Stefan Horngacher übernimmt – oder: Die Ideallösung

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 Stefan Horngacher, Tiroler mit Lebensmittelpunkt im Schwarzwald, zieht es zurück nach Deutschland. Die Aufgabe beim DSV reizt.
Stefan Horngacher, Tiroler mit Lebensmittelpunkt im Schwarzwald, zieht es zurück nach Deutschland. Die Aufgabe beim DSV reizt. (Foto: dpa)

„Er ist wahrscheinlich der beste Trainer für diesen Sport, den man sich vorstellen kann. Wir sind jetzt eines der professionellsten Skisprungteams in der Welt. Das ist Stefan Horngachers Werk.“ Kamil Stoch hat das gesagt, einer, der – hochdekoriert mit Medaillen und Titeln – es beurteilen kann nach drei Wintern gemeinsamer Arbeit in Polen. „Jeder von uns“, sagte Kamil Stoch noch, „ist sich nun seiner Stärken mehr bewusst.“ Der Psychologe Horngacher – eine Facette des Trainers Horngacher. Werner Schuster kennt auch die anderen: „Der ,Steff‘ kann alles: Material, Technik, Menschenführung.“

Werner Schuster war elf Jahre lang Bundestrainer der deutschen Skispringer; der wie der Kleinwalsertaler im September 1969 geborene Tiroler Horngacher war von 2011 bis 2016 sein Assistent im Weltcup-Team. Dann holten sie ihn nach Polen. Als Chef. Jetzt wird Stefan Horngacher Werner Schusters Nachfolger. Vertragsdauer, so darf vermutet werden (offizielle Angaben machte der Deutsche Skiverband am Mittwoch keine): bis nach Peking 2022, den nächsten Olympischen Winterspielen.

Vollzogen ist damit, womit jeder gerechnet hatte, als die Schuster’sche Amtsmüdigkeit virulent wurde im Vorfeld der Vierschanzentournee 18/19. Stefan Horngacher schwieg zu all den Spekulationen, bei der Weltmeisterschaft in Seefeld Ende Februar coachte er Dawid Kubacki zu Normalschanzen-Gold vor Kamil Stoch. Erst nach dem Saisonfinale in Planica vor elf Tagen tat er kund, dass er seinen auslaufenden Kontrakt mit Polens Verband nicht um ein weiteres Jahr verlängern werde. Der Rest: Verhandlungssache.

Formsache wohl auch: Die sportliche Herausforderung Deutschland reizt. Nach Stoch, Kubacki, Zyla, Wolny, Hula und Kot jetzt Eisenbichler, Geiger, Leyhe, Wellinger, Freitag und Freund – das hat was. Zumal für einen, der nie ganz weg war: Frau Horngacher und die Kinder wohnten stets in Titisee-Neustadt; dass die Gattin im früheren Leben Nicole Hoffmeyer hieß und Springer-Physiotherapeutin zu Hoch-Zeiten Sven Hannawalds und Martin Schmitts war, darf als Pointe der neuerlichen Liaison DSV/Horngacher gesehen werden. Martin Schmitt übrigens hält große Stücke auf Stefan Horngacher: Als Stützpunkttrainer in Hinterzarten hatte der dem viermaligen Weltmeister einst aus manch zäher Schwächephase geholfen. Anschauungsunterricht, der beeindruckte: „Die Ideallösung“, sagte Martin Schmitt jetzt, sei Stefan Horngacher für die Schuster-Nachfolge. „Er hat den nötigen Sachverstand und weiß, wie er mit den einzelnen Sportlern und Charakteren umzugehen hat.“

Von großen Trainern gelernt

Zugute kommen dabei zwölf Weltcup-Saisons Athletenerfahrung (228 Einzelspringen), fünf WM-Teilnahmen (mit den Team-Titeln 1991 und 2001), Olympia in Lillehammer (Team-Bronze), Nagano (Team-Bronze) und Salt Lake City. 2002 wurde der Springer Horngacher zum Trainer Horngacher. Begann beim Österreichischen Skiverband, Nachwuchs. „Ich hatte in dieser Zeit das große Glück, unter Hannu Lepistö arbeiten zu dürfen. In diesen zwei Jahren habe ich extrem viel gelernt.“ Polen war nächste Station, Stefan Horngachers Boss hier hieß Heinz Kuttin. Wieder ein Großer, wieder ein anderer, innovativer Input (und die ersten Kontakte zu Kamil Stoch, zu Piotr Zyla – damals junge B-Kader-Hoffnungen). Dann Hinterzarten, der DSV, dann die neuerliche polnische Offerte, die Erfolgswinter 2016-19. Überall nahm Stefan Horngacher etwas mit, zum DSV begleitet ihn jetzt „die entsprechende Expertise“ (Martin Schmitt).

Er wird sie gut brauchen können.

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