System Favre greift: Promis trauen Hertha alles zu

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Deutsche Presse-Agentur

Das System Favre hat Hertha BSC überraschend auf Platz eins in der Bundesliga gespült, jetzt traut sogar die deutsche Fußball-Prominenz dem Hauptstadt-Club den ganz großen Coup zu.

„Wenn die Berliner in den nächsten Wochen konstant bleiben, haben sie eine Titel-Chance“, übermittelte Bundestrainer Joachim Löw via „Bild“- Zeitung. „Kaiser“ Franz Beckenbauer attestierte Trainer Lucien Favre und seinem Team schon jetzt „eine taktische Meisterleistung“ und ordnete Hertha auf einer Stufe mit seinem FC Bayern, dem Hamburger SV, Leverkusen und Hoffenheim als Anwärter auf das Championat 2009 ein: „Alle fünf oder sechs führenden Teams können die Schale holen.“

Allerdings erwartet Beckenbauer von der Hertha künftig mehr als eine Defensiv-Taktik auf höchstem Niveau: „Das kann nicht die Strategie der Zukunft sein. Einen Mauer-Meister will man nicht sehen.“ Und auch Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann legte nach der Münchner Pleite vom Samstag nach: „Hertha ist eine Mannschaft, die rein destruktiv agiert.“

Der 51 Jahre alte Favre kann mit den Seitenhieben gut leben, im Schatten der großen Clubs der Bundesliga bastelt er seit 20 Monaten an der neuen Hertha. „Wir haben am wenigsten investiert, sogar weniger als Aufsteiger. Da können wir uns mit Bayern oder Schalke nicht vergleichen“, betonte der Hertha-Coach, der seinen Vertrag jüngst bis 2011 verlängerte. „Ich spüre keinen speziellen Druck, wir müssen so weitermachen, immer mit kleinen Fortschritten“, erklärte der Schweizer Coach und gab seinen Spielern am Montag frei.

Nach dem ersten verhaltenen Jubel muss sich der neue Spitzenreiter weiter mit Alltagsproblemen quälen. Wichtige Stammkräfte sind noch immer in der Rehabilitation. Mit Vehemenz kämpft der Club um eine Zukunft mit „Bayern-Bezwinger“ Andrej Woronin, eine kurzfristige Lösung ist nicht in Sicht. Nach den ersten offiziellen Gesprächen mit Woronin und dessen Berater Andrej Golowasch signalisierten die Beteiligten zumindest, auf einem „guten Weg“ zu sein. „Wir werden uns lang machen müssen“, sagte Hertha-Manager Dieter Hoeneß.

Die angestrebte Weiterbeschäftigung des Ukrainers, der nicht nur durch seine sechs Saisontore zu einem Symbol für die neue, frische Art der Hertha geworden ist, wird für den Tabellenführer zu einem finanziellen Drahtseilakt. Laut Etat-Ansatz müssen in der kommenden Saison rund drei Millionen Euro an Personalkosten eingespart werden. Die Ablöse für die derzeitige Leihgabe des FC Liverpool soll allein bei fünf Millionen Euro liegen. Hoeneß sucht eine „intelligente Lösung“, die in einer erneuten Ausleihe liegen könnte.

Intelligenz ist ohnehin das Schlagwort im System Favre - auf und außerhalb des Platzes. „Fußball ist vor allem Spielintelligenz“, brachte der Schweizer seine Philosophie auf den Punkt. Favre sucht Spieler, die mit diesem Anspruch zurechtkommen, und keine Stars. „Die Mischung stimmt, wir sind kompakt und eine Einheit“, sagte Favre, der eigentlich erst im kommenden Jahr um den Titel mitspielen wollte. Beim FC Zürich, seiner vorherigen Station, war der Werdegang ganz ähnlich: Nach längeren Anlauf-Problemen baute Favre ein ganz neues Team - und stand nach dem zweiten Jahr bereits ganz oben.

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