Seefeld darf sich auf den geölten Blitz gefasst machen

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Trainer Thomas Jacob (von rechts) mit dem bestens eingeölten Pita Taufatofua, Steve Grundmann und einem Volunteer während der E
Trainer Thomas Jacob (von rechts) mit dem bestens eingeölten Pita Taufatofua, Steve Grundmann und einem Volunteer während der Eröffnungsfeier. ( (Foto: CLIVE MASON)
Sportredakteur

Die außergewöhnliche Geschichte von Thomas Jacob aus Pfullendorf und Langläufer Pita Taufatofua wird wohl fortgesetzt. Der Pfullendorfer und der bei Olympia weltberühmt gewordene Tongaer haben vereinbart, eine gemeinsame Teilnahme bei der Nordischen Ski-WM im Februar 2019 ins Auge zu fassen. Seefeld in Tirol darf sich also wohl auf den „geölten Blitz“ gefasst machen.

Bevor die Gedanken aber zu weit in die Zukunft schweifen, verweilt Thomas Jacob noch gerne bei dem, was vor ziemlich genau zwei Monaten mit einem 15-Kilometer-Lauf seinen Höhepunkt erlebte: die Teilnahme an den olympischen Winterspielen in Pyeongchang. An diesem Tag waren alle Strapazen vergessen, hatten sich alle Entbehrungen gelohnt, die der Athlet und sein Trainer auf sich genommen hatten. Mühsame Qualifikation, Geldsorgen – und natürlich: dieser Schnee! Denn den war der Tongaer alles andere als gewohnt, obwohl er schon an der WM 2017 in Falun teilgenommen hatte. Mit seinem geduldigen Trainer Jacob an der Seite bewältigte Taufatofua aber auch diese Aufgabe. Und das trotz des unglaublichen Trubels.

Im beschaulichen Pfullendorf hat Thomas Jacob ein Malergeschäft. Hier treffen ihn die Menschen ganz in weiß an, in Pyeongchang dominierte aber die Farbe rot, in der sich das Team Tonga kleidete. „Olympia ist eine eigene Welt“, blickt Jacob zurück. Damit er sich diese Welt immer wieder vergegenwärtigen kann, hat ihm seine Frau ein Fotoalbum angelegt. „Da habe ich Olympia zum ersten Mal gespürt“, sagt Thomas Jacob bei einem Foto, das ihn mit Taufatofua und dem Sportlichen Leiter des Teams Tonga, Steve Grundmann, vor den olympischen Ringen am Flughafen in Seoul zeigt. Von da an habe er sich auch wie in Watte gepackt gefühlt. Alle seien freundlich und hilfsbereit gewesen.

Der Moment schlechthin bei der Eröffnungsfeier

Das war aber noch nichts im Vergleich zu den Eindrücken bei der Eröffnungsfeier. Alles sei vorbereitet gewesen: das Öl gekauft, die traditionelle tongaische Kleidung mit Bastrock aus der Heimat eingeflogen, der Weg ins Stadion gecheckt – und dann das: Weil die Veranstalter damit gerechnet hatten, dass Taufatoufa wie zwei Jahre zuvor in Rio einlaufen würde, wurde ihm sogar eine Umkleidekabine aufgebaut.

Direkt hinter dem bestens eingeölten, die tongaische Fahne tragenden Taufatofua betrat Jacob das Stadion. „Ich habe erst nur Licht und gedacht, dass gar keine Leute da sind. Dann haben alle auf Pita reagiert“, erzählt Jacob. Nach der Runde hinter seinem halbnackten Athleten hieß es: dick einpacken! Denn die Vorbereitung aufs Rennen durfte bloß kein Schnupfen stören. Alles ging gut. Dafür setzte dem Team Tonga das große Medieninteresse ganz schön zu. Bei einer Pressekonferenz warteten mehrere Dutzend Journalisten. Pita aber lächelte und genoss. Auch die Bekanntheit seines Trainers wuchs. Als Krönung wurden beide ins ARD-Studio eingeladen und waren am Morgen nach dem Rennen live zu sehen.

Die dringend notwendige Entlastung fand das Team auf dem Trainingsgelände. Manchmal seien alle einfach nur zehn Minuten dagegessen und hätten nichts gesagt, erzählt Jacob. Zwei Tage vor dem Rennen erteilte Taufatofua sogar ein Medienverbot. Diese volle Konzentration habe sehr geholfen, mit dem Ergebnis war der Trainer zufrieden.

Nach einer ausgelassenen Partynacht ging es für ihn und Grundmann wieder zurück in die reale Welt. Auf Jacob wartete das Malergeschäft in Pfullendorf. Taufatofua blieb, um – auf Wunsch von IOC-Präsident Thomas Bach – noch einmal mit nacktem Oberkörper bei der Schlussfeier aufzutreten. Von dort ging es für Taufatofua nach Los Angeles, nach Tonga, nach Australien, wo er in Brisbane lebt, im Moment ist er wieder in Los Angeles – die Popularität genießen und nutzen.

Die Schlussfeier von Pyeongchang verfolgte Thomas Jacob in Pfullendorf am Fernseher, die Eröffnungsfeier und das Rennen hat er dagegen noch nicht gesehen, will das aber irgendwann nachholen – um dann vielleicht wieder in Stimmung zu kommen. Für Seefeld 2019. Mit Pita Taufafoua. Und vielleicht sogar mit einer tongaischen Langlauf-Mannschaft. Dafür suchen Jacob und Co. im Moment noch weitere Läufer mit tongaischen Wurzeln.

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