Sorge nach Hacker-Angriff auf Schalke-Webseite

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Mit Betroffenheit und der Sorge um weitere Online-Manipulationen hat die Fußball-Bundesliga auf den virtuellen Einbruch in den Internet-Server des FC Schalke 04 reagiert.

„Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine strafbare Handlung“, sagte Horst Heldt, Sportdirektor des VfB Stuttgart, zu der Aktion, die kurzzeitig für heftige Irritationen gesorgt hatte. Auf der Homepage der Schalker hatten Unbekannte eine Eilmeldung über die sofortige Entlassung des ehemaligen Nationalspielers Kevin Kuranyi lanciert. Der Verein dementierte umgehend. Das sei „absoluter Quatsch“, Menschen mit „krimineller Energie“ hätten die Homepage geknackt.

Einen garantierten Schutz gegen Angriffe von außen könne es aber nicht geben, lautete die einhellige Meinung der Club-Verantwortlichen in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wir gehen davon aus, dass wir weitestgehend geschützt sind. Eins muss aber jedem klar sein: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“, meinte Werder Bremens Mediendirektor Tino Polster. Als Sofortreaktion änderten die Bremer vorsorglich das Passwort für ihre Seite.

„Das ist eine Unverschämtheit, was da passiert. In unserer heutigen Technik- und Medienwelt ist man aber wohl selbst vor so etwas nicht mehr sicher“, wetterte Eintracht Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel. „Das ist eine Frage des Zeitgeistes. Das hatte nichts mit Kuranyi zu tun. Es ging nur darum, zu zeigen, dass die Hacker das können“, mutmaßte Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) wollte sich zu dem Vorfall zunächst nicht äußern.

Beim Hamburger SV fühlt man sich einigermaßen sicher. „Wir treffen in Zusammenarbeit mit unserer Agentur alle Vorkehrungen, damit so etwas nicht passiert“, betonte Club-Sprecher Jörn Wolf. Die Agentur Nexum AG, die auch Hertha BSC und andere Bundesligisten betreut, habe dem HSV versichert, dass die aktuelle Sicherheitslücke geschlossen worden sei. Von Seiten der Berliner hieß es, dass die Schwachstelle mit Hilfe eines „Security Patches“ inzwischen behoben worden sei. Deshalb fühle man sich jetzt wieder sicher.

Horst Heldt, der beim Länderspiel gegen Norwegen in Düsseldorf direkt neben Andreas Müller gesessen hatte, berichtete über die Reaktion des Schalker Managers. „Er war schockiert, als er die SMS mit der Nachricht bekommen hat.“ Es sei schwer, so etwas wieder aus der Welt zu schaffen, meinte Heldt und wies auf mögliche Konsequenzen hin: „Es kann ganz schnell zu Irritationen kommen, wenn so eine falsche Meldung in die Medien kommt. Da kann einiges ins Rutschen kommen.“

Das befürchtet auch Manager Jan Schindelmeiser vom Tabellenführer 1899 Hoffenheim: „Grundsätzlich sind von Hacker-Angriffen alle Unternehmen betroffen, die sich im Internet präsentieren. Einen hundertprozentigen Schutz vor so etwas gibt es nicht.“ Eine ähnliche Ansicht vertrat Borussia Mönchengladbachs Medienchef Markus Aretz: „Wer gut ist, kommt auf jede Seite. Es gibt ja sogar Leute, die auf die CIA-Seite kommen.“

Trittbrettfahrer sind nun nicht ausgeschlossen. „Das ist schon unter der Gürtellinie. Da geht es ja auch um Menschen und Empfindlichkeiten. Es gibt immer wieder Unverbesserliche, das ist kein Scherz mehr“, verurteilte Manager Rolf Dohmen vom Karlsruher SC die Aktion. „Das kann kein Schalke-Fan gewesen sein. Dieser Mensch möchte dem Club etwas Böses tun.“ Er habe zuerst an einen Karnevalsscherz gedacht, so der Rheinländer Dohmen, „aber der schmotzige Dunschdig ist ja erst nächste Woche“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen