Segel-WM vor Langenargen: Auf der Urzeityacht gegen König Harald

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Steuermann Max Kohlhund (vorne) und die Besatzung der 107 Jahre alten Segelyacht „Bayern II“ aus Lindau.
Steuermann Max Kohlhund (vorne) und die Besatzung der 107 Jahre alten Segelyacht „Bayern II“ aus Lindau. (Foto: Corinna Konzett)

Es ist, als wolle ein LKW in ein Mauseloch einparken. „Noch zehn Zentimeter nach vorne, aber langsam“, ruft Steuermann Max Kohlhund. Die Besatzung der Segel-yacht „Bayern II“ vom Lindauer Segler-Club (LSC) legt am Hafen des Yacht Clubs Langenargen (YCL) an. Fast 13 Meter lang und sechs Tonnen schwer ist die Yacht. „Das ist anstrengende Millimeterarbeit“, sagt Christina Heym vom LSC. Die Lindauer sind eins von elf am Bodensee beheimateten Teams, die seit Montag bei der Weltmeisterschaft der Achter in Langenargen mitsegeln.

„Wir freuen uns, die Gelegenheit zu bekommen, bei der WM hier direkt vor der Haustüre teilzunehmen“, sagt Max Kohlhund, Steuermann der „Bayern II“. Die Yacht ist 107 Jahren alt: Sie wurde 1911 als „Woge V“ für einen Hamburger Kaufmann gebaut. Zu dieser Zeit galt das Schiff als schnellster und erfolgreichster Achter. Später kaufte der Yachtclub Überlingen die Yacht, bevor der Lindauer Segler-Club das Boot 1937 erwarb und in „Bayern II“ umbenannte. Heute ist die „Bayern II“ das Flaggschiff des LSC, in das der Club viel Arbeit investiert. „Der Aufwand für die Instandhaltung ist immens“, erklärt Kohlhund. 600 Stunden Arbeitszeit stecke er gemeinsam mit dem Bootsmann allein in diesem Jahr in die Pflege des Bootes. Dazu kämen etwa 80 Stunden durch die Mannschaft und Reparaturen in der Werft. „Das muss man eben investieren, dafür ist hier alles so wie bei Segelyachten von vor 100 Jahren“, sagt der Steuermann.

Sieben dieser historischen Boote segeln bei der WM vor Langenargen, in der ältesten Altersgruppe, der „First Rule“, mit. „Es ist toll, dass wir uns hier mit anderen historischen Schiffen vergleichen können“, sagt Max Kohlhund. Etwas Besonderes ist es für die Wassersportler aus Lindau auch, gegen König Harald von Norwegen anzutreten, der mit seiner Crew ebenfalls Teilnehmer der WM ist. „In einer Situation hatten wir auf dem See schon mit ihm zu tun. Da musste er uns Vorfahrt gewähren und hat es auch selbstredend gemacht“, erzählt Kohlhund „Der König ist ein fairer Sportler, das merkt man gleich.“ Nach fünf Wettfahrten belegt König Harald Platz sechs in der Gesamtwertung.

Seit dem WM-Auftakt ganz vorne: die „Conquistador“ von Werner Deuring. Bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr gewann die Crew vom Yacht Club Bregenz (YCB) den Titel in der Klasse „Sira“, eine der vier Wertungsgruppen bei den Achtern – damals allerdings noch mit einem anderen Boot. Die „Conquistador“ kaufte Deuring erst im Winter, um in der „Modern“-Klasse mitsegeln zu können. Sein neues Boot wurde im Jahr 2004 gebaut und zählt somit zu einem der modernsten Achter. Bei der WM in Langenargen sieht Deuring kleine Vorteile für sein Team: „Natürlich kennen wir die lokalen Verhältnisse am Bodensee ganz genau. Aber dieser Vorzug ist nicht allzu groß. Denn hier treten nur gute Segler an, die mit allem zurechtkommen.“

Veranstalter und Teilnehmer

Den Bodensee vor Langenargen kennt auch die Crew um Roel van Merkesteyn sehr gut. Van Merke-steyn ist als Präsident des Yacht Clubs Langenargen nicht nur Veranstalter, sondern auch WM-Teilnehmer. „Es ist eine riesige Ehre für unseren Club die WM austragen zu dürfen“, sagt van Merkesteyn. In der Gruppenwertung „Sira“ liegt seine Crew mit der „Froya“ momentan auf Platz fünf, in der Gesamtwertung auf Platz neun. „Ziele, die Platzierung betreffend, haben wir uns eigentlich nicht gesetzt“, sagt van Merkesteyn. Schließlich sei die Mannschaft in den Wochen vor der WM mehr mit der Organisation als mit Training beschäftigt gewesen. Auch für Bodenseesegler gilt: Dabei sein ist schon ganz viel, vor allem bei einer Heim-WM.

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