Stephan widmet Medaille verstorbenem Vater

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Deutsche Presse-Agentur

Die Silbermedaille widmete er seinem vor 18 Monaten verstorbenen Vater - im Moment seines bislang größten sportlichen Erfolgs dachte Christoph Stephan am wenigsten an sich selbst.

„Das ich jetzt WM-Zweiter bin, muss ich noch realisieren“, sagte der 23 Jahre alte dreimalige Junioren-Weltmeister von 2007. „Da war mein Papa noch dabei“, erinnerte sich Stephan, dem beim Sturm aufs Podest auch Patenkind Mia half. Beim Vorbeilaufen an „meinem Skitechniker Torsten Thrän hat mich der Gedanke an seine kleine Tochter Mia motiviert. Seit ein paar Wochen bin ich deren Patenonkel“, erklärte der Shooting-Star des deutschen Teams.

Silber hatte Stephan beim erst dritten WM-Start seiner Karriere nicht eingeplant. „Langfristig wollte ich das schon angehen, doch es wäre auch nicht schlimm gewesen, wenn ich mir damit noch ein paar Jahre Zeit gelassen hätte“, sagte der bescheidene Siegerehrungs-Neuling nach der Zeremonie. Fürs obligatorische Foto musste ihn sogar „König“ Ole Einar Björndalen an die Hand nehmen. „Das war lustig. Er hat ja schließlich schon genug Erfahrung, wo es hingeht“, meinte der mit zahlreichen Tattoos geschmückte Rockmusik- Fan Stephan schmunzelnd.

Die „Silbermedaille mit Goldglanz“ (Bundestrainer Frank Ullrich) verdankte der „größte Beißer auf der letzten Runde“ (Heimtrainer Mark Kirchner) einem Schieß-Spezialtraining am Vortag. „Bisher hatte ich hier beim 22. Platz im Sprint und nur Rang 41 im Verfolger noch nicht so viele Scheiben getroffen. Da hat der Bundestrainer gesagt: 'Komm mal her, wir konzentrieren uns auf den Wind. Da habe ich wieder ein Gefühl für das Windschießen bekommen und das hat sich ausgezahlt“, berichtete der 1,87 Meter große Modellathlet. Beim letzten Weltcup vor der WM hatte der aus dem thüringischen Rudolstadt stammende Skijäger - Spitzname Kralle - mit seinem Massenstart-Sieg in Antholz erstmals das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen - aber für Außenstehende kaum genossen. Dort habe er „Blut geleckt“.

„Ich mag es nicht, so im Mittelpunkt zu stehen. Das ist mir zu kommerziell“, erklärte er seine Zurückhaltung. „Das Gefühl beim ersten Sieg war aber 3000 Mal besser als Sex“, hatte er damals formuliert. „Heute war's wohl nur 2000 mal besser“, sagte er in Korea - mit einem fehlerfreiem Schießen hätte er gewinnen können.

Dass er in diesem Winter einen so enormen Leistungssprung gemacht hat, verdankt er seiner Lust, sich zu quälen sowie dem Drang zum Perfektionismus. Nach Abschluss seiner Ausbildung bei der Bundespolizei konnte er erstmals das ganze Jahr über ohne Pause trainieren. „Wenn ich nicht immer alles zu 100 Prozent machen wollte, bräuchte ich ja gar nicht erst anzufangen. Da lohnt sich das Aufstehen ja gar nicht“, sagte er und dürfte damit Trainer Mark Kirchner und Frank Ullrich aus der Seele sprechen, die als Olympiasieger aus dem gleichen Holz geschnitzt waren.

„Der Uller will immer das Perfekte. Ich mag solche Menschen, die das genauso wollen wie ich“, lobte Stephan den Bundestrainer. Der gab das Kompliment zurück. „Wenn man sich so wie Christoph mit Freude schindet und quält, dann kommt auch etwas 'raus“, ist Ullrich überzeugt und lies die Prognose folgen: „Christoph wird uns in den nächsten Jahren noch viel Freude bereiten.“ Das könnte bereits am kommenden Wochenende beim Massenstart und im Staffelrennen passieren.

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