Turnen: Hambüchen gewinnt American Cup

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Deutsche Presse-Agentur

Fabian Hambüchen ist gleich zum Saisonauftakt ein Sieg für die Geschichtsbücher gelungen. Der Reck-Weltmeister gewann in Chicago als erster Deutscher in der 34-jährigen Historie des American Cups den Mehrkampf.

„Das war riesig, hier vor solch einer Kulisse ganz oben zu stehen“, meinte der 21 Jahre alte Hesse erfreut. Vor fast 10 000 Zuschauern war Hambüchen mit 90,65 Punkten der große Coup vor den beiden US-Boys David Sender (90,45) und Joey Hagerty (89,55) geglückt. Großartig kämpfte auch die Tübingerin Kim Bui, die mit Platz drei das beste Resultat einer deutschen Turnerin beim American Cup seit 30 Jahren erzielte.

Schlüssel zu Hambüchens Triumph waren diesmal noch nicht die Höchstschwierigkeiten, sondern die saubere Ausführung. „Er hat keine großen Fehler gemacht. In der Schwierigkeit muss er aber in den sechs Wochen bis zur Europameisterschaft nun zulegen“, sagte Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen, der wie sein Sohn vor dessen viertem Auftritt beim Traditionscup nicht mit dem Sieg gerechnet hatte: „Wir sind davon ausgegangen, dass wie immer ein Amerikaner gewinnt.“ Tatsächlich hatten die Gastgeber bei 32 bisher ausgetragenen Mehrkämpfen 23 Sieger gestellt. Der letzte Erfolg eines Europäers datierte durch den Weißrussen Witali Scherbo aus dem Jahr 1994. Aus deutscher Sicht waren zweite Plätze von Ralf Büchner (Potsdam/1990) und Roland Brückner (Berlin/1978) die bislang beste Ausbeute.

Hambüchen lag an allen Geräten unter den Top 3, hatte vor dem Reck jedoch 1,25 Punkte Rückstand auf David Sender. „Wir wussten aber, dass er am Reck nicht so stark ist und ich hier noch eine Chance habe“, meinte Hambüchen, der aber bei seinem ersten Auftritt nach seiner Finger-Operation das letzte Risiko vermied. Er nahm den Kolman-Flieger aus der Übung, ließ auch eine schwierige Verbindung weg. Mit nahezu perfekter Ausführung kam er auf 15,75 Punkte. Im geschlagenen Feld landete unter anderen der Olympia-Dritte Benoit Caranobe aus Frankreich (5.).

Erst in der vergangenen Woche hatte sich Hambüchen in der Klinik Bergisch-Gladbach bei einer Nachuntersuchung Grünes Licht für sein Saison-Debüt geholt. Im Dezember war ihm bei einer Operation das abgerissene Band des kleinen Fingers der linken Hand mit einem Titan-Anker befestigt worden. „Man kann Chefarzt Westerdorf nur die Hand schütteln. Fabian hat nichts mehr gespürt“, sagte Wolfgang Hambüchen.

Kim Bui sorgte mit Platz drei für das beste Resultat einer deutschen Turnerin seit die Berlinerin Maxi Gnauck 1979 Zweite geworden war. Mit 56,00 Punkten musste die Tübingerin nur der erst 13 Jahre alten Jordyn Wieber (60,20) und deren US-Teamgefährtin Bridget Sloan (59,60) den Vortritt lassen. Entscheidend war eine stabile Übung der 20-Jährigen am Schwebebalken. „Am Barren hatte sie einen kleinen Fehler, aber ansonsten lief es prima“, lobte Trainer Robert Mai.

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