Tabula rasa bei den „Löwen“

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Deutsche Presse-Agentur

Tabula Rasa bei den „Löwen“: Mit Miroslav Stevic als neuem Sportdirektor für den beurlaubten Weltmeister Stefan Reuter und den Millionen einer Berliner Investorengruppe will Fußball-Zweitligist TSV 1860 München den Aufstieg 2010 erzwingen.

„Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass wir eine neue sportliche Ausrichtung brauchen“, sagte Präsident Rainer Beeck auf einer Pressekonferenz. Reuters Zeit bei den Sechzigern ist indes abgelaufen. „Wir haben mit ihm über ein verändertes Aufgabengebiet gesprochen“, sagte Beeck. Reuter teilte Journalisten jedoch mit, er könne „dieses Angebot aus mehreren Gründen nicht annehmen. Von daher bin ich beurlaubt.“

Der neue starke Mann bei den Münchnern heißt Stevic. Der ehemalige „Löwen“-Spieler bringt Millionen mit, die aus der Unternehmensgruppe Schwarzer aus Berlin stammen. „Nicolai Schwarzer ist ein seriöser Geschäftsmann. Mit dem Geld sind wir in der Lage, uns in den nächsten Transferperioden zu verstärken und den Aufstieg 2010 anzupeilen“, sagte Beeck. Das Geld soll in den nächsten vier Transferperioden als Darlehen in den finanziell angeschlagenen Verein fließen. Anteile an der Profi-Abteilung werden vorerst nicht abgegeben. „Der Investor bekommt eine Verzinsung in Abhängigkeit vom ökonomischen Erfolg“, erklärte Vize-Präsident Michael Hasenstab.

„Wir werden schon in den nächsten Spielen eine andere Mannschaft auf dem Platz sehen“, versprach Stevic, der kurzfristig seine serbischen Landsleute Antonio Rukavina und Nikola Gulan zu 1860 München gelotst hatte. „Das sind Spieler, die uns sicher weiterbringen werden“, sagte Stevic über den 25 Jahre alten Rechtsverteidiger und den 19 Jahre alten Mittelfeldspieler. Beide wurden bis Saisonende von Bundesligist Borussia Dortmund und dem italienischen Erstligisten AC Florenz ausgeliehen.

Trainer Marco Kurz, der die „Löwen“ in dieser Saison bislang nicht über einen enttäuschenden elften Rang hinausführen konnte, könnte das nächste Opfer der Neuausrichtung sein. „Fakt ist, dass die Mannschaft mehr Qualität hat, als es der Tabellenplatz aussagt. Ich werde mir ein Bild machen, ob wir auf dem richtigen Weg sind“, kündigte Stevic an, der beim Spiel beim FSV Mainz 05 auf der Bank Platz nehmen will. Die Partie am Sonntag wird somit für Kurz zur Bewährungsprobe. „Nach dem Spiel werde ich Rede und Antwort stehen“, sagte Stevic. Die Spekulation über die Zukunft von Kurz heizte auch Vize-Präsident Franz Maget an: „Stevic wird ab sofort wissen, wer der richtige Trainer für 1860 ist.“

Kurz, der sich bislang nicht zum Ziel Bundesliga bekennen wollte, wird baldige Erfolge vorweisen müssen, will er nicht seinen Job verlieren. „Alles andere als der Aufstieg als Ziel ist eine Lüge gegenüber der großen Fangemeinde von 1860“, machte Stevic die Marschrichtung klar. In die Aufstellung wolle er jedoch nicht hereinreden. „Ich sage meine Meinung nur, wenn ich gefragt werde.“

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