Ungarns Anti-Doping-Agentur: „Keine schweren Regelverstöße“

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Gewichtheben
Gewichtheben. (Foto: Patrick Seeger / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die ungarische Anti-Doping-Agentur hat die in einer ARD-Dokumentation erhobenen Vorwürfe gegen Hunado-Kontrolleure, Doping-Proben bei Gewichthebern gegen Geldzahlung zu vertuschen, zurückgewiesen.

„Wir betonen ausdrücklich, dass uns kein Bericht vorliegt, wonach ungarische Dopingkontrolleure schwere Regelverstöße begangen oder ein Verhalten an den Tag gelegt haben, welches die Reinheit und Integrität der Proben gefährdet hätte“, heißt es in einer in Budapest veröffentlichten Hunado-Stellungnahme.

In der ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping - Der Herr der Heber“ vom Sonntag wurde berichtet, dass möglicherweise Hunado-Kontrolleure für manipulierte Proben von Athleten aus Moldau Geld genommen haben. Dies behauptete im einem von der ARD mit verdeckter Kamera aufgenommenen Gespräch der Nationalmannschaftsarzt des Landes. Demnach sollen sogar nicht immer die Sportler selbst ihren Urin abgegeben haben, sondern ähnlich aussehende Doppelgänger.

In der Hunado-Erklärung wurde dazu erklärt, dass im Jahr 2015 die Hunado in Moldau keine Dopingkontrollen durchgeführt habe. Die ARD-Dokumentation enthalte in Hinblick auf die Hunado „falsche Behauptungen“ und „unbewiesene, bösartige Unterstellungen“.

Die Dokumentation erhob auch schwere Untreue- und Korruptionsvorwürfe gegen den IWF-Präsidenten Tamas Ajan, einen Ungarn. Dieser äußerte sich bislang nicht dazu.

Präsident Christian Baumgartner vom Bundesverband Deutscher Gewichtheber (BVDG) erwartet nach der ARD-Dokumentation über Doping-Betrug und schwarze Kassen im Gewichtheber-Weltverband IWF internationalen Ermittlungen. „Was den Verdacht von Korruption in der ungarischen Anti-Doping-Agentur Hunado betrifft, ist die WADA zuständig. Sie muss jetzt aktiv werden“, sagte Baumgartner.

Über verschwundene Einnahmen in Millionenhöhe, über die im TV-Beitrag berichtet wurden, meinte der BVDG-Chef: „Der Schweizer Rechtsprofessor Mark Pieth hat sich eindeutig geäußert. Die Schweizer Staatsanwaltschaft kann gar nicht anders, als Ermittlungen aufzunehmen.“

Einen Rauswurf der Sportart aus dem olympischen Programm befürchtet Baumgartner nicht. Planung und Organisation von Dopingkontrollen obliegen seit Herbst der vom IOC eingesetzten International Testing Agency (ITA) und nicht mehr wie früher der IWF. Der Weltverband mit dem ungarischen Präsidenten Tamas Ajan hatte bevorzugte die in der Kritik stehende ungarische Anti-Doping-Agentur Hunado beauftragt.

Das neue Qualifikationssystem der Gewichtheber für Olympia mit sechs Wettkämpfen in 18 Monaten ermöglicht ein deutlich dichteres Kontrollsystem als früher. „Es hat sich sehr viel bewegt im Kampf gegen Doping“, sagte Baumgartner und erklärte, das IOC habe entschieden, dass das Gewichtheben im olympischen Programm für Paris 2024 bleibe. Baumgartner forderte, dass nach den Vorwürfen gegen die Hunado die ITA allerdings überprüfen solle, inwieweit sie noch Aufträge an die ungarische Anti-Doping-Agentur vergeben kann.

Erklärung der Hunado, Ung.

ARD-Miteilung

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