Towerstars spielen gegen das Frankfurter Selbstverständnis

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Ab Donnerstag stehen sich Frankfurt und Ravensburg im Play-off-Finale gegenüber.
Ab Donnerstag stehen sich Frankfurt und Ravensburg im Play-off-Finale gegenüber. (Foto: Felix Kästle)
Sportredakteur

Auf die Ravensburg Towerstars wartet der Hauptrundenmeister im Play-off-Finale um die Meisterschaft in der DEL2. Die Löwen Frankfurt sind aber nicht nur gut durch die reguläre Saison gekommen, sondern auch sehr souverän durch Viertel- und Halbfinale. Ihrem Selbstverständnis entsprechend. Und genau dagegen müssen die Towerstars anspielen.

Ginge es nach den Löwen Frankfurt, würden sie eher heute als morgen in der DEL spielen. Jedenfalls haben sie wieder die Lizenz für die erste Liga beantragt, um bereit zu sein, falls oben (aus finanziellen Gründen) ein Platz frei würde. Spätestens soll es soweit sein, wenn es sportlich möglich ist – also durch den DEL2-Titel in der Saison 2020/21. Bis dahin darf es gerne noch die eine oder andere Meisterschaft in Liga zwei sein, auch wenn sie nicht gleich zum Aufstieg führt.

Nach dem Halbfinalaus in der vergangenen Saison sind die Frankfurter nun wieder dort angekommen, wo sie sich selber am liebsten sehen: im Finale. Gegen zwei sächsische Teams hatten sie quasi keine Probleme in den bisherigen K.o.-Runden. Im Viertelfinale ging zwar ein Spiel gegen die Eispiraten Crimmitschau mit 1:5 verloren, allerdings führten die Löwen da schon mit drei Siegen in der Serie. In Partie fünf machten sie den Deckel drauf.

Glatter Erfolg im Halbfinale

Gegen die mit einem überraschenden Sieg gegen die Bietigheim Steelers ins Halbfinale gerutschten Dresdner Eislöwen gelang sogar ein Sweep. Nur für den vierten und entscheidenden Erfolg brauchten die Frankfurter die Verlängerung. Trotzdem sagte Trainer Matti Tiilikainen nach dem Finaleinzug: „Das war echt schwer.“ Zudem freute er sich, dass seine Mannschaft schon ein paar Tage früher Pause hatte als die Towerstars, um sich auf die Endspielserie vorzubereiten.

Dort erwarten die Frankfurter die Ravensburger als leichter Favorit. Als Hauptrundenmeister haben die Löwen Heimrecht, beginnen also die Serie im eigenen Eisstadion am kommenden Donnerstag (19.30 Uhr) und hätten in einem entscheidenden siebten Spiel (am Dienstag, 30. April) wieder ein Heimspiel. Bisher haben sie alle acht Play-off-Spiele in eigener Halle gewonnen. Zudem verfügen sie über den in der Breite etwas besser aufgestellten Kader. Schlüsselspieler sind Goalie Ilya Andryukhov, der torgefährliche Maximilian Faber – jüngst zum besten Verteidiger der DEL2-Saison gewählt –, Topscorer und Kapitän Adam Mitchell, sowie die Ex-Towerstars Mathieu Tousignant und Carter Proft. Mitchell (vier Tore, acht Assists) und Proft (drei Tore, neun Assists) sind die bisher erfolgreichsten Scorer der Löwen in den Play-offs.

Stark besetzte Reihen

„Das ist das, worauf wir als Team hingearbeitet haben. Wir freuen uns drauf“, sagt Proft vor der Finalserie gegen die Towerstars, zu denen er mitten in der Saison 2017/18 wechselte und einen guten Eindruck hinterließ. Mit dem Wunsch, es bei einem DEL-Club probieren zu wollen, verließ Proft Ravensburg nach der Spielzeit – landete aber in Frankfurt. Dort spielte er sich auf der Centerposition in die erste Reihe zwischen die Sturmkollegen Mitchell und Tousignant. Auch Reihe zwei mit Brett Breitkreuz, David Skokan und Matt Pistilli sowie Reihe drei mit Eduard Lewandowski, Lukas Koziol und Max Eisenmenger ist stark besetzt. Wahrlich sehen lassen kann sich auch die vierte Reihe. Mit Magnus Eisenmenger, Dominik Meisinger und Mike Fischer laufen dort in der Offensive gute Kräfte auf, die gerne auch mal für einen Treffer gut sind.

Diese Offensivpower muss die zuletzt so starke Towerstars-Defensive stoppen, um das Frankfurter Selbstverständnis zu stören.

Die bisherigen vier Saisonspiele

9. Spieltag: Löwen Frankfurt – Ravensburg Towerstars 4:7 (2:3, 0:2, 2:2). Die überragende Frühform der Towerstars bekamen auch die Frankfurter zu spüren. 75 Sekunden dauerte es nur, da erzielte Mathieu Pompei die Führung. Nach dem Ausgleich durch Mick Köhler erzielten David Zucker und der Ex-Löwe Pawel Dronia die Ravensburger Tore zwei und drei. Tim Schüle verkürzte noch im ersten Drittel. Daniel Schwamberger und Robbie Czarnik in Unterzahl stellten im zweiten Abschnitt die Weichen auf Sieg. Im Schlussdrittel trafen beide Teams noch zweimal: Sören Sturm doppelt für Ravensburg, Matt Pistilli und Lukas Koziol für Frankfurt. „Die sind nicht umsonst so erfolgreich. Das ist eine Spitzenmannschaft. Der Puck läuft, das System stimmt. Vor allem ihr Umschaltspiel nach Puckeroberung ist überragend“, lobte DEB-Vizepräsident Marc Hindelang.

22. Spieltag: Ravensburg Towerstars – Löwen Frankfurt 1:2 (0:0, 1:1, 0:1). Zur Verlängerung zwischen dem Tabellenführer Ravensburg und dem Tabellenzweiten Frankfurt fehlten nur Bruchteile einer Sekunde. Vor ausverkauftem Haus bliebt das erste Drittel torlos, dann traf Sören Sturm anfangs des zweiten Abschnitts zum 1:0. Frankfurt kam durch Brett Breitkreuz zum Ausgleich. Dann passierte bis kurz vor der Schlusssirene nichts mehr, was das Ergebnis verändert hätte. In den letzten Sekunden kamen die Frankfurter gefährlich ins Ravensburger Drittel. Aus dem Rückraum zog Matt Pistilli ab und traf zum 1:2 – bei 59:59 Minuten.

37. Spieltag: Löwen Frankfurt – Ravensburg Towerstars 8:1 (3:0, 2:0, 3:1). Der Tiefpunkt der Hauptrunde aus Ravensburger Sicht. Über Wochen waren die Leistungen immer schwächer geworden, die Punkteausbeute immer geringer. Doch dieses Wochenende war die Krönung. Erst das 2:4 am Freitag gegen die Bietigheim Steelers in der CHG-Arena, dann der Sonntagabend in Frankfurt. Am ersten Drittel war allein gut, dass es nur 0:3 stand. Völlig neben sich wurden die Towerstars komplett vermöbelt. Olivier Hinse erzielte nach sieben Löwen-Toren den einzigen Treffer für die Oberschwaben, die durch die üble Klatsche die Tabellenführung an Frankfurt abgeben mussten. Zwei Wochen später war Jiri Ehrenberger nicht mehr Trainer in Ravensburg.

48. Spieltag: Ravensburg Towerstars – Löwen Frankfurt 3:1 (1:0, 0:1, 2:0). Das beste Spiel unter dem neuen Trainer Rich Chernomaz in der Hauptrunde. Mathieu Pompei sorgte für die Führung, die Maximilian Faber im Mitteldrittel ausglich. Für einen der Momente der Saison sorgte Daniel Schwamberger im Schlussabschnitt. Aus der Halbdistanz fasste er sich ein Herz, zog ab und überwand Goalie Ilya Andryukhov im Frankfurter Tor. Dafür wurde er später zum Spieler des Tages gekürt. Pompei traf spät ins leere Tor zum 3:1. Die Towerstars waren nach dieser Leistung endgültig wieder für die Play-offs ernst zu nehmen.

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