Torgala für Niko Kovac

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Niklas Süle (li.) und Franck Ribéry mit einem Küsschen auf die Glatze gratulieren ASrjen Robben zu einem seiner zwei Tore beim 5
Niklas Süle (li.) und Franck Ribéry mit einem Küsschen auf die Glatze gratulieren Arjen Robben zu einem seiner zwei Tore beim 5:1 gegen Benfica Lissabon. (Foto: dpa)
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Am 3. Dezember feiert der Profifußballer Arjen Robben Volljährigkeit, 18 Jahre wird das erste Profispiel des 34-jährigen BayernSpielers dann her sein. Und doch gelingen Robben auch heute noch Tricks, die niemand zuvor gesehen hat – zumindest nicht in Portugal.

Mit zwei Toren der Marke Robben Original (13., 30. Minute ) stellte Arjen Robben am Dienstagabend beim 5:1 (3:0) des plötzlich überzeugenden FC Bayern München gegen Benfica Lissabon die Weichen auf Sieg. Zudem trafen noch Robert Lewandowski doppelt (36., 51.) per Kopf und Frank Ribéry (76.). Die Torgala und die Tatsache, dass die Bayern vorzeitig das Achtelfinale der Champions League erreicht haben, dürften die Amtszeit von Trainer Niko Kovac verlängert haben. Ob aus dem Trainer auf Abruf auch wieder ein einigermaßen fest im Sattel sitzender und vielleicht gar unumstrittener Übungsleiter Niko Kovac werden kann, müssen die kommenden Spiele zeigen.

Dass Kovac diese weitere Bewährungsprobe beim Bundesligaspiel am Samstag in Bremen (15.30/Sky) bekommen würde, darauf hatte vor Anpfiff wenig hingedeutet. Die Bayern hatten vielmehr den Eindruck eines Clubs in Auflösung gemacht – auf allen Ebenen.

Paul Breitner zur unerwünschten Person erklärt

Sogar Vorgänger Jupp Heynckes hatte das Gefühl bekommen, Kovac zur Seite springen zu müssen. „Es gibt liebe Jungs dort und Diven, und dann sind da noch die schweren Verletzungen von wichtigen Spielern“, sagte Heynckes der „Westdeutschen Zeitung“. Niko Kovac „hat’s nicht einfach in München“, merkte Heynckes an und ergänzte: „Da türmt sich ein Berg von Problemen auf.“

Via „Bild“ wurde dann noch der vorläufige Höhepunkt des süffigen Endes einer Männerfreundschaft bekannt: Paul Breitner, einst Hoeneß’ bester Kumpel und Zimmergenosse, wurde zur persona non grata im Ehrengastbereich erklärt. Es habe einen Anruf von Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen gegeben, „mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen“, sagte Breitner (67) der „Bild“. Er habe seine zwei Ehrenkarten also zurückgegeben und werde sich ab sofort eben Karten für Bayern-Heimspiele kaufen. Breitner, einst Kapitän und bis 2017 Chefrepräsentant der Bayern, hatte Hoeneß wegen dessen Verhalten bei der schon legendären Pressebeschimpfungskonferenz kritisiert.

Kovac hatte indes genug damit zu tun, während der Spielvorbereitung auszublenden, dass schon lustvoll über mögliche Nachfolger wie Ex-Arsenal-Coach Arsène Wenger, Ex-Chelsea-Trainer Antonio Conte oder auch den Ex-Aalener (und -Leipziger) Ralph Hasenhüttl diskutiert wird. Und dann hatte sich am Morgen auch noch Mats Hummels mit Magen-Darm-Beschwerden krank abgemeldet und die Zahl gesunder Feldspieler im Profikader auf 13 verringert.

Kovac ließ in seinem Schicksalsspiel also Niklas Süle und Jérôme Boateng zentral verteidigen und auf den Außen David Alaba – und nicht Joshua Kimmich, sondern Rafinha; den Bösinger Kimmich beorderte Kovac statt des Ex-Benfica-Stars Renato Sanches ins zentrale defensive Mittelfeld. Auf den Flügeln sollten es die Oldies richten: Arjen Robben und Franck Ribéry.

Der Trainer bewies den richtigen Riecher: In der 13. Minute überraschte Arjen Robben mit seinem ältesten Trick fünf Gegenspieler plus den Torwart. Robben drängte nach einem Zuspiel von Thomas Müller rechts in den Strafraum, umdribbelte Gegenspieler Nummer 1, lief nach einer Körpertäuschung durch Gegenspieler zwei und drei durch, dribbelte auf zwei weitere Gegenspieler zu, eine weitere Körpertäuschung und zwei Ballstreichler später hatte er genug Abstand zu ihnen und war mittig genug, den Ball ins Tor zu zwirbeln.

Südkurve pro Kovac

Die Südkurve, die schon vor Spielbeginn ein Pro-Kovac-Transparent mit dem Spruch „Umbruch nur gemeinsam: Trainer und Team“ gezeigt hatte, sang: „Der Arjen hat’s gemacht“. Es war, als ob wieder 2013 wäre, als „der Arjen“ Bayern zum Champions-League-Sieg schoss. Später führte der dritte Robben des Spiels zum zweiten Tor des Trickschöpfers.

Die Show ging weiter: Robben hob den Ball gefühlvoll auf Thomas Müller, dessen artistischer Versuch zur Ecke geklärt wurde. Die führte zum 3:0. Robert Lewandowski, der beim blamablen 3:3 gegen Düsseldorf am Samstag Chancen in Serie vergeben hatte, köpfelte nach Kimmichs Flankeneckball ein.

Was sollte da noch schiefgehen? Etwa, dass sich die Münchner einen schnellen Konter einfingen. Gedson Fernandes, gerade erst eingewechselt, lief allen davon und traf nach einem Doppelpass mit Jonas direkt nach Wiederanpfiff zum 1:3 (46.). Doch Benfica ist nicht Düsseldorf, die Champions League ist nicht die Bundesliga, die Bayern wankten diesmal nicht. Im Gegenteil: Ecke Kimmich, Kopfball Lewandowski: 4:1 (51.). Und dann traf auch noch Franck Ribéry (76.), der andere Oldie.

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