Sieg gegen DFB bringt Olsen neuen Trainervertrag

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Deutsche Presse-Agentur

Aus der Not- wurde eine Ideallösung. Nach dem Coup seiner B-Elf gegen Deutschland kann Egil Olsen auf einen Verbleib im Amt des norwegischen Fußball-Nationaltrainers hoffen.

Schon vor der Rückreise der Mannschaft nach Oslo bestätigte Karen Espelund, Generalsekretärin des Verbandes NFF, dass man mit Olsen „sehr wahrscheinlich“ die WM-Qualifikation zu Ende spielen werde. Dessen einfache, aber effektive Taktik beim 1:0 (0:0) über den EM-Zweiten verleitete die heimischen Medien zu Lobeshymnen: „Nach dem Wunder von Düsseldorf wird Norwegens Olsen sicher bald zum Genie erklärt“, kommentierte die Zeitung „Aftenposten“.

Nur zwei Tage nach den Spekulationen über angebliches Verbandsinteresse an Lothar Matthäus huldigte Fußball-Norwegen dem 66-Jährigen. Obwohl die meisten seiner Profis aufgrund der Winterpause seit November kein Ligaspiel bestritten hatten, zeigten sie dem EM-Zweiten mit altbekannten Mitteln die Grenzen auf - unbeeindruckt vom Fehlen einiger Leistungsträger. Die trockene Analyse von Olsen entsprach dem schnörkellosen Auftritt seines Teams: „Wir sind auf einen nur halb motivierten Gegner gestoßen, haben ihn Fußball spielen lassen, sind dafür aber mehr gelaufen.“

Der erste Sieg über Deutschland seit fast 73 Jahren ließ all jene Kritiker verstummen, die dem einstigen Erfolgscoach mit Spitznamen „Drillo“ eine antiquierte Spielphilosophie vorwarfen. „Nach 14 Monaten ohne Sieg hat sich Norwegen einen Gigant-Skalp geholt und die Deutschen geschockt“, umschrieb „Dagbladet“ das erfolgreiche Comeback des Trainers, der die Landesauswahl in den 90er Jahren mit einer ähnlich defensiven Grundordnung zu ihren größten Erfolgen geführt hatte.

Anders als viele Medien favorisierte Olsen eine nüchterne Sicht der Dinge. En passant erinnerte er an die zurückliegenden Highlights des Teams, die in der sportlichen „Baisse“ der vergangenen Monate schon fast in Vergessenheit geraten waren. „Das 1:0 ist kein Grund, gleich abzuheben. Wir haben auch schon gegen Fußball-Größen wie Brasilien, Italien und die Niederlande gewonnen.“ Spätestens seit dem 2:1-Erfolg im letzten Gruppenspiel der WM 1998 in Frankreich über Rekordweltmeister Brasilien genießt der Coach bei vielen Norwegern Kultstatus.

Eigentlich sollte der schon von 1990 bis 1998 als Nationaltrainer tätige Olsen nur kurzfristig für das Spiel gegen den EM-Zweiten Deutschland sowie für zwei weitere Testspiele einspringen. Nach zwei Trainingseinheiten und dem Sieg von Düsseldorf setzte in der Verbandsspitze ein schneller Sinneswandel ein. „Die Nationalelf befindet sich sich wieder in guten und sicheren Händen“, urteilte Espelund. Unter dem abgetretenen Trainer Åge Hareide hatten die Skandinavier 2008 kein Spiel gewonnen und sind als Gruppenletzter von einer Qualifikation für das WM-Turnier 2010 in Südafrika weit entfernt.

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