Tennis weiter ohne Fans: Der mühsame Weg zur Normalität

Tennis-Turnier
Laura Siegemund gewann 2017 beim Porsche Tennis Grand Prix das Finale. (Foto: Bernd Weissbrod / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Lars Reinefeld

30. April 2017, ein Tag, den Laura Siegemund in ihrem Leben wohl nie vergessen wird. Angefeuert von mehr als 5000 Zuschauern gewinnt die Schwäbin beim Porsche Tennis Grand Prix das Finale gegen die Französin Kristina Mladenovic und feiert den bis dato größten Erfolg ihrer Karriere.

„Das war Gänsehaut pur“, erinnerte sich Siegemund an die elektrisierende Stimmung in der Halle. In der kommenden Woche ist Siegemund wieder in Stuttgart am Start, doch dieses Mal wird alles anders sein. Wegen der Corona-Krise findet das bedeutendste deutsche Damen-Turnier in diesem Jahr ohne Zuschauer statt. „Schweren Herzens“, wie Turnierdirektor Markus Günthardt sagt. Aber immerhin gibt es die Sandplatz-Veranstaltung überhaupt, nachdem sie im vergangenen Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie komplett ausgefallen war.

Es ist ein schwerer und mühsamer Weg zurück zur Normalität, den die Turnierveranstalter wie alle in der Eventbranche noch immer vor sich haben. Als der Porsche Tennis Grand Prix im vergangenen Jahr mitten in der ersten Corona-Welle abgesagt wurde, hätte wohl niemand gedacht, dass auch die Auflage 2021 noch in einer Art Light-Version über die Bühne gehen muss.

Eine erneute Absage kam für die Macher um Günthardt und Anke Huber aber nicht infrage. Auch in München, Stuttgart und Halle (Herren) sowie in Köln, Berlin und Bad Homburg (Damen) sollen die Turniere in diesem Jahr anders als vor einem Jahr stattfinden. Nur die European Open der Herren in Hamburg und eine ATP-Doppelveranstaltung in Köln hatte 2020 in Deutschland ausgetragen werden können.

„Wir befinden uns eben noch mitten in der Pandemie“, sagte Angelique Kerber, die gleich in doppelter Hinsicht betroffen ist. Als Spielerin, weil sie seit Monaten von einer sogenannten Blase in die nächste reist und außer Hotels und Tennisanlagen kaum noch etwas zu sehen bekommt. Und als Mit-Organisatorin der Rasen-Veranstaltung in Bad Homburg, die vom 20. bis 26. Juni endlich ihre Premiere feiern soll. „Die Fans sind es, die wir am meisten vermissen“, sagte die einstige Nummer eins der Welt.

In Bad Homburg hoffen sie noch darauf, dass sich die Corona-Lage in Deutschland in den kommenden zwei Monaten verbessert und zumindest ein paar Zuschauer auf die Anlage im Kurpark dürfen. „Wir arbeiten in enger Abstimmung mit den Behörden an einem intensiven Hygiene- und Testkonzept, um einen würdigen Start unserer Premiere zu ermöglichen“, sagte Kerber-Manager und Turnierdirektor Aljoscha Thron.

In Stuttgart müssen sie dagegen andere Wege gehen und ihr Premiumprodukt mit sieben Top-Ten-Spielerinnen eben via Fernsehen und Internet zu den Fans bringen. „Die Zukunft der Eventbranche liegt in hybriden Veranstaltungen“, sagte Günthardt, also in einem Zusammenspiel aus Zuschauern in der Halle und vor den Endgeräten. „Wir nutzen dieses Jahr, um den digitalen Anteil auszubauen.“ 2022 sollen dann wieder Fans in der Halle und daheim erreicht werden.

© dpa-infocom, dpa:210415-99-215729/2

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