Subasic: WM-Rekord für toten Freund - „Immer bei mir“

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Keeper
Der kroatische Torwart Danijel Subasic war der Held im Elfmeterschießen. (Foto: Efrem Lukatsky/AP / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Holger Schmidt und Thomas Brey

Auch an dem Tag, an dem er WM-Geschichte schrieb, war sein toter Freund ganz nahe bei Danijel Subasic. Vor jedem Schuss im Elfmeterschießen des WM-Achtelfinales gegen Dänemark schaute der 33-Jährige in den Himmel.

Nachdem er mit drei Paraden den WM-Rekord des Portugiesen Ricardo eingestellt hatte, zog Subasic sein Torwart-Trikot aus und zeigte der Welt das T-Shirt, das er seit mehr als zehn Jahren bei jedem Fußballspiel drunter trägt. „Forever“ stand darauf, eine 24 und ein Foto von Hvroje Custic.

„Mein Hrvoje wird immer bei mir sein“, sagte Subasic: „Und das nicht nur auf dem Shirt, sondern auch im Herzen.“ Sein Jugendfreund und ehemaliger Mitspieler war am 3. April 2008 unter tragischen Umständen gestorben. Und Subasic denkt jeden Tag an ihn. „Du fehlst mir, Du fehlst mir so für alles, was gewesen ist. Du fehlst, fehlst und fehlst mir so für alles, was kommt, Du fehlst mir…“, schrieb der Keeper zum zehnten Todestag vor wenigen Wochen bei Instagram.

Subasic hat den Tod seines Freundes nicht nur miterlebt, er fühlt sich sogar dafür verantwortlich. In einem Punktspiel von NK Zadar gegen Cibalia Vinkovci hatte der Torwart einen weiten Ball auf den linken Flügel geschlagen, so wie er es unzählige Male davor gemacht hatte. Custic kämpfte mit einem Gegenspieler um den Ball, beide schoben und rangelten, es war nicht einmal ein Foul. Custic stürzte und schlug mit dem Kopf auf eine Betonmauer auf. Fünf Tage später starb er an den Folgen einer Gehirnblutung.

„Ich denke für mich, was gewesen wäre, hätte ich den unglücklichen Ball nicht auf ihn geschossen, sondern auf die andere Seite ins Aus“, sagte Subasic später laut goal.com: „Vielleicht wäre er nicht verunglückt. Warum hat es das Schicksal gerade so gewollt? Schicksal, nichts weiter als ein unglückliches Schicksal“.

Subasic und der ziemlich genau ein Jahr ältere Custic waren gute Freunde, sie kannten sich seit der Junioren-Auswahl. „Sie waren wie Brüder“, schrieb sogar das kroatische Internetportal Index und zitierte Custics Vater Svetko mit den Worten: „Ich habe meinen Sohn verloren, aber Subasic ist mein Kind.“

Beim nächsten Spiel Zadars initiierte Subasic, dass die gesamte Mannschaft ein T-Shirt mit dem Konterfei des verstorbenen Kollegen unter dem Trikot trug. Für ihn selbst wurde es danach zum Ritual. Egal, ob bei Hajduk Split, wohin er wenige Wochen später wechselte, bei AS Monaco, wo er seit 2012 spielt, oder in der kroatischen Nationalmannschaft: Hrvoje Custic war immer bei ihm.

In Zadar gab es zum zehnten Todestag im April einen bewegenden Gedenkgottesdienst für den begabten Flügelstürmer, der in der U21 auch mit dem heutigen Star Luka Modric zusammengespielt hatte. Belangt wurde für seinen Tod bis heute niemand. Obwohl sich viele fragten, wieso so dicht am Spielfeldrand eine Betonmauer stand.

Die Frage nach dem Warum hat sich Danijel Subasic in den vergangenen zehn Jahren wohl fast täglich gestellt. Doch seinen Freund trägt er auch in diesen Wochen in Russland in und auf dem Herzen. Und vielleicht werden die beiden ja zusammen Weltmeister.

Gedenkvideo für Custic bei youtube mit der betreffenden Spielszene

Artikel bei jutarnji (Kroatisch)

Artikel bei index.hr (Kroatisch)

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