Ullrich will gegen Doping-Vorwürfe klagen

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich will sich gegen die gegen ihn erhobenen Doping-Anschuldigungen rechtlich wehren.

„Die Sache geht mir hart an die Nieren. Das geht an meine Gesundheit, an meine Existenz. Das ist rufschädigend, vernichtend für die Familie“, sagte Ullrich am Rande des Weltcups im sibirischen Chanty Mansijsk. Deshalb will er der Empfehlung seines Arbeitgebers Deutscher Skiverband (DSV) folgen und die Sache einem Anwalt zur Prüfung einer Strafanzeige übergeben. Derweil regte Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, eine Verjährung im Fall Ullrich an. „Wer 20 Jahre unbeanstandet im gesamtdeutschen Sport als Trainer tätig war, dem sollte man, was da auch immer im Einzelnen gewesen ist, diese Dinge nicht mehr vorhalten dürfen“, sagte Danckert dem Bayerischen Rundfunk.

Unterstützt wird Frank Ullrichs Aussage, jede Art von unerlaubter Leistungsmanipulation abzulehnen, durch einige seiner prominenten früheren Sportler. Mit dem Altenberger Frank-Peter Roetsch sowie den Oberhofern Frank Luck, Sven Fischer und Peter Sendel haben inzwischen vier Olympiasieger erklärt, niemals vom ihm Dopingmittel erhalten zu haben oder von Ullrich zu Doping aufgefordert worden zu sein.

In der ARD-Sportschau hatte der 43 Jahre alte ehemalige Biathlet Wirth behauptet, Ullrich habe ihn zur Einnahme des Doping- Präparats Oral Turinabol angewiesen und dieses auch kontrolliert. Inzwischen hat er dazu eine Eidesstattliche Erklärung zur Vorlage bei Gericht abgegeben. Wirth war 1987 mit der DDR-Staffel Weltmeister und ein Jahr später Olympia-Starter. Im Gegensatz dazu steht seine Aussage vom Mai 1991 bei einer Zeugenvernehmung beim Landeskriminalamt (LKA) Thüringen. Damals hatte Wirth betont, dass er von Ullrich nie diese Tabletten erhalten habe. Er gab 1991 zudem an, dass er nicht konkret sagen könne, welche Trainer oder Mediziner ihm im Einzelfall die Tabletten gegeben hätten. Dies läge ja auch schon einige Jahre zurück.

Der Deutsche Skiverband hält nach Einsicht in das Vernehmungsprotokoll des LKA Thüringen den Kronzeugen Wirth für unglaubwürdig. Er vertraut den mehrfachen Überprüfungen Ullrichs durch das Nationale Olympische Komitee (NOK). Schon vor der Olympia- Nominierung für 1992 hatte das NOK festgestellt, dass der 1991 gegen Ullrich erhobene Doping-Verdacht nicht erhärtet worden sei und Ullrich im Sinne der Empfehlungen der sogenannten „Reiter-Kommission“ die Gewähr biete, auch in Zukunft seine Arbeit im gesamtdeutschen Sport leisten zu können. Auch danach hat der DSV nach Angaben von Pressesprecher Stefan Schwarzbach in den vergangenen Jahren keinerlei Hinweise oder Empfehlungen erhalten, dass Ullrich nicht mehr als Cheftrainer arbeiten könne.

Trotzdem will sich der DSV auch nach der Prüfung aller ihm bisher vorliegenden Unterlagen weiter um „größtmögliche Aufklärung“ bemühen. Er wird deshalb eine Untersuchungskommission bilden, die mit den Betroffenen sprechen und auch bei der Stasiunterlagen-Behörde Akteneinsicht beantragen soll, was dem DSV in der Vergangenheit verwehrt worden war.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen