Sportvorstand des VfB Stuttgart nach Lüge um Trainerwechsel am Pranger

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 Michael Reschke (l), Sportvorstand des VfB Stuttgart, und Markus Weinzierl, neuer Trainer des VfB Stuttgart, geben sich während
Michael Reschke (l), Sportvorstand des VfB Stuttgart, und Markus Weinzierl, neuer Trainer des VfB Stuttgart, geben sich während Weinzierls Vorstellung die Hand. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur

Die Diskussion um den Stil der Entlassung von Trainer Tayfun Korkut und die Aussagen von Manager Michael Reschke beim VfB Stuttgart nimmt Fahrt auf. Trainer Ottmar Hitzfeld, Hannes Wolf und Berti Vogts haben kein Verständnis für Reschkes Notlüge. Der hatte Tayfun Korkut am Sonntag als Cheftrainer beurlaubt, obwohl er ihm nur Stunden zuvor in aller Deutlichkeit den Rücken gestärkt hatte.

„Es ist immer eine Frage der Formulierung. Auch wenn man nicht weiß, ob der Trainer bleibt oder nicht, muss man das rhetorisch besser ausdrücken, so dass man sich eine Hintertür offen lassen kann“, sagte der 69-jährige Hitzfeld. „So, wie das in Stuttgart passiert ist, ist das kein guter Stil. Ich finde das respektlos. Man sollte offen miteinander umgehen.“

Ottmar Hitzfeld
Ottmar Hitzfeld kritisiert Stuttgarts Manager Reschke. (Foto: Marius Becker / DPA)

Auch Korkuts Vorgänger Hannes Wolf fand die Art der Entlassung in Stuttgart suboptimal. „Das ist schon krass, dass sich das innerhalb von ein paar Stunden so dreht und dass klar ist, dass man es vorher schon wusste, zumindest, dass es passieren kann“, sagte Wolf und kritisierte Reschke: „Die beste Möglichkeit wäre gewesen, gar kein Interview zu geben. Ich glaube nicht, dass man das muss. Da hätte man als Sportdirektor auch einfach darauf verzichten können.“

Generell könne er den erneuten Strategiewechsel des VfB „zu einer sehr, sehr erfahrenen Mannschaft“ nicht verstehen, „das finde ich in der Entwicklung des Vereins schon extrem“. „Da bin ich gespannt, auch mit welcher Spielphilosophie und mit welcher Art von Fußball sie da rauskommen. Weil das jetzt auch nicht klar ist, wofür sie jetzt stehen.“

So, wie das in Stuttgart passiert ist, ist das kein guter Stil. Ich finde das respektlos. Man sollte offen miteinander umgehen.“

Ottmar Hitzfeld

 

Ex-Bundestrainer Berti Vogts fordert gar Reschkes Rücktritt: „Korkut traf aus meiner Sicht überhaupt keine Schuld am schwachen Start. Reschke hat die Spieler verpflichtet, und genau dessen Verhalten empfand ich als stillos. Die Art der Entlassung hatte mit Sportlichkeit nichts mehr zu tun. Es müsste genau andersrum sein. Der Sportdirektor müsste entlassen werden. Zumal die Trainer eine Ausbildung genossen haben, die Manager nicht. Ich denke, es ist an der Zeit, das noch mal zu thematisieren.“

Zuvor hatte der Bund Deutscher Fußball-Lehrer Reschke eines Stils bezichtigt, „der mit seriösem Fußball nichts zu tun hat“. Präsident Lutz Hangartner sagte: „Die Art und Weise, wie hier mit Trainern umgegangen wird, ist nicht akzeptabel.“

Auch im Internet diskutieren zahllose Fans über den Verlust von Werten wie Ehrlichkeit, Loyalität und Vertrauen. Fakt ist aber: Die Bundesliga war schon jeher ein ziemlich verlogenes Geschäft. Und Reschke empfindet sein Verhalten als notwendig.

Weinzierl legt los
Markus Weinzierl ist der neue Cheftrainer des VfB Stuttgart. Heute Vormittag wurde er offiziell vorgestellt. Am Nachmittag leitete der 43-Jährige das erste Training.

„Es geht immer um das, was in der aktuellen Situation für den VfB Stuttgart und den jeweiligen Club das Beste ist. Wenn dann mal ein, zwei Fälle passiert sind, wo eine massive Wahrheitsbeugung vielleicht vorgelegen hat, dann ist das einfach so“, sagte er. „Ich kann gut damit leben. Ich glaube, dass ich sehr glaubwürdig bin im Vorgehen und vielen Aussagen, die ich treffe.“

Notlügen sind Usus

Beispiele für Reschkes Vorgehen gibt es genug: Auch Uli Hoeneß dementierte 2008 energisch, hinter dem Rücken Hitzfelds mit anderen Trainern zu sprechen – acht Tage danach präsentierte der FC Bayern Jürgen Klinsmann als Trainer für die kommende Saison. 1989 schwor Andy Möller den Fans von Borussia Dortmund über das Stadionmikrofon die Treue und wechselte doch zurück zu Eintracht Frankfurt.

Und erst im Februar antwortete Bernd Hoffmann vor der Wahl zum HSV-Präsidenten auf die Bitte eines Mitglieds, sein Ehrenwort zu geben, nie den Vorstandsvorsitz übernehmen zu wollen, dass er diesen Posten nicht anstrebe. Seit drei Wochen ist er Vorstandschef der AG.

Reschke immerhin steht zu seinem Verhalten – und kündigte an, dass unter Umständen weitere Notlügen folgen. Eine Aussage von ihm aus dem Winter, ausgesprochen nach dem zuvor ausgeschlossenen Wechsel von Stürmer Simon Terodde nach Köln, geht so: „Wenn es sein muss und im Sinne des VfB und von Spielern ist, dann werde ich von diesem Recht die Wahrheit zu beugen auch weiter Gebrauch machen. Auch wenn es für den einen oder anderen danach schwerer zu verarbeiten ist.“

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