Svindal krönt Comeback mit Kristallkugel

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Deutsche Presse-Agentur

Der Norweger Aksel Lund Svindal hat seine zweite große Kristallkugel im alpinen Weltcup gewonnen und damit eines der bemerkenswertesten Comebacks in der Ski-Geschichte gekrönt.

Der 26- Jährige profitierte beim Slalom im schwedischen Are vom Ausfall des Österreichers Benjamin Raich und konnte sich danach auch selbst einen Ausscheider nach nur sechs Sekunden Laufzeit leisten. „Es war ein komisches Gefühl zu gewinnen, wenn du selbst nicht gefahren bist. Wenn Benni einen normalen Slalom fährt und ich fahre den besten Slalom des Jahres, hätte Benni trotzdem gewonnen“, sagte Svindal, der die Kugel mit 1009 Punkten holte. „Nach meiner schweren Verletzung hätte ich nicht mit dem Gesamtweltcup gerechnet. Aber ich bin im Sommer immer besser in Schwung gekommen.“

Weniger Punkte hatte kein Gewinner zuvor am Saisonende auf seinem Konto, zudem war der Vorsprung von zwei Zählern auf Benjamin Raich der knappste Vorsprung in der Weltcup-Geschichte. Die bislang engste Entscheidung hatte es 2007 gegeben, als sich Svindal mit 13 Zählern mehr vor Raich den Titel sicherte. „Man brauchte in dieser Saison nicht so viele Punkte, um den Gesamtweltcup zu gewinnen. Aber es war sicherlich nicht einfacher“, befand der Norweger.

Dass Svindal zum zweiten Mal nach 2007 die wichtigste Trophäe im Skirennsport holte, daran war im November 2007 nicht zu denken. Der mittlerweile dreimalige Weltmeister war vor rund anderthalb Jahren beim Abfahrtstraining in Beaver Creek so schwer gestürzt, dass er fast eine ganze Saison ausgefallen war.

Vor gut einem Jahr wagte sich Svindal, der weit über zehn Kilogramm Muskelmasse verloren hatte, dann vorsichtig wie ein Tourist wieder auf Skiern über seinen Heimhang Varingskollen. Im Oktober kehrte er dann im Söldener Riesenslalom nach elf Monaten als 13. in den Rennsport zurück. Früher als gedacht trug sich Svindal auch wieder in die Siegerlisten ein. Ausgerechnet auf der Raubvogelpiste, auf der seiner Karriere ein Jahr zuvor wegen der schweren Unterleibsverletzungen auch ein tragisches Ende hätte nehmen können, gewann er gleich doppelt. „Ich habe mich mental extrem lange auf die Rückkehr nach Beaver Creek vorbereitet und immer wieder alle Szenarien durchgespielt, die mich hier erwarten könnten“, sagte der Kumpel von Felix Neureuther nach dem Rennen.

Für den Norweger ist das Comeback, das sich schon mit Kombinations-Gold bei der WM im Februar in Frankreich auszahlte, kein „Wunder, sondern sehr viel harte Arbeit“. Und vor allem eine Willensleistung, denn dem Modellathleten wurde viel Geduld abverlangt.

„Sein Comeback ist gewaltig. Er hat den Willen und die Bereitschaft, man kann es ihm nur vergönnen. Ich habe immer gesagt, dass ich in ihm den würdigen Nachfolger sehe, der in einer Saison vier Kugeln holen kann“, sagte Österreichs Skistar Hermann Maier, der selbst nach einem schweren Motorradunfall eindrucksvoll auf die Skipisten im Weltcup zurückgekehrt war.

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