Towerstars gewinnen mit Glück und Geschick

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 Die Ravensburg Towerstars (links Jakub Svoboda) mussten in Heilbronn bis ins Penaltyschießen, ehe der Sieg feststand.
Die Ravensburg Towerstars (links Jakub Svoboda) mussten in Heilbronn bis ins Penaltyschießen, ehe der Sieg feststand. (Foto: Andreas Veigel)
Sportredakteur

Heilbronner Falken – Ravensburg Towerstars 3:4 n.P. (1:1, 1:2, 1:0, 0:0, 0:1)

Tore: 1:0 (4:00 ÜZ) Justin Kirsch (Maschmeyer, Lambacher), 1:1 (17:59 ÜZ) Robin Just (Svoboda, Pompei), 1:2 (23:49) Jakub Soboda (Zucker), 2:2 (36:19 ÜZ) Derek Damon (Lavallée), 2:3 (38:44 UZ) Mathieu Pompei (Just, Pozivil), 3:3 (47:22 ÜZ2) Justin Kirsch (Helms, Maschmeyer); 3:4 (Penalty) Mathieu Pompei

Strafen: Heilbronn 18 Minuten, Ravensburg 20 Minuten

Zuschauer: 1327

Die Ravensburg Towerstars stehen im Play-off-Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga 2. Dank des 4:3 nach Penaltyschießen bei den Heilbronner Falken ist die Mannschaft von Trainer Rich Chernomaz schon jetzt sicher unter den besten sechs Teams der DEL2. Der hart erkämpfte Sieg in Heilbronn geriet zwischenzeitlich jedoch arg in Gefahr, weil die Towerstars sich durch Strafzeiten schwächten. Für Chernomaz war es der dritte Sieg im dritten Spiel, seit er die Mannschaft vor knapp einer Woche übernommen hat.

Andreas Driendl war auch in Heilbronn krankheitsbedingt nicht dabei, so blieb der Towerstars-Kader im Vergleich zum 5:4 nach Verlängerung gegen den EC Bad Nauheim am Freitagabend personell unverändert. Dafür waren die Verteidigerblöcke durcheinandergewirbelt. Statt der etatmäßigen Paarung Ondrej Pozivil/Maximilian Kolb hieß es plötzlich Pozivil/Pawel Dronia und Kolb/Thomas Supis, nur das Duo Sören Sturm/Kilian Keller blieb zusammen.

Defensiv standen die Ravensburger auch so recht sicher, brenzlig wurde es nur in Unterzahl. Schon in der vierten Minute musste Jakub Svoboda auf die Strafbank. Heilbronn nutzte den Freiraum zu einer schönen Kombination, an deren Ende Justin Kirsch rechts oben ins Eck vollendete (4.). Auch im zweiten Powerplay fuhren die Falken gefährlich auf – Kilian Keller saß in der Kühlbox –, doch dieses Mal ging alles gut. Auf der Gegenseite hatten die Towerstars zehn Sekunden lang zwei Mann mehr auf dem Eis, prompt kamen sie durch Robin Just zur bis dahin besten Chance (17.). Erstmals geschlagen war Falken-Goalie Mirko Pantkowski, als Ravensburg immer noch eine einfache Überzahl hatte. Wiederum kam Just zum Schuss und platzierte den Puck perfekt rechts unten – 1:1 (18.).

Sturmlauf führt zum zweiten Tor

Nachdem das erste Drittel offensiv noch etwas zurückhaltend war, drehten die Towerstars im zweiten Abschnitt richtig auf. Höhepunkt eines minutenlangen Sturmlaufs war der zweite Treffer des Abends. David Zucker fuhr elegant übers halbe Feld, drehte sich zwischendurch mit Puck um die eigene Achse, spielte dann genau auf Jakub Svoboda, der ließ Pantkowski aussteigen und traf mit der Rückhand (24.). Womöglich wäre das ewig so weiter gegangen, doch dann brachten sich die Ravensburger mit Strafen selbst aus dem Tritt. Erst saß Svoboda draußen, dann Tim Brunnhuber, dann Robin Just – bei der dritten Überzahl fanden die Falken eine Lücke: Derek Damon glich zum 2:2 (37.) aus. Als auch noch Pawel Dronia für zwei Minuten raus musste, drehten die Towerstars den Spieß aber um. Mit einer schönen Fahrt auf Pantkowski – inklusive diverser Richtungsänderungen – ließ Mathieu Pompei in Unterzahl die Heilbronner alt aussehen und traf zur erneuten Führung (39.). Sekunden später reagierte Ravensburgs Goalie Jonas Langmann glänzend gegen Alex Lambacher. Etwas glücklich ging somit das zweite Drittel an die Towerstars, die insgesamt acht Minuten mit einem Spieler weniger auskommen mussten.

Lange hielt die straffreie Zeit für Ravensburg auch im Schlussdrittel nicht. Und es kam sogar noch schlimmer als zuvor: Gleichzeitig saßen Maximilian Kolb und Vincenz Mayer draußen. Wieder wurde Kirsch freigespielt, wieder traf er problemlos zum 3:3 (48.). Es war der dritte Gegentreffer in Unterzahl. Danach war das Spiel fast nur noch zerfahren. Auch die Towerstars hatten Überzahlsituationen, so richtig zwingend waren die Aktionen der Gäste aber nicht mehr. Der Spielfluss war völlig dahin. Am Ende mussten die Towerstars froh sein, dass Maschmeyer im Powerplay nur den Pfosten traf (55.). Robbie Czarnik hatte 33 Sekunden vor Schluss sogar noch den Sieg auf der Kelle – Pantkowski hielt aber stark.

„Das war ein verrücktes Spiel“

In der Verlängerung lagen die Vorteile bei Ravensburg, selbst eine Überzahl blieb aber ungenutzt. Im Penaltyschießen brauchte es dann satte 16 Duelle, ehe Jonas Langmann entscheidend gegen Greg Gibson hielt – zuvor hatte Mathieu Pompei Pantkowski überwunden. Mit Glück und Geschick sicherten sich die Towerstars somit den Zusatzpunkt und zogen nach Punkten überraschend mit Tabellenführer Frankfurt gleich, der einen 4:2-Vorsprung in Bad Nauheim noch abgab und im Penaltyschießen unterlag.

„Das war ein verrücktes Spiel“, sagte Towerstars-Trainer Chernomaz: „Beide Mannschaften habe sehr hart gekämpft.“ Kritisch sah er die vielen „undisziplinierten Strafen“. Im Penaltyschießen sei Ravensburg die glücklichere Mannschaft gewesen. Falken-Trainer Alexander Mellitzer lobte die Heilbronner trotz der knappen Niederlage: „Wir haben eine sehr gute Leistung gezeigt.“ Ravensburg sei durch druckvolles Spiel immer wieder zu „Fehlern und Strafen gezwungen“ worden.

Heilbronner Falken – Ravensburg Towerstars 3:4 n.P. (1:1, 1:2, 1:0, 0:0, 0:1)

Tore: 1:0 (4:00 ÜZ) Justin Kirsch (Maschmeyer, Lambacher), 1:1 (17:59 ÜZ) Robin Just (Svoboda, Pompei), 1:2 (23:49) Jakub Soboda (Zucker), 2:2 (36:19 ÜZ) Derek Damon (Lavallée), 2:3 (38:44 UZ) Mathieu Pompei (Just, Pozivil), 3:3 (47:22 ÜZ2) Justin Kirsch (Helms, Maschmeyer); 3:4 (Penalty) Mathieu Pompei

Strafen: Heilbronn 18 Minuten, Ravensburg 20 Minuten

Zuschauer: 1327

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