Sorge um den Verbandsfrieden bei Fußball-Amateuren

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Deutsche Presse-Agentur

Der „Klassenkampf“ im deutschen Fußball zwischen umsatzschwachen Amateur- und millionenschweren Profi-Clubs zeigt Wirkung.

Da mehrere kleine Vereine in den Kreisen Gelsenkirchen und Unna/Hamm den ersten Spieltag nach der Winterpause am 28. Februar/1. März aus Protest gegen das künftige Bundesliga-Sonntagspiel um 15.30 Uhr boykottieren wollen, forderte der Fußball- und Leichtathletik- Verband Westfalen (FLVW) die Kreisvorsitzenden auf, den Spieltag aller Kreisligisten in den jeweiligen Staffeln abzusetzen und neu zu terminieren. „Damit wollen wir andere Vereine vor einem Boykott und vor Wettbewerbsverzerrung schützen“, sagte FLVW-Direktor Carsten Jaksch-Nink.

Das frühe Bundesliga-Sonntagsspiel gefährdet das friedliche Miteinander von Groß und Klein im Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Amateur-Clubs, für die dieser Termin traditionell reserviert war, befürchten Zuschauerschwund und Einnahmerückgänge. Ein Großteil der Vereine im Kreis Gelsenkirchen erwog deshalb einen Boykott des Spieltages Anfang März in den Kreisligen A bis C.

Aus Sorge um eine Eskalation schritt der FLVW nach Rücksprache mit dem DFB ein und verordnete eine Spieltags-Absage. „Wir sehen einen Rechtsbruch mit Sanktionen voraus. So weit wollen wir es nicht kommen lassen“, begründete Jaksch-Nink die Maßnahme. So könne es an diesem Tag zu anderen Protestmaßnahmen kommen, ohne dass die Vereine Ordnungsgelder und Punktabzüge fürchten müssten. Streik- Befürworter Reiner Grundmann, Vorsitzender des SC Schaffrath, kann dieser FLVW-Entscheidung nur wenig abgewinnen: „Damit wurde uns der Wind aus den Segeln genommen.“ Der abgesagte Spieltag soll zu einer Demonstration der Clubs in Gelsenkirchen-Buer genutzt werden.

Längst haben alle Beteiligten die Brisanz des Themas erkannt. Damit sich der Proteststurm nicht auf andere Landesteile ausweitet, bemühen sich DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) um Deeskalation. So soll DFB-Präsident Theo Zwanziger in einem für den 25. Februar geplanten Gespräch mit den „Aufständischen“ zu einem Kompromiss beitragen. Für den Fall finanzieller Einbußen hatte der DFB-Präsident Ausgleichszahlungen für betroffene Amateurclubs in Aussicht gestellt.

Nicht nur die DFB-Spitze versucht, die Wogen zu glätten. Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball warb auf einer von den „Ruhr Nachrichten“ organisierten Informationsveranstaltung in der Nähe von Werne vor zahlreichen Vereinsvertretern um Verständnis für den künftigen Bundesliga-Spielplan. Ganz einig sind sich DFB und DFL in der Vorgehensweise jedoch nicht. Anders als Zwanziger schloss Rauball Ausgleichszahlungen an Amateurclubs kategorisch aus: „Als ich von diesem Vorschlag hörte, habe ich Herrn Zwanziger angerufen, weil ich erschrocken war. Ich habe ihm gesagt, dass die Bundesliga diese Zahlungen nicht stemmen kann.“

Nicht minder erstaunt reagierte der Liga-Präsident auf die FLVW- Absage des Spieltages: „Das ist nicht der richtige Weg. Man hat sich den Boykott-Androhungen gebeugt.“ Rauball befürwortet eine moderatere Vorgehensweise. Nicht nur mit Worten, sondern auch mit kleinen Geschenken warb er um die Gunst seiner Zuhörer. „Borussia Dortmund erklärt sich bereit, in jedem Jahr gegen eine Amateurauswahl anzutreten. Die Einnahmen aus diesem Spiel kommen den Amateur-Clubs zugute“, sagte der BVB-Präsident. Eine ähnliche Vorgehensweise will er allen anderen 35 Erst- und Zweitligisten empfehlen. Das knüpfte er jedoch an eine Bedingung: „Vorausgesetzt, es wird nicht gestreikt.“

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