Unzertrennlich: Kremers-Zwillinge werden 60

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Deutsche Presse-Agentur

Noch heute schmunzelt der jüngere von beiden über ihren Ausflug aufs Popstar-Parkett: „Das Lied 'Das Mädchen meiner Träume' war für uns eigentlich nur ein Jux. Aber wir waren die ersten, die so etwas gemacht hatten und standen selbst in der Hitparade auf Platz drei“, sagte Helmut Kremers der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Brüder, die in den 70er Jahren nach dem Bundesliga-Skandal den „Mythos Schalke“ neu aufleben ließen, feiern am 24. März ihren 60. Geburtstag.

Die Zwillinge gibt es fast nur im Doppelpack. „Wir verstehen uns einfach sensationell gut“, erzählt Helmut Kremers. In der Jugend von Borussia Mönchengladbach ausgebildet, wechselten sie erst nach Offenbach und kamen 1971 im Alter von 22 zum FC Schalke 04. Trotz der Unruhen um das verschobene Spiel gegen Arminia Bielefeld in der Vorsaison gewannen die „Königsblauen“ den DFB-Pokal und wurden Vize- Meister. Für Erwin bleibt es dennoch die „größte Enttäuschung“ seines Lebens, 1972 den Titel verpasst zu haben. Ein Jahr später schafften die „jungen Wilden“ auch ohne die im Zuge des Bundesliga-Skandals gesperrten Spieler sensationell den Klassenverbleib.

Beide Brüder feierten Erfolge mit der Nationalmannschaft, doch heimisch fühlten sie sich immer nur bei ihrem Club. Als Helmut einmal nicht hinter seinem Bruder spielte, verpasste dieser die Weltmeisterschaft 1974. Der „beste Linksaußen der Welt“, wie Trainer Ivica Horvat ihn bezeichnete, beschimpfte im letzten Saisonspiel den Schiedsrichter als „blöde Sau“ und sah die Rote Karte. Der Deutsche Fußball-Bund strich Erwin Kremers aus dem Aufgebot. „Helmut hätte mich geschützt“, vermutete der langjährige Produzent von Kindermoden. Auch für seinen Bruder, der heute bei einer Sportler-Agentur und im Immobiliengeschäft tätig ist, endete die WM ohne Einsatz. „Ich fühle mich nicht als Weltmeister. Es war eine schlimme Zeit, wir waren sechs Wochen lang eingesperrt“, betonte Helmut Kremers.

Mit den drei Monaten als Schalke-Präsident 1994 verbindet der gebürtige Mönchengladbacher ebenfalls schlechte Erinnerungen. „Ich war der Meinung, dem Club viel geben zu können. Aber die ganzen Verantwortlichen waren geschockt, als ich gewählt worden bin. Alle waren gegen mich“, erzählte er. Kremers erhielt Morddrohungen und trat schnell zurück. Dass der frühere Profi überhaupt ins Amt gewählt worden war, hatte er auch seinem Bruder zu verdanken. Erwin flüsterte ihm vor der Mitgliederversammlung den entscheidenden Satz ein: „Zu meiner Zeit haben wir uns vor Spielen gegen Dortmund nicht einmal umgezogen.“ Der Jubel gipfelte in „Helmut, Helmut“-Rufen.

Auch als Popstars flogen den Brüdern die Herzen zu. Groupies, Bravo-Poster in Lebensgröße - der Vater von Vicky Leandros hatte sie von den Musik-Aufnahmen überzeugt. Die Nachfolge-Single „Kein Addio, kein Goodbye“ sang später auch Julio Iglesias. „Aber unsere Stimmen fand ich eigentlich besser“, meinte Helmut Kremers.

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