Spätstarterin mit großem Namen: Anabel Balkenhol

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Schwäbische Zeitung

Münster (dpa) - Deutsche Meisterin ohne Ehrgeiz? Eine WM-Medaille ohne den absoluten Willen zum Erfolg? Geht so etwas? Bei Anabel Balkenhol könnte es klappen. „Wir wollen eigentlich nur schön reiten“, sagte die 38-Jährige aus Rosendahl: „Ich will mich frei machen vom Stress und vom Ehrgeiz.“

Zuvor hatte die Spätstarterin mit dem berühmten Namen im Sattel von Dablino die erste Prüfung der deutschen Meisterschaften in Münster gewonnen und darf sich nun berechtigte Hoffnungen auf einen Start bei den Weltmeisterschaften in Kentucky machen.

Die Tochter des ehemaligen Bundestrainers und Team-Olympiasiegers Klaus Balkenhol gibt ein erstaunliches Bild ab. Und ihre Worte und Selbstbeschreibungen unterstreichen das. „Sie ist jemand, der nach außen unprofessionell reitend wirkt“, sagte Dietrich Plewa, Chefrichter der Dressur in Münster. Und er erklärte auch: „Diese Reiterin wird seit Jahren unterschätzt.“

Ungewöhnlich früh, mit 22 Jahren ritt sie ihren ersten Grand Prix. Doch die hohen Erwartungen konnte sie nicht erfüllen. Lange blieb es still um die Reiterin, die beste Voraussetzungen hatte mit guten Pferden im heimischen Stall und einem der berühmtesten Dressur-Ausbilder der Welt als Vater. Anabel Balkenhol hat zwar all die Jahre geritten, aber für deutsche Verhältnisse nicht sonderlich erfolgreich.

Möglicherweise war der Druck zu groß, die eigene Erwartungshaltung und die des Umfeldes. Jetzt könnte sie ihren eigenen Weg gefunden haben. „Früher wollte ich mehr als 70 Prozent reiten, heute freue ich mich über eine fehlerfreien Ritt“, versicherte die gelernte Bürokauffrau. Dass die jetzt eine Chance hat, erstmals zu einer WM zu fahren? „Wir sehen das ganz gelassen.“

„Wir“, das heißt der Vater und sie. Ohne Klaus Balkenhol geht nach wie vor nichts. „Er ist mein größter Kritiker“, sagte sie über den ehemaligen deutschen Meister. „Ich habe sehr viel von ihm gelernt, eigentlich alles.“

Der Ex-Coach der deutschen und der amerikanischen Nationalmannschaft scheint für seine Tochter auch den Weg zur Lockerheit gefunden zuhaben. „Er sagt vor jeder Prüfung: 'Denke daran, wir reiten für uns, weil es uns Freude macht. Alles andere ist nicht so wichtig.'“

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