Sprinter Blum blüht auf

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Deutsche Presse-Agentur

Gute Zeiten - schlechte Zeiten: Sprinter Christian Blum ist zwar so schnell wie nie, dabei hatte ein Problem für ihn eher Bremswirkung.

Der Trainer, der ihm einst Beine gemacht hat, sitzt in München-Stadelheim in Untersuchungshaft: dringender Tatverdacht auf sexuellen Missbrauch von Kindern. „Das war schon eine schwierige Zeit und relativ belastend“, sagt der 21-Jährige vom LAC Quelle Fürth/München über die vergangenen Monate. Unter seinem neuen Coach Ingo Seibert ist er jetzt mit 6,56 Sekunden über 60 Meter die Nummer zwei in Europa und die Nummer acht in der Welt. Bei den deutschen Hallen-Meisterschaften der Leichtathleten am Wochenende in Leipzig steht Blum nun im Fokus.

„Es war ein Schock für uns alle in der Trainingsgruppe“, erinnert sich der deutsche Hallen-Meister von 2007 an jenen 18. November vergangenen Jahres. Sein Coach, der bayrische Landestrainer, wurde in der Münchner Werner-von-Linde-Halle vor den Augen seiner Athleten verhaftet. Die Nachricht sorgte auch beim Deutschen Leichtathletik- Verband (DLV), wo der Mann zeitweise Nachwuchstrainer war, für Bestürzung. „Momentan gibt es einen Geschädigten und ein Geständnis des Trainers“, sagte Staatsanwalt Rüdiger Hödl der Deutschen Presse- Agentur dpa zum Stand der Ermittlungen, die noch etwa einen Monat dauern sollen.

Blums einstigem Tempomacher droht eine mehrjährige Haftstrafe. Er habe, so der gebürtige Neubrandenburger, seinem Coach im Bezug auf die sportliche Entwicklung viel zu verdanken. „Sollte sich allerdings vor Gericht bestätigen, was ihm vorgeworfen wird, ist das nicht zu entschuldigen.“ Auf die Frage, ob er zu seinem einstigen Förderer noch Kontakt hat, antwortete Blum: „Teilweise Briefkontakt, aber der ist eher abgebrochen.“

Vor elf Tagen beim Sportfest in Stuttgart rannte der nur 64 Kilo schwere und 1,78 Meter große Blum, als ob er die Vergangenheit ganz schnell weit hinter sich lassen wolle: nicht nur die Geschichte mit seinem Trainer, sondern auch die Seuchenjahre 2007 und 2008. Nach seinen 6,56 küsste er seine Freundin Franziska, dann rannte er die erste Ehrenrunde seines Lebens. Vor den Olympischen Spielen habe er sich „die Verletzungen wegspritzen lassen“ - und musste dann seine Träume von Peking doch begraben: Nach dem dritten Platz im 100-Meter- Vorlauf bei den nationalen Titelkämpfen in Nürnberg resignierte er.

Unter Seibert, einem ehemaligen Zehnkämpfer, achtet Blum nun darauf, dass seine Muskelprobleme erst gar nicht wieder auftreten, absolviert zum Beispiel mehr Krafttraining. „Früher wollte ich immer nur laufen, laufen, laufen - ohne Pause. Jetzt bremst mich der Trainer auch mal.“ In Leipzig will er nun seine Zeit von Stuttgart bestätigen, Titelverteidiger Tobias Unger entthronen und dann mit breiter Brust zur Hallen-EM nach Turin (6. bis 8. März) fahren: „Da ist der Endlauf mein Ziel.“

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