Thiel: Drohender THW-Zwangsabstieg „Nonsens“

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Deutsche Presse-Agentur

Keine Referee-Reform, kein Zwangsabstieg: Dem THW Kiel droht auch bei einer nachgewiesenen Bestechung oder Veruntreuung kein Lizenzverlust in der Bundesliga.

Zudem sieht der Deutsche Handballbund (DHB) keine Veranlassung, sein Schiedsrichterwesen trotz der angeblichen Manipulationsaffäre rund um den deutschen Handball-Rekordmeister auf den Prüfstand zu stellen. Auch am zehnten Tag nach Bekanntwerden bleiben die Vorwürfe nebulös - und die Beteiligten warten auf klare Fakten von der Kieler Staatsanwaltschaft. „Es ist natürlich ein sensibles Verfahren, weil es einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick.

Als Zentralstelle für Korruption in ganz Schleswig-Holstein sei seine Behörde „diesen Druck mehr als gewohnt“, erklärte Wick, der auch am Mittwoch „keine Wasserstandsmeldungen“ abgeben wollte. Er ermittelt gegen Kiels Manager Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue, gegen den früheren THW-Coach Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. Beide bestreiten die Vorwürfe.

Selbst falls sich die bislang unbestätigten Gerüchte bewahrheiten sollten, wird der THW Kiel nicht in die 2. Bundesliga strafversetzt. „Da gibt es keine Rechtsgrundlage. Das ist absoluter Nonsens“, sagte der Justiziar der Handball-Bundesliga (HBL), Andreas Thiel, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Bislang seien die Vorwürfe „durch nichts gestützte Vermutungen“, betonte der frühere Weltklassetorhüter. Auch der Ablauf der Ansetzung und Betreuung der Unparteiischen soll nicht verändert werden. „Das ist nicht das Thema der Bundesliga. Das ist eine rein internationale Geschichte“, sagte DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß. Der THW soll nach einem „Spiegel“-Bericht bei mindestens zehn Champions-League-Partien Unparteiische bestochen haben.

Der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar sprach sich in der Debatte für die Einführung von Profi-Schiedsrichtern aus: „Ein Profi-Schiri mit Arbeitsvertrag und adäquatem Gehalt wäre für Betrug weniger empfänglich“, sagte der Sportdirektor des SC Magdeburg der „Sport Bild“. Davon will Rauchfuß aber nichts wissen. Er lege für die deutschen Referees, die ihre Anreise zu den Bundesligaspielen selbst organisieren, die „Hand ins Feuer“. Rauchfuß weiter: „Ich bin überzeugt davon, dass ich sie mir nicht verbrenne.“

Nach dem „Fall Hoyzer“ im deutschen Profi-Fußball hätten alle Referees Erklärungen unterschrieben, sagte Rauchfuß. So dürften die Unparteiischen nicht wetten, zudem sei ihnen vor den Spielen der Kontakt zu den Vereinen untersagt. Er verteidigte das Prinzip, dass die Schiedsrichter oft sehr frühzeitig erfahren, welche Partien sie leiten sollen. „Das muss alles logistisch vorbereitet werden“, sagte der Ex-Referee. Dass die Schiedsrichter kurz vor Anpfiff in der Kabine gemeinsam mit ihren Betreuern einen Kaffee trinken und nach Spielende im VIP-Raum etwas essen würden, sei „nichts Anrüchiges“, betonte Rauchfuß. Die deutschen Schiedsrichter, die auch international agieren, wollen sich derzeit nicht zu der Affäre äußern, fordern aber einheitliche Regularien in ganz Europa.

Schon jetzt zeichnet sich ein erheblicher Schaden für die in den vergangenen Jahren boomende Sportart ab, die gerade nach dem WM- Titel 2007 im eigenen Land vermehrt in den öffentlichen Fokus gerückt war. „Der Imageverlust für den Handball ist enorm, sollten sich diese Vorwürfe bestätigen. Noch kann man dies nicht mit Zahlen beziffern, doch die Glaubwürdigkeit dieser Sportart ist dann erschüttert“, sagte Stephan Schröder, Mitglied der Geschäftsleitung von Sport+Markt.

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