Ullrich und Müssiggang: 7 WM-Medaillen im Visier

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Deutsche Presse-Agentur

Bei der Biathlon-WM in Pyeongchang rechnen sich die deutschen Athleten gute Chancen auf Podestplätze aus. Wo die Stärken der DSV-Starter liegen erklären, die Bundestrainer Uwe Müssiggang und Frank Ullrich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Mit welchen Zielen starten Sie in die elf WM-Rennen in Pyeongchang?

„Zwei Einzelmedaillen und eine im Staffelrennen sind unser Ziel. Das ist anspruchsvoll, aber realistisch, wenn die Männer ihr Leistungsvermögen ausschöpfen. Dabei wird es an der Spitze sehr eng zugehen.“

„Unser Motto ist das gleiche wie im Weltcup. Wir kämpfen immer um Podestplätze. Mit dem Anspruch an sich selbst werden die Mädchen starten. Um dem gerecht zu werden, braucht man aber auch ein Quäntchen Glück. Zufrieden wäre ich - wie Frank - mit zwei Einzel- und einer Staffel-Medaille, die möglichst in Gold. Auch in der Mixed-Staffel wollen wir mitmischen.“

Wie war der Leistungsstand in der Mannschaft beim WM-Trainingslager?

„Alle sind gesund. 'Michi' Greis ist ganz stark im Kommen, führt jede unserer internen Ranglisten an, kann eine führende Rolle bei der WM spielen. Auch 'Ebs' Rösch hat dazu das Vermögen. Und Christoph Stephan brennt nach seinem Weltcup-Sieg in Antholz. Allerdings sollte man von ihm auf den unrhythmisch zu laufenden Strecken nicht zu viel erwarten.“

 „Wir hatten in Ruhpolding beste Bedingungen und bis auf ein paar kleine Wehwehchen mit den Schuhen bei 'Simmi' Hauswald und Kathrin Hitzer keine Probleme. Den internen Trainings-Wettkampf hat Kati Wilhelm knapp vor Andrea Henkel und Martina Beck gewonnen. Die drei sowie Magdalena Neuner, die da nicht startete und meinem Eindruck nach ihren Fehler-Fünfer von Antholz verarbeitet hat, liegen auf hohem Niveau ganz eng beisammen. Dann kommt mit etwas Abstand 'Simmi' und dahinter Kathrin.“

Haben die russischen Skijägern zugewiesenen positiven Doping-Proben bei der WM-Vorbereitung eine Rolle gespielt?

„Klar war das ein Thema. Sicher reden die Männer auch darüber, wenn es bei einzelnen Kontrahenten Leistungsexplosionen gibt. Es ist gut, dass das Kontrollsystem immer besser greift. Offensichtlich sind die Dopingjäger den schwarzen Schafen wieder einen Schritt näher gekommen.“

„Wir sind bisher sehr zurückhaltend mit Beurteilungen. Im Vorjahr haben wir selbst spüren müssen, wie schlimm unbewiesene haltlose Verdächtigungen sein können. Ich wäre aber sehr enttäuscht, wenn uns die beiden Russinnen, deren Namen im Gespräch sind, so getäuscht, um nicht zu sagen verarscht, hätten. Gerade Jurjewa habe ich immer als sehr nette, offene und angenehme Sportlerin empfunden. Als Jurjewa und Achatowa in Östersund getestet wurden, saß übrigens auch Kati Wilhelm bei der Doping-Kontrolle.“

Wird es wie im Vorjahr in Östersund wieder „Stars der WM“ geben?

„Wenn ein Athlet einen Lauf hat, wird er sich wieder - wie im Vorjahr Emil Hegle Svedsen - durchsetzen können. Anwärter darauf sind neben Svendsen noch Ole Einar Björndalen, den man trotz bisher nicht so überragender Ergebnisse nie abschreiben darf, der Pole Tomasz Sikora, eventuell der Russe Tschudow und 'Michi' Greis.“

„Das Schöne am Biathlon ist, dass man nichts vorhersagen kann. Das Zeug dazu haben unsere vier Besten, die Schwedinnen Helena Jonsson und Anna Carin Olofsson-Zidek, Kaisa Mäkäräinen, Tora Berger und die Weißrussin Darya Domratschewa. Was mit den Russinnen wird, muss man abwarten. So etwas wie mit den jeweils drei WM-Titeln für Magdalena Neuner in den letzten beiden Jahren passiert nicht sehr häufig. Es wird schwer, so eine Serie erneut zu schaffen.“

Der Winter ist ein Testlauf für Olympia 2010 in Vancouver. Gibt es schon Erkenntnisse für die Olympia-Vorbereitung?

„Der Saison-Höhepunkt steht ja erst noch bevor. Fakt ist: Es gibt positive Ansätze. Ein Fazit können wir nach der WM und dem Olympia-Test in Vancouver ziehen.“

 „Eigentlich gibt es bei uns keine Test-Saison. Wir haben jedes Jahr WM. Da gibt es keine Unterschiede bei der Vorbereitung, nur die Höhe des Wettkampf-Ortes oder die Zeitverschiebung. Wir versuchen, die Vorbereitung immer so normal wie möglich zu gestalten. Wenn man etwas besonderes versucht, geht das meist in die Hose.“

Was ist das Spezielle an Pyeongchang?

„Die Strecken sind hart und schwer. Man hätte sie rhythmischer gestalten können. Dort werden sich die Athleten durchsetzen, die besonders belastungsverträglich sind und die Gesundheitsvorsorge ernst nehmen.“

„Wer läuferisch gut drauf ist, kann daraus auf den schweren Strecken viel machen, auch wenn die problematische Abfahrt entschärft wurde. Darauf haben wir hingearbeitet. Um keine Wünsche offen zu lassen, haben wir den Onkel von Martina Beck als Koch für zusätzliche Verpflegung dabei. Wir werden auch unser Brot backen. Das koreanische war im Vorjahr grausig.“

Interview: Uwe Jentzsch, dpa

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