Streit um Doping-Opfer-Hilfe - Geipel rechnet ab: „Sauerei“

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Michael Lehner
Sportrechtler Michael Lehner ist neuer Vorsitzender der Doping-Oper-Hilfe. (Foto: Gregor Fischer / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Ganz kampflos, geschweige denn kommentarlos wollte Ines Geipel ihren Platz an der Spitze der Doping-Opfer-Hilfe nicht räumen. Vielmehr rechnete die langjährige Vorkämpferin, die von Sportrechtler Michael Lehner an der DOH-Spitze abgelöst wurde, mit ihren Kritikern ab.

„Auf einmal sind Betroffene nun Trittbrettfahrer. Das ist ein Rückfall von Aufklärung in Mythologie. Wie kann es sein, dass Opfer des Staatsdopings kriminalisiert werden“, echauffierte sich die frühere Weltklasse-Leichtathletin bei der Verleihung des Antidopingpreises 2018 in Berlin.

Worte, die in Richtung des Anti-Doping-Kämpfers Werner Franke und seiner Mitstreiter gingen. Der Heidelberger Molekularbiologe hatte zusammen mit Gerhard Treutlein, Co-Autor des Buches „Doping im Spitzensport“, sowie Ex-Leichtathletin Claudia Lepping und dem früheren Skilanglauftrainer Henner Misersky einen Brief an die Mitglieder des Sportausschusses im Deutschen Bundestag geschickt und eine Reform des Dopingopfer-Hilfegesetzes gefordert.

Ihr Vorwurf lautete, dass Anträge von Geschädigten nicht gründlich geprüft und somit Trittbrettfahrern der Zugang zur Einmalzahlung für durch das DDR-Dopingsystem betroffene Ex-Sportler verschafft worden sei. Vorwürfe, die Geipel so nicht stehen lassen wollte. „Wenn es Zweifel bei den Prüfungen gibt, dann muss man denen nachgehen. Wir sind aber der falsche Ansprechpartner des Briefes. Die DOH hat mit Entschädigungsanträgen nichts zu tun. Wir prüfen nicht und zahlen nicht aus.“

Dass sich die Doping-Opfer-Hilfe, die vom Bund im nächsten Jahr immerhin mit 13,65 Millionen Euro unterstützt wird, diesen Anschuldigungen ausgesetzt sieht, sei für die Betroffenen ein Schlag ins Gesicht, betonte Geipel. Täglich werde sie mit Geschichten konfrontiert wie die einer Frau, die als Sechsjährige beim Wasserspringen mit einem Seil gefesselt worden war und beim Sprung ins Wasser ihre Ängste überwinden musste. „Es geht in meinen Augen um Folter und dann müssen sich diese Menschen anhören, dass sie Betrüger sind. Gemessen an der Schwere der Geschichten halte ich es für eine Sauerei.“

Die Unterstützer des Briefes untermauerten indes ihren Standpunkt in einem 48-seitigen Dossier mit dem Titel „Blackbox DOH - Für eine ehrliche Doping-Aufklärung“. „Wir fordern, das Dopingopferhilfegesetz grundlegend zu verändern, die Prüfverfahren für eine Entschädigung strenger und transparenter zu gestalten - und somit Missbrauch durch Bürger zu verhindern“, hieß es darin. Erst wenn die berechtigten Zweifel an Prozedere und Personalien ausgeräumt und alle Regelungslücken geschlossen seien, solle über eine Fortsetzung des Fonds entschieden werden.

Als Konsequenz auf die wochenlangen Streitereien („Hatte etwas Unwürdiges“) hatte Geipel nach fünfeinhalb Jahren ihren Posten zur Verfügung gestellt. Als Nachfolger wurde Lehner auf der Mitgliederversammlung gewählt. „Wogen glätten“, das sieht der 64 Jahre alte Jurist zuvorderst als seine Aufgabe an und schlug im Gegensatz zu seiner polarisierenden Vorgängerin moderate Töne an. Mit Franke habe er auch schon gesprochen und beschwichtigende Worte mitgebracht. „Es geht nicht ums Nachtreten. Es geht darum, eine klare Position weiterzuführen“, betonte Lehner.

Die DOH habe großartige Arbeit geleistet. Ohne sie wäre die Kehrseite des Sports nicht so ins Bewusstsein gerückt, betonte Lehner, der sich schon seit den 1990er Jahren für die Opfer des systematischen Dopings in der DDR engagiert.

Unterdessen wurde auf der Mitgliederversammlung über eine mögliche Kooperation mit der Sportler-Vereinigung Athleten Deutschland diskutiert. „Wir wollen uns mit den Athleten zusammenschließen und schauen, wo wir da unseren Platz einnehmen können“, sagte Lehner.

Homepage der Doping-Opfer-Hilfe

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