Streit zwischen USA und China über Winterspiele-Boykott

Olympiade in Peking
Das US-Außenministerium will über einen möglichen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking sprechen. (Foto: Mark Schiefelbein / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Zwischen China und den USA ist ein heftiger Streit über Forderungen nach einem möglichen Boykott der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking entbrannt.

Der Pekinger Außenamtssprecher Zhao Lijian übte scharfe Kritik an den USA, nachdem der Sprecher des US-Außenministeriums in Washington gesagt hatte, dass die USA wegen der Menschenrechtsverletzungen in China mit Verbündeten über einen möglichen Olympia-Boykott sprechen wollten.

„Die Politisierung des Sports läuft der olympischen Charta zuwider, schadet den Interessen aller Sportler und der internationalen olympischen Bewegung“, sagte Zhao Lijian in Peking. Das Olympische Komitee der USA und der Rest der olympischen Bewegung würden da nicht mitmachen. China sei zuversichtlich, mit allen Parteien erfolgreiche und großartige Spiele sicherstellen zu können.

Die USA werfen China Menschenrechtsverletzungen vor, besonders im Umgang mit den Minderheiten der Uiguren und Tibeter sowie bei der Unterdrückung der demokratischen Kräfte in Hongkong. Im Februar hatte ein Bündnis von 180 internationalen Menschenrechtsgruppen und Vertretern von Minderheiten in China die Staatengemeinschaft aufgefordert, nicht an den Spielen im Februar 2022 teilzunehmen. „Alles andere wird als Unterstützung der autoritären Herrschaft und der unverhohlenen Missachtung von Bürger- und Menschenrechten durch die Kommunistische Partei Chinas angesehen“, so ein offener Brief.

Auf die Frage, ob sich die USA bereits in Gesprächen befänden, um einen gemeinsamen Boykott der Winterspiele in Betracht zu ziehen oder zu planen, sagte US-Sprecher Ned Price: „Das ist etwas, das wir sicherlich diskutieren wollen, und es ist sicher etwas, bei dem wir das Verständnis haben, dass ein koordiniertes Vorgehen nicht nur in unserem, sondern auch in dem Interesse unserer Verbündeten und Partner ist.“

Über allgemeine Gespräche mit verbündeten Ländern zum Umgang mit Menschenrechtsverletzungen in China und wie man sich dazu verhalten wolle, insbesondere auch beim Thema Olympia 2022, sagte Price: „Die Spiele sind noch einige Zeit entfernt. Ich würde keinen Zeitplan setzen wollen, aber diese Diskussionen sind im Gange.“

In Reaktion auf Medienberichte über bereits laufende Gespräche stellte ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums klar, dass sich die USA derzeit nicht in entsprechenden Gesprächen befänden. „Unsere Position zu Olympia 2022 hat sich nicht verändert. Wir haben keine Diskussionen gehabt und haben keine Diskussionen über jedweden gemeinsamen Boykott mit Verbündeten und Partnern“, sagte der Beamte.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, wiederholte diese Worte am 7. April und betonte, es habe bislang keine Gespräche mit Partnern über einen möglichen gemeinsamen Boykott der Olympischen Spiele gegeben - und es gebe auch jetzt keine Gespräche dazu. Die Vereinigten Staaten tauschten sich mit Verbündeten über gemeinsame Sorgen mit Blick auf China aus. Es seien aber keine Gespräche im Gange zu einer möglichen Planänderung bei Olympia.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach hat alle Boykott-Forderungen zuletzt zurückgewiesen. Im März sagte Bach, dass ein Boykott die „falsche Antwort auf solche Fragen“ sei. Auch der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann, hatte einen Boykott im Februar kategorisch ausgeschlossen. Sieben republikanische US-Senatoren riefen im Februar dazu auf, Peking die Spiele zu entziehen. Sie verwiesen auf die Verfolgung von Uiguren und Tibetern sowie Chinas Drohungen gegenüber Taiwan. Der Senator Rick Scott brachte dazu eine Resolution im US-Senat ein.

Chinas Außenamtssprecher hob auch hervor, dass die USA selbst nichts in die Richtung gesagt hätten, dass sie den Spielen fernbleiben wollten. Er wies die Vorwürfe über einen „sogenannten Völkermord“ unter der muslimischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang als „nichts anderes als eine Jahrhundert-Lüge“ zurück.

© dpa-infocom, dpa:210407-99-108266/7

Human Rights Watch

Offener Brief

Außenministerium

Pressekonferenz US-Außenministerium

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen

Meist gelesen

Impftermin-Ampel: Hier finden Sie freie Impftermine in der Region

Die Zwangspause ist vorbei: Wochenlang hat die Impftermin-Ampel von Schwäbische.de zu Jahresbeginn Menschen bei der Buchung von Impfterminen unterstützt. Der Erfolg war groß. Doch als die Schere zwischen den wenigen Impfstoff-Lieferungen und der starken Nachfrage nach Terminen immer größer wurde, musste der Service für einige Wochen eingestellt werden.

Das ist jetzt vorbei, die Impftermin-Ampel ist wieder da. Sie zeigt mit einem Ampelsystem Impfzentren der Region an, in denen es gerade freie Termine gibt.

 Toom öffnet seine Filiale in Sigmaringen am Montag teilweise ohne Einschränkungen, obwohl er das nicht darf.

Toom-Baumarkt öffnet, obwohl er nicht darf

Die Toom-Baumärkte in Bad Saulgau und Sigmaringen haben am Montag geöffnet, obwohl ihnen die verschärften Corona-Regeln dies untersagen. Kunden konnten sowohl Produkte aus dem Baumarkt-Sortiment als auch Waren aus dem Bereich Gartenbedarf kaufen.

In Sigmaringen musste das Ordnungsamt einschreiten. Nach einem Gespräch mit der Marktleitung sagt Amtsleiter Norbert Stärk: Toom wisse nun, was erlaubt sei. 

Wir haben normal geöffnet, es gibt keine Einschränkungen.

Jetzt also doch: Ab Mittwochabend, 21 Uhr, gilt auch im Kreis Ravensburg die Ausgangssperre.

Ausgangssperre im Kreis Ravensburg gilt ab Mittwochabend

Eine nächtliche Ausgangssperre im Kreis Ravensburg gilt ab Mittwochabend, 21 Uhr. Das teilte das Landratsamt am Montag mit.

Die Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg, die seit Montag greift, sieht verpflichtende nächtliche Ausgangssperren bei einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 an drei Tagen in Folge vor. Der Kreis Ravensburg liegt längst darüber, wie auch der benachbarte Bodenseekreis.

Für Verwirrung hatte gesorgt, dass laut Friedrichshafener Landratsamt dort schon ab Montagabend die Ausgangssperre gilt, der ...

Mehr Themen