Verkehrte Formel-1-Welt: Silber und Rot Mittelmaß

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Deutsche Presse-Agentur

Verkehrte Welt in „down under“: Nico Rosberg wunderte sich über seine Bestzeiten im Training, die sieggewohnte Konkurrenz fuhr hinterher.

Ferrari steckte zum Formel-1- Auftakt in Melbourne trotz des Beistands von Michael Schumacher ebenso im Mittelmaß fest wie McLaren-Mercedes mit Weltmeister Lewis Hamilton und Dauer-Verfolger BMW-Sauber. Zu Beginn des ersten Grand- Prix-Wochenendes der Saison mischten dagegen in Williams, Brawn GP und Toyota die drei Rennställe ganz vorn mit, gegen die ihre Rivalen wegen ihrer umstrittenen Aerodynamik sportrechtlich vorgehen.

Auch Rosberg war in den beiden Übungssessions zum Großen Preis von Australienmit dem in die Kritik geratenen Diffusor am Unterboden seines Williams unterwegs und düpierte die Konkurrenz im Albert Park. „Wir scheinen in einer besseren Position zu sein, als wir dachten“, sagte der 23-Jährige, dessen Vater Keke 1985 den ersten Australien-Grand-Prix - damals in Adelaide - gewann.

Doch Rosberg junior - Vorjahresdritter in Melbourne - weiß, dass das erste Kräftemessen im Training wegen der unterschiedlichen Vorbereitungsprogramme der Rennställe nur begrenzte Aussagekraft für Qualifikation und Rennen hat: „Wir dürfen das jetzt nicht überwerten, sondern müssen schon etwas aufpassen“, meinte er nach seinen Bestzeiten von 1:26,687 und 1:26,053 Minuten.

Die anderen Deutschen kamen an diese Spitzenmarken nicht heran. Dennoch durften Timo Glock im Toyota als Achter und Sechster in den beiden Durchgängen und Adrian Sutil im bisherigen Hinterherfahrer- Team Force India mit zwei neunten Plätzen zufrieden sein.

Zweimal Pech hatte Sebastian Vettel: Der 21 Jahre alte Hoffnungsträger musste nach der Hälfte der ersten 90-minütigen Einheit seinen Red Bull wegen Hydraulik-Problemen ausrollen lassen. Im zweiten Abschnitt wurde er Achter, doch nach einem Dreher war für ihn auch dieses Training vorzeitig beendet. „Das war ein dummer Fehler von mir, deshalb haben wir unser Programm nicht abarbeiten können“, gestand Vettel. BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld kam auf die Ränge 11 und 14, freute sich aber dennoch, dass die Saison endlich losgeht: „Es hat riesig Spaß gemacht, heute hier zu fahren“, meinte das mit 31 Jahren älteste Mitglied des schwarz-rot-goldenen Renn-Quintetts.

Im zweiten Abschnitt am hereinbrechenden Abend - zu diesem Zeitpunkt sollen auch die Qualifikation und das Rennen beginnen - dümpelte Heidfeld mit Ferrari und McLaren-Mercedes im Mittelfeld. Während die Ergebnisse der Scuderia überraschten, waren die „fluglahmen“ Silberpfeile schon nach den Testfahrten ohne große Illusionen angereist.

„Nach den Tests im Winter wussten wir, dass uns ein schwieriger Saisonstart bevorstehen wird“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Sein Chefpilot Hamilton behauptete nach den Plätzen 16 und 18 dennoch: „Ich bin glücklich, wie es gelaufen ist.“ Sein Teamkollege Heikki Kovalainen fand sich nach Rang fünf im ersten an 17. Stelle im zweiten Durchgang wieder. Auch die Unterstützung von Rekordweltmeister Schumacher machte die Ferrari nicht schneller:  Kimi Räikkönen wurde Dritter und Elfter, Vizeweltmeister Felipe Massa Achter und Zehnter.

Ferrari und McLaren-Mercedes standen somit klar im Schatten von Brawn GP, Toyota und Williams. Mit ihren umstrittenen Diffusor- Konstruktionen mischten sie die Konkurrenz auf. Brawn GP bestätigte die starken Eindrücke der Wintertests mit Platz zwei des Brasilianers Rubens Barrichello. Auch Jenson Button, bei den australischen Buchmachern für den Grand Prix am höchsten gewettet, war als Sechster und Fünfter auf Tuchfühlung mit der Spitze.

In der Nacht zuvor hatten Brawn GP, Toyota und Williams schon vor der ersten Runde einen ersten Sieg erreicht. Die drei Rennkommissare hatten die Proteste von Ferrari, Renault und Red Bull gegen die Diffusoren an den Autos der drei Konkurrenten abgelehnt. Daraufhin erklärten die Unterlegenen, Einspruch gegen die Entscheidung beim Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA einzulegen. Das Urteil wird erst nach den Rennen in Australien und eine Woche später in Malaysia gefällt.

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