der Bezirks- in die Westfalenliga schaffte. Von 2010 bis 2016 holte er als Trainer der U 17 und U 19 insgesamt drei deutsche Meistertitel. Wolf gilt als einer der renommiertesten Jugendtrainer Deutschlands, als eine Art Wundercoach für Heranwachsende, allerdings wurde Thomas Schneider mit ähnlichen Vorschusslorbeeren in den VfB-Trainerposten bugsiert – und scheiterte. Heute um 14 Uhr wird Wolf sich vorstellen und damit bereits am Freitag in seiner Heimatstadt beim VfL Bochum auf der Bank sitzen.

Am Dienstagabend hieß der (Interims-)Trainer des VfB allerdings noch Olaf Janßen, und nach dem 2:0-Sieg über die bis dato verlustpunktfreien Braunschweiger darf man sagen: Der 49-jährige wird als der erfolgreichste Coach in die Annalen der Stuttgarter Vereinsgeschichte eingehen. „Das sind doch mal positive Nachrichten an der Stuttgarter Trainerfront“, scherzte er. Nach dem 1:0 in Kaiserslautern zuvor sammelte Janßen sechs Punkte in vier Tagen und das noch ohne Gegentor, mit Verlaub: Es wird schwer für Hannes Wolf, das zu toppen.

Tatsächlich offenbarte der VfB vor 36 800 lautstarken Zuschauern durchaus noch Verbesserungspotenzial. Zwar kontrollierte er das Spiel, die Zahl der Fehlpässe aber war immens, und an Spielkultur mangelt es nach wie vor. Vor dem Tor allerdings zeigte sich der neue Tabellenzweite eiskalt – dank gütiger Mithilfe der Gäste. Siebzehn Minuten waren gespielt, als Alexandru Maxim einen Eckball trat, der durch Freund und Feind segelte, ehe ihn der heranpreschende Innenverteidiger Toni Sunjic mit der Stirn Richtung Grasnarbe ins Netz köpfte. Doch die Niedersachsen blieben gefährlich, VfB-Keeper Mitch Langerak hatte viel zu tun.

Auch in der zweiten Hälfte hatten die Niedersachsen diverse Chancen aus der Distanz, in der Schussstatistik obsiegten sie mit 12:9. Doch das zweite Tor machte Stuttgart. Der quirlige Rechtsaußen Takuma Asano tankte sich auf dem Flügel durch, leistete sich einen ungenauen Pass, bekam den Ball aber wieder und machte es besser. Bedacht flankte er über den Strafraum auf Großkreutz, der den Ball ebenso bedacht annahm, ihn auf den rechten Fuß legte und trocken und unhaltbar ins lange Eck zum 2:0 schoss (64.). Asano, von Janßen ob seiner Integrationsbereitschaft vielgelobt und einer der Spieler, die Luhukay nicht haben wollte, durfte danach unter viel Applaus vom Platz.

Janßen muss aus Trainerteam raus

Schindelmeiser dankte hinterher „Olaf Janßen und dem gesamten Trainerstaff für super zwei Spiele“. Der Klub werde versuchen, Janßen in irgendeiner Form zu halten, Mitglied von Wolfs neuem Trainerteam aber wird er nicht werden. Der bringt seinen eigenen Stab mit. Und einen formidablen Leumund. Nur schweren Herzens ließen der BVB und seine Verantwortlichen ihren Jung-Wolf ziehen, der zuletzt Christian Pulisic und Felix Passlack zu hochtalentierten Erstligaspielern geformt hat. „Wolf hat beim BVB überragende Arbeit geleistet und viele Talente mitentwickelt. Ihm gebührt ein großes Dankeschön. Diese Karrierechance konnten und wollten wir ihm nicht verbauen“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc.

„Dieses Lob spricht für sich“, glaubt Schindelmeiser, der Manager traut Wolf eine große Zukunft zu. „Wir sind fest davon überzeugt, dass er sehr gut zum VfB passt als Fachmann und als Persönlichkeit. Er genießt höchste Anerkennung in der Branche und er ist der passende Partner für diesen Klub – jetzt und auch in der Zukunft.“ Ein Trainer also, der Weihnachten überstehen könnte.

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