TV statt Tour für Buchmann

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Emanuel Buchmann (vorne) wurde im vergangenen Jahr bei der Tour de France 15. und war damit bester Deutscher.
Emanuel Buchmann (vorne) wurde im vergangenen Jahr bei der Tour de France 15. und war damit bester Deutscher. (Foto: AFP)
Sportredakteur

In den vergangenen Jahren war für Emanuel Buchmann immer klar, was er im Juli macht. Der Ravensburger war in dieser Zeit immer bei der Tour de France. Doch in dieser Saison ist es anders. Während seine Kollegen und Konkurrenten ab Samstag durch Frankreich fahren, sitzt Buchmann vor dem Fernseher. Der 25-Jährige ist weder verletzt noch außer Form – sein Team Bora-hansgrohe, das am Freitag die Vertragsverlängerung mit Sponsor Hansgrohe bis 2020 bekannt gegeben hat, setzt in diesem Jahr aber auf eine andere Strategie.

15. war Emanuel Buchmann 2017 bei der Tour de France – das beste Ergebnis eines deutschen Radprofis in Frankreich seit fünf Jahren. Er ist eine der großen deutschen Rundfahrt-Hoffnungen. Aber eben nicht dieses Jahr in Frankreich. „Das wird schon ein bisschen komisch, die Tour nur am Fernsehen zu verfolgen“, gibt Buchmann zu. „Ich war es fast schon gewohnt, im Juli dort zu starten.“ Sein Team setzt jedoch auf Peter Sagan in der Sprintwertung und auf Rafal Majka am Berg und in der Gesamtwertung. Da war dann kein Platz mehr für den Ravensburger.

Zumindest keiner, der ihm gerecht geworden wäre. „Es war klar, dass ich eine große Rundfahrt als Kapitän fahren darf“, sagt Buchmann. Die „gemeinsame Entscheidung“, wie es der Ravensburger betont, fiel auf die 73. Spanien-Rundfahrt vom 25. August bis 16. September. Die Top Zehn will Buchmann erreichen, bei optimalem Verlauf spekuliert er auf mehr. „Vielleicht sind auch die Top Fünf drin.“ Dem schmächtigen Kletterspezialisten kommt die Vuelta in diesem Jahr mehr entgegen als die Tour. „Vom Profil her ist die Vuelta die schwerste Rundfahrt“, meint Buchmann. „Es gibt viele Berge.“ Gute Voraussetzungen für den 25-Jährigen.

Nach der deutschen Meisterschaft – die sein Teamkollege Pascal Ackermann gewonnen hat – hat sich Buchmann ein bisschen Pause gegönnt. In der kommenden Woche steigt er wieder ins Training ein, unter anderem fährt er ins Höhentrainingslager. Dann steht Anfang August die Polen-Rundfahrt an. Quasi der letzte Härtetest für die Vuelta. Danach folgt die Weltmeisterschaft in Innsbruck. Auch die hat es in sich und spricht Kletterspezialisten an.

Mit seiner Form und seiner bisherigen Saison ist Buchmann „sehr zufrieden“. Platz sechs beim Critérium du Dauphiné steht da unter anderem zu Buche. „Im Teamzeitfahren haben wir etwas Zeit verloren, sonst wäre noch mehr drin gewesen“, sagt Buchmann. Stichwort Zeitfahren: Das ist etwas, woran der junge Profi seit Jahren arbeitet. Im Winter wurde intensiv an der Sitzposition gefeilt. „Die Zeitfahren bisher in dieser Saison waren nicht schlecht“, sagte Buchmann bei „cyclingmagazine.de“.

Klare Worte

Eine klare Meinung vertritt der Ravensburger beim Thema Christopher Froome. „So etwas wirft den Radsport wieder in ein schlechtes Licht“, sagt Buchmann über die Affäre des Briten um erhöhte Salbutamolwerte (Inhaltsstoff eines Asthmamittels). Froome darf nach einem Richterspruch in Frankreich starten. „Vielleicht wird er nachträglich disqualifiziert, das wäre fatal für den Radsport“, meint Buchmann, der sich aber viel lieber rein auf das Sportliche konzentrieren will. „In Deutschland geht es mit unserem Sport stetig bergauf.“ Das soll so bleiben. Dafür will Buchmann mit eigenen Erfolgen sorgen. Bei der Vuelta. Und im kommenden Jahr wieder bei der Tour – und nicht am TV.

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