Svindal tritt in Fußstapfen von Aamodt und Kjus

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Deutsche Presse-Agentur

Als Aksel Lund Svindal vor einem Jahr körperlich geschwächt und vorsichtig wie ein Tourist über seinen norwegischen Heimathang Varingskollen rutschte, war der damals 25-Jährige Lichtjahre davon entfernt, Ski-Geschichte zu schreiben.

Doch spätestens mit seinem insgesamt dritten WM-Titel ist Svindal in Val d'Isère in die Fußstapfen der norwegischen Ski-Ikonen Lasse Kjus und Kjetil André Aamodt getreten. Dabei ließ die Art und Weise, in der der Doppel-Weltmeister von 2007 zum Kombinations-Gold fuhr, beinahe vergessen, dass er sich noch immer in der Comeback-Saison nach einem fast lebensgefährlichen Sturz befindet. An eine Rückkehr seines Vorgängers als Kombinations-Weltmeister, den immer noch im künstlichen Tiefschlaf liegenden Daniel Albrecht (Schweiz), ist noch lange nicht zu denken.

Nach Bronze im Super-G war Svindal in der Super-Kombination eine Klasse für sich. Während die Gold-Konkurrenten Jean-Baptiste Grange (Frankreich) und Bode Miller (USA) im Slalom ausschieden, bestand der 26-jährige Svindal nach seiner Abfahrtsbestzeit auch im Torlauf den Elchtest auf der eisigen „Face de Bellevarde“. Svindal fing den lange führenden Lokalmatadoren Julien Lizeroux noch ab, dessen Bruder im vergangenen Sommer bei einem Base-Jump tödlich verunglückt war.

Mit Gold Nummer drei fuhr der Gesamtweltcupsieger von 2007 zugleich in die Liga der in seiner Heimat verehrten Kjus und Aamodt vor. Mit Kjus liegt er nach WM-Goldmedaillen gleichauf, und auch die fünf Titel des vierfachen Olympiasiegers Aamodt scheinen keinesfalls unerreichbar. Schon im Riesenslalom am Freitag zählt Svindal in Val d'Isère als Titelverteidiger erneut zu den Gold-Kandidaten.

Gegönnt haben den Triumph dem mittlerweile wieder kraftstrotzenden 1,95-Athleten wohl alle Konkurrenten - nicht nur wegen seines folgenschweren Unfalls am 27. November 2007. Denn trotz aller Kompromisslosigkeit im Wettkampf ist Svindal, der nach dem Absturz auf der „Birds of Prey“ angeblich 17 Kilogramm verlor und beinahe ein Jahr pausierte, allseits beliebt. „Ich wüsste nicht viele im Skizirkus, mit denen ich keine sinnvolle Konversation zustande bringen würde“ sagt der smarte Svindal, dem schon mehrfach Techtelmechtel mit der blonden Rennfahrerkollegin Julia Mancuso nachgesagt wurden.

Im Gespräch besticht der charismatische Hüne als „Everybodys Darling“, doch privat wie auch als Rennfahrer hat Svindal die Härte, die manche Sportler zu einem Großen unter Großen macht. Als Achtjähriger musste der ältere von zwei Brüdern den Tod seiner Mutter verkraften, die bei der Geburt ihres dritten Kindes starb. Ihren Mädchennamen „Lund“ trägt er noch immer als Mittelnamen.

Nach seinem schlimmen Sturz fiel es ihm besonders schwer, die Ruhe für eine behutsame Reha aufzubringen. „Den ganzen Tag im Krankenhaus im Bett zu verbringen und nur kleine Spaziergänge zu machen, und dann nach Hause zu kommen und das Bett nur zum Schlafen zu verwenden, das war ein großer Unterschied“, sagte Svindal. Die Geduld zahlte sich aus. Nach unzähligen Stunden im Kraftraum carvt Svindal seit Saisonbeginn wieder im Ski-Weltcup mit und feierte im November seinen ersten Sieg des Winters - ausgerechnet auf seinem Unglückshang in Beaver Creek. Und rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt ist Svindal wieder in Topform.

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