Sprinter im Aufwind - Debakel für die Verfolger

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Deutsche Presse-Agentur

Mit der besten Bilanz seit drei Jahren haben sich die deutschen Fahrer bei den Bahnrad-WM im polnischen Pruszkow in der Weltspitze zurückgemeldet.

Allerdings gilt das nur für die Sprinter, die durch Maximilian Levy (Cottbus) im Keirin und Stefan Nimke (Schwerin) im 1000-Meter-Zeitfahren zwei Titel sowie Bronze im Teamsprint gewannen. Ein wenig überdeckt wurde damit das Debakel in der „Königsdisziplin“ Einzelsprint, wo alle drei deutschen Starter im Achtelfinale die Segel streichen mussten. Auch in den Ausdauer-Disziplinen fuhren die Deutschen der Konkurrenz erneut hinterher.

„Mit drei Medaillen haben wir unsere Zielvorgabe nicht ganz erreicht. Zusammen mit Bronze im Teamsprint haben wir zudem zwei Medaillen in olympischen Disziplinen feiern können“, bilanzierte Udo Sprenger, Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der fünf Medaillen als Ziel ausgegeben hatte.

Wie am Vortag blieb der BDR auch am Schlusstag ohne Medaille. Am Aussichtsreichsten lag Robert Bartko (Potsdam) im Omnium im Rennen, am Ende wurde er Fünfter. Bartko lag in dem Fünfkampf aus Sprint, Scratch, Einzelverfolgung, Punktefahren und Zeitfahren nach drei Disziplinen auf Gold-Kurs. „Ich war am Ende einfach breit. Wenn andere besser sind, muss man das anerkennen. Aber es ist natürlich sehr ärgerlich“, sagte Bartko.

Damit komplettierte der Doppel-Olympiasieger von 2000 das schwache Abschneiden der Langstreckler, die in der prestigeträchtigen Einer- und Mannschaftsverfolgung auch unter dem neuen Bundestrainer Andreas Petermann noch keine Fortschritte nachweisen konnten.

Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel kritisierte trotz der Erfolge die schwachen Qualifikationszeiten seiner Männer. „Über 200 Meter müssen wir grundsätzlich zulegen, um eine solide Grundlage für den weiteren Turnierverlauf zu schaffen“, sagte er und freute sich über Levys Keirin-Gold. „Dass er nach seiner Nichtnominierung für den Teamsprint Wut im Bauch hatte, kann ich nachvollziehen. Wenn die sich dann im Keirin-Sieg niederschlägt, ist das gut. Doch wir können Erfolge nicht jedes Jahr so provozieren“, bemerkte er.

In Abwesenheit der verletzten Christin Muche (Chemnitz) konnten die deutschen Frauen ihre Vorgaben nur annähernd erfüllen. „Mit Kristina Vogel besitzen wir einen Rohdiamanten, der gezeigt hat, dass er zum Schleifen bereit ist“, sagte Sprenger. Die Erfurterin stellte drei persönliche Bestzeiten auf und hatte auch im Keirin die Chance, ganz nach vorn zu kommen. Miriam Welte (Kaiserslautern) fehlte nach einer Krankheit die Kraft. „Aber auch bei ihr sieht man, dass Potenzial zu mehr da ist“, so Sprenger.

Dagegen konnten die Verfolger ebenso wenig in die Entscheidungen eingreifen wie die Olympia-Zweiten Olaf Pollack (Kolkwitz) und Roger Kluge (Cottbus) im Madison. Dass, wie von Kluge gefordert, Robert Bartko (Potsdam) im Vierer hätte fahren müssen, sieht Sportdirektor Burckhard Bremer anders. „Wir wollen einen Neuaufbau starten. Wenn nicht nach Olympia, wann dann? Das große Ziel ist 2012. Wir sind in der glücklichen Lage, sieben oder acht Kandidaten für den Vierer zu haben, denen wir Bewährungsmöglichkeiten geben müssen“, wies Bremer die Kritik zurück.

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