Stephan mit Sieg im Massenstart - Neuner weint

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Deutsche Presse-Agentur

Bei der WM-Generalprobe stürmte Christoph Stephan zum ersten Weltcupsieg, Kati Wilhelm fliegt als Weltcup-Zweite nach Südkorea. Magdalena Neuner dagegen musste drei Wochen vor der Biathlon-Weltmeisterschaft die bitterste Niederlage ihrer noch jungen Laufbahn verarbeiten.

Beim letzten Weltcuprennen vor den Titelkämpfen ab 14. Februar in Pyeongchang hatte der 23 Jahre alte Oberhofer nahezu sensationell den Massenstart über 15 Kilometer beim Weltcup in Antholz gewonnen und damit Bundestrainer Frank Ullrich einen Tag nach dessen 51. Geburtstag ein nachträgliches Geschenk bereitet. „Nicht nur das, er hat auch sein Versprechen aus dem Vorjahr übererfüllt, als er mir in Hochfilzen den ersten Podestplatz für dieses Jahr angekündigt hat“, jubelte Ullrich und hatte Freudentränen in den Augen.

Der dreimalige Junioren-Weltmeister Christoph Stephan, der von seinem Oberhofer Heimtrainer Mark Kirchner als „kaum aufhaltbarer Kämpfer auf der Schlussrunde“ beschrieben wird, rang im Fotofinish Dominik Landertinger nieder. Er stürzte sich zwei Zehntel vor dem Österreicher ins Ziel. „Auf der Zielgeraden macht mir keiner etwas vor“, sagte anschließend der tätowierte Modellathlet. „Ich wusste, dass ich beim Spurt gut dabei bin.“ Danach schob er vor dem Fernseh- Millionenpublikum einen Dank an den Bundestrainer nach. „Er hat tolle Arbeit geleistet, hat immer an uns geglaubt und uns nicht im Stich gelassen, als es im Frühjahr die Diskussionen um ihn gab“, erklärte er und verabschiedete sich, weil ihm kalt wurde.

Zwei Stunden zuvor hatte die 21 Jahre alte sechsmalige Weltmeisterin Neuner beim letzten Schießen im Gegensatz zu Stephan ihren greifbar nahen 14. Weltcup-Tagessieg verschenkt. „Ich begreif's nicht“, war die einzige Reaktion von Neuner, deren sonstige Fröhlichkeit weggeblasen war. Bei Kaiserwetter im Massenstartrennen über 12,5 Kilometer in Antholz lief „Gold-Lena“ scheinbar einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg entgegen, ehe sie nach drei fehlerfreien Schießeinlagen beim vierten Mal alle fünf Scheiben verfehlte und auf Platz sieben zurückfiel. Anschließend verschwand sie niedergeschlagen und wortlos erst ins Umkleidezelt in der Südtirol-Arena. Mit versteinerter Miene stand sie bei der Siegerehrung über sich ergehen und stapfte unter Tränen ins Mannschafts-Hotel.

Selbst Bundestrainer Uwe Müssiggang konnte Neuners Missgeschick kaum fassen. „Es tut mir so Leid für 'Lena'. Das ist bitter für sie. Vier der fünf Fehler waren sehr knapp. Wäre die erste Scheibe gefallen, hätte sie auch gewonnen“, schätzte er ein. Dabei hatte die „Überläuferin“ in der Höhe von 1600 Meter bei den ersten drei Schießeinlagen die Hinweise von Müssiggang nahezu perfekt umgesetzt, nachdem sie am Samstag nach dem 10. Platz in der Verfolgung über Müdigkeit im Kopf geklagt hatte. Beim Anlaufen zum Schießstand nahm sie etwas Tempo raus und stellte sich bis zum Debakel beim letzten Anschlag kompakter hin.

Der Tagessieg fiel so beim Biathlon-Fest mit insgesamt 62 000 Zuschauern an den vier Tagen der russischen Weltcup-Spitzenreiterin Jekaterina Jurjewa vor Helena Jonsson (schweden/+28,2) und Mäkäräinen (Finnland/+ 28,2) ín den Schoß. Das Zella-Mehliser „Rotkäppchen“ Wilhelm unterlag wie am Samstag in der Verfolgung der Finnin im Zielspurt und wurde mit 28,2 Sekunden Rückstand Vierte. Andrea Henkel (Großbreitenbach) rutschte als Sechste mit 36,8 Sekunden Rückstand auf dem Hosenboden ins Ziel.

Kati Wilhelm, die nach den vier Strafrunden beim Liegendschießen scheinbar aussichtslos zurück lag, tankte vor der Traum-Kulisse der Riesenfernergruppe mit den Plätzen 3, 4 und 5 Selbstvertrauen. „Ich bin nach den drei anstrengenden Wochen zwar nicht mehr so frisch. Doch dass ich mich nicht aufgegeben und im Endspurt auch noch Olympiasiegerin Anna Carin Olofsson beherrscht habe, stärkt das Selbstbewusstsein“, jubelte sie. „Die Formaufbau stimmt, jetzt geht's bei der WM-Vorbereitung zu Hause in Ruhpolding noch um mehr Spitzigkeit“, erklärte Wilhelm im Weltcup-Geburtsort Antholz.

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