Stuttgarts missglückte Geburtstagfeier

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Ball drin, Zunge draußen: Heidenheims Tim Skarke feiert seinen Treffer zum 2:1 in Stuttgarts Mercedes-Benz-Arena.
Ball drin, Zunge draußen: Heidenheims Tim Skarke feiert seinen Treffer zum 2:1 in Stuttgarts Mercedes-Benz-Arena. (Foto: Sport Moments)

Der VfB Stuttgart hat den nächsten Rückschlag kassiert bei der Mission Rückkehr. Es wurde nichts mit dem erhofften Geschenk zum 123. Geburtstag des Vereins. Im schwäbischen Derby gegen den ehemaligen Landesligisten 1. FC Heidenheim kassierte der spielerisch enttäuschende Bundesliga-Absteiger seine erste Heimniederlage und muss sich in der Tabelle nun einen Punkt hinter den Heidenheimern im Mittelfeld einreihen. Toni Sunjic (73.) konnte zwar John Verhoeks (69.) Führungstreffer ausgleichen, aber dann liefen die Stuttgarter in einen Konter und kassierten den Knockout durch Tim Skarke (76.).

„Wirklich etwas Besonderes“

Der Matchwinner könnte sein Glück kaum fassen. „Für mich ist das wirklich etwas Besonderes – und dann auch noch hier in Stuttgart! Einfach der Hammer!“, sagte Skarke. Im wahrsten Sinne niedergeschlagen waren von Skarkes Hammer die Gastgeber. „Wir haben es uns selber unheimlich schwer gemacht, wieder viele Ballverluste gehabt“, sagte der ebenso enttäuschte wie verärgerte VfB-Trainer Jos Luhukay im Anschluss beim TV-Sender Sky. Der Niederländer räumte jedoch auch fair ein: „Unterm Strich hat Heidenheim verdient gewonnen.“

Wie sich die Heidenheimer das vorstellten beim großen VfB im Fußballtheater am Neckar, war schon vorher klar. Viel Demut zeigen, allerdings nicht auf dem Platz. „Es wird eine Riesensache. Wir sollten uns auf einen schönen Fußballabend freuen“, meinte Kapitän Marc Schnatterer. Auch Trainer Schmidt sorgte dafür, dass sein Jungs unbeschwert auftreten konnten. „Der VfB ist der große Favorit. Ich erwarte ein Spiel in eine Richtung. Darauf gilt es, eine Antwort zu geben.“ Wie die aussehen sollte, wurde schnell deutlich. Die Heidenheimer störten früh, verteidigten hellwach und wirkten bei Ballbesitz gefährlicher als der VfB, der zwar länger den Ball hatte, sich mit dem Herausspielen von Chancen aber schwertat. Vom Spiel in eine Richtung konnte keine Rede sein.

Schmidt nahm nach dem 1:2 gegen Würzburg vor zwei Wochen zwei Wechsel vor: Halloren und Verhoek durften anstelle von Finne und Thomalla auf den Platz. Beim VfB vertraute Luhukay nach der Länderspielpause auf dieselben elf Akteure, die zuvor mit 2:1 in Sandhausen gewonnen haben. Maxim saß erneut auf der Bank, die jüngsten Neuzugänge durften noch nicht ran.

Die erste Gelegenheit hatte der VfB – nach einem kapitalen Fehlpass von Verhoek, der den Ball Terodde in die Füße spielte. Der Stürmer legte ab für Gentner, dessen Rückpass an die Strafraumgrenze Zimmer mit Rücklage weit übers Tor jagte (5.). Die beste Chance der wenig spektakulären ersten Halbzeit aber hatte zwei Minuten später der FCH: Nach einem Eckball von Schnatterer, der die VfB-Abwehr permanent unter Strom hielt, kam Kraus am Fünfmeterraum an den Ball. Das musste das 0:1 sein – war es aber nicht, weil Kraus Insúa anschoss, der den Ball ins Tor-Aus lenkte. Erst gegen Ende der ersten Hälfte tat sich vor den Toren wieder was, aber Gentner und Zimmer scheiterten ebenso wie Schnatterer auf der anderen Seite.

So zäh wie die erste Hälfte verlaufen war, ging es in der zweiten weiter: Kampf und Krampf. Nach 60 Minuten durften die angesichts der vielen spielerischen Mängel reichlich ungehaltenen Fans dann endlich jubeln: Luhukay ließ Maxim zur Bank rufen, der zwei Minuten später für Zimmer ins Spiel kam. Das machte sich erneut bezahlt: Seine präzise geschlagene Ecke wuchtete Sunjic, der sich energisch gegen Kleindienst durchsetzte, per Kopf ins Netz – zum 1:1. Zuvor nämlich hatte auf der anderen Seite Schnatterer gezeigt, dass er ebenfalls stark flanken kann. Verhoek konnte Maß nehmen und traf ebenfalls per Kopf. Es sah gut aus für den VfB, doch dann lief der eingewechselte Skarke auf der linken Seite davon und verwandelte eiskalt zum Siegtreffer. Am Ende stand Spießrutenlaufen vor den Fans, die die Mannschaft gnadenlos auspfiffen. Und Verteidiger Kevin Großkreutz räumte ein: „Mit solchen Fehlern verliert man einfach, die dürfen nicht passieren. Wir sind selbst Schuld.“

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