Trainerbörse der Enttäuschten

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Jürgen Klinsmann
Jürgen Klinsmann könnte laut japanischen Medienberichten Nationaltrainer werden. (Foto: Soeren Stache / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Florian Lütticke und Miriam Schmidt und Jens Marx

Das Ja-Wort von Joachim Löw bleibt die Ausnahme - so rasant wie der gestürzte Titelverteidiger haben nur die wenigsten Teams ihr WM-Scheitern verarbeitet.

Spanien nimmt sich drei Wochen Zeit für die Trainer-Suche, in Japan soll Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann ein Kandidat sein - und bei Argentinien bringt sich gar Diego Maradona selbst ins Gespräch. Für 15 der 24 vor dem Viertelfinale ausgeschiedenen WM-Teilnehmer ist noch völlig offen, mit welchem Trainer es weiter geht.

Klinsmann wird heiß bei den überraschend starken Japanern gehandelt und soll auf einer Liste ausländischer Kandidaten stehen, wie die japanische Sport-Zeitung „Sponichi“ berichtete. Der Verband JFA verhandle bereits mit Klinsmann, hieß es. Präsident Kozo Tashima sagte dem Blatt, der Verband werde unvoreingenommen über die zukünftige Besetzung des Postens entscheiden. Es gilt aber auch als möglich, dass der Japaner Akira Nishino Nationalcoach bleibt.

Gerade bei den enttäuschten Top-Teams lässt sich derzeit eine gewisse Ratlosigkeit feststellen. Der begehrteste Job wird wohl bei der spanischen Selección frei. Fernando Hierro, der erst durch das Chaos um den Rauswurf des neuen Real-Madrid-Coaches Julen Lopetegui kurz vor der WM ins Amt kam, dürfte nach der Schmach gegen Russland keine Option für ein längeres Engagement sein. Gehandelt werden der wenig pflegeleichte Ex-Barça-Coach Luis Enrique, Quique Flores und Michel.

Selbst Ex-Weltmeister Xavi wird in einem Medienbericht ins Spiel gebracht. Der 38 Jahre alte Welt- und Europameister hat allerdings null Trainererfahrung und gerade seinen Spielervertrag in Katar verlängert.

Noch verfahrener ist die Situation nach dem Achtelfinal-Aus bei Argentinien. Trotz der Posse um seine angebliche Entmachtung unter anderem durch Lionel Messi und seines devoten Schuldeingeständnisses standen die Zeichen eigentlich auf einen freiwilligen Rückzug von Jorge Sampaoli. Auch der Verband hätte gerne einen Neuanfang. Doch angesichts eines bis 2022 laufenden Vertrags will Sampaoli offenbar nicht so ohne weiteres auf ein Millionen-Gehalt verzichten.

So nutzt selbst die unvermeidliche Über-Figur des argentinischen Fußballs das derzeitige Vakuum für ein bisschen Eigen-PR. „Ich würde es umsonst machen“, verkündete Maradona während seiner Sendung im venezolanischen Fernsehen.

Es fehlt in der absoluten Spitze derzeit an geeigneten Kandidaten - Zinédine Zidane als begehrtester Jobloser spielt derzeit noch keine Rolle. Er macht Urlaub mit der Familie auf Ibiza.

Zwei Verbände haben schon Konsequenzen aus dem Vorrunden-Aus gezogen: Bayerns Stürmerstar Robert Lewandowski bekommt bei Polen ebenso einen neuen Coach wie Mohamed Salah in Ägypten. Offen ist die Zukunft der Trainer rund um den Globus von Kolumbien über Mexiko und Serbien bis nach Südkorea. Ungewohnt konstant präsentieren sich die afrikanischen Teams: Die Zukunft von Gernot Rohr bei Nigeria gilt ebenso als gesichert wie für Aliou Cissé (Senegal) und Hervé Renard (Marokko).

Den lässigsten Umgang mit dem Aus bei der WM präsentierte Islands Heimir Hallgrimsson: Nur zwei Tage nach der Abreise aus Russland stand er wieder auf dem Fußballplatz und pfiff als Schiedsrichter in seiner Heimat Vestmannaeyjar bei einem Jugendturnier. Ansonsten liegt der praktizierende Zahnarzt aber voll im WM-Trend: Seine Trainer-Zukunft ließ Hallgrimsson erst einmal offen.

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