Skispringerinnen Vogt und Althaus: Da sein, wenn es gilt

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Carina Vogt ist amtierende Olympiasiegerin.
Carina Vogt ist amtierende Olympiasiegerin. (Foto: Daniel Karmann)
Joachim Lindinger

Am einfachsten ist die Sache wohl für Carina Vogt. Die 26-Jährige vom SC Degenfeld muss nicht. Kann aber wieder: am Montag (13.50 Uhr MEZ/ZDF und Eurosport) Skisprung-Olympiasiegerin werden. Wie 2014 in Sotschi. Zwei Weltmeisterschaften gab es seither. Gold holte: Carina Vogt. Doppel-Gold beide Male, Zugabe war jeweils das Mixed-Team. Das Beängstigende für die Konkurrenz: Stets lief Carina Vogts Saison vor den Medaillencoups eher unrund, gemessen an einer Sara Takanashi, gemessen an einer Daniela Iraschko-Stolz, gemessen an wem auch immer im Weltcup-Spitzenfeld. Dann galt es – und Carina Vogt war da.

Das gibt Ruhe, Gelassenheit, nach einem Winter, der „in Ordnung“ war, „solide“. Mit zuletzt steigender Tendenz, mit viel Feinarbeit (samt biomechanischen Analysen) beim Oberstdorfer Abschlusslehrgang, mit dem „richtigen Lösungsansatz“ im Lauf der Trainingstage für die Schanze von Pyeongchang: „Ich weiß, dass ich noch deutlich mehr drauf hab’. Ich muss es nur abrufen.“ Carina Vogt weiß auch, dass „irgendwann der Tag kommt, wo’s nicht so ausgeht wie die letzten Großereignisse“. Ihr „Das ist völlig in Ordnung!“ übersetzt Bundestrainer Andreas Bauer so: „Carina ist relaxter, sie kann eine Spur mehr loslassen.“

Maren Lundby hat den Druck

Ein Vorteil, den Maren Lundby nicht hat. Sieben Weltcupsiege bei zehn Wettbewerben 2017/18 zeugen von Form, erzeugen Druck. Die 23-jährige Norwegerin geht wenig defensiv mit ihrer Favoritenrolle um; Gold ist ihr erklärtes Ziel. Kann frau so kundtun, wenn sie fast ausnahmslos mit den Männern ihres Landes, den Herren Tande, Forfang, Johansson & Co., trainiert. Nur: Kann sie das auch, wenn ihr ärgster Widerpart Katharina Althaus heißt? Gesamtweltcup-Zweite ist die Oberstdorferin; acht Starts, zweimal Erste, viermal Zweite, zweimal Dritte – das zeugt von Konstanz auf hohem Niveau. Mit 21. Anders gesagt: „Ich weiß, dass ich teilweise besser springen kann, teilweise ist Maren besser. Aber ich habe schon noch ein bisschen Reserven.“

Der Bundestrainer geht ins Detail. Recht ähnlich seien sich seine Sportlerin und Maren Lundby. „Beide können sehr weit springen, beide können auch im hohen Weitenbereich den Telemark setzen. Auch in der Luft, flugtechnisch, sind sie sehr gut, versuchen, den Ski sehr plan zu stellen. Das Einzige, was Maren Lundby oft noch hat: dass sie gern zu spät ist am Schanzentisch.“ Vorteil Katharina Althaus? Die lächelt. Beantwortet geduldig Fragen nach Jetlag-Killern („lang wach bleiben, lang schlafen“), nach Ablenkung an olympischen Trainingsabenden (stricken – „zwei Nadeln kann man immer mitnehmen“), nach Glücksbringern („ein Ton-Engele von der Mama“). Dann kommt die Rede auf die Teamkollegin. „Die Carina“, sagt Katharina Althaus bloß, „wird schon auch wieder vorne mit dabei sein.“

Überraschen würde das die wenigsten.

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