Schwimmer-Aufschwung - Wellbrock „auf einem anderen Stern“

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Europameister
Florian Wellbrock machte durch starke sportliche Leistungen auf sich aufmerksam. (Foto: Darko Bandic/AP / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Thomas Eßer

Diese EM tut den deutschen Schwimmern gut. Nach den von Streitereien und Negativschlagzeilen geprägten Weltmeisterschaften 2017 machten Florian Wellbrock, Sarah Köhler & Co. durch starke sportliche Leistungen und viel gute Laune in Glasgow auf sich aufmerksam.

„Die Stimmung ist eine komplett andere als im letzten Jahr“, sagte Chefbundestrainer Henning Lambertz. Vor allem einige seiner zuvor nicht so bekannten Sportler nutzten die European Championships für Eigenwerbung. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass die Arrivierten wie Vize-Weltmeisterin Franziska Hentke und Lagen-Ass Philip Heintz nicht wie gewünscht auftrumpften.

Schon am ersten Tag der Wettkämpfe im Tollcross International Swimming Centre überraschte der 21-jährige Henning Mühlleitner mit Bronze über 400 Meter Freistil, dann holte die 4 x 200 Meter Freistil Mixed-Staffel bei der Premiere Gold. Auf der Tribüne feierten Sportler und Betreuer den Titel lautstark, in den Katakomben der engen Schwimmhalle wurden die Sieger mit einer Team-Laola empfangen. Die Mannschaft präsentierte sich auch wirklich als solche.

Sechs weitere Medaillen folgten bis zum EM-Ende - insgesamt gab es je zweimal Gold und Silber sowie viermal Bronze. Die Ausbeute der Heim-Europameisterschaften in Berlin 2014, als es sechsmal Edelmetall gab, wurde übertroffen. Doch EM-Erfolge hatten schon in der Vergangenheit nur bedingt Aussagekraft für Weltmeisterschaften. Auf dem Weg nach Tokio wird die WM in einem Jahr im südkoreanischen Gwangju zu einem wichtigeren Gradmesser.

Dann muss sich auch Wellbrock stärkerer Konkurrenz stellen. „Ich fühle mich pudelwohl im deutschen Team“, sagte der Freistilschwimmer. Er wurde in deutscher Rekord- und Weltjahresbestzeit von 14:36,15 Minuten Europameister über 1500 Meter und sicherte sich im 800-Meter-Rennen Bronze. „Der Junge ist natürlich im Moment auf Wolke sieben, auf einem anderen Stern“, sagt Lambertz über den 20-Jährigen. „Fantastisch, was der Junge macht.“

Wellbrock und seine Freundin Köhler (24) prägten die EM aus deutscher Sicht. Drei Einzel-Medaillen gingen auf das Konto des Power-Paars. Zusätzlich war Köhler an Staffel-Bronze über 4 x 200 Meter Freistil beteiligt. Für die Frankfurterin gab es auf der Schottland-Reise allerdings auch Enttäuschungen: Nach ihrem vierten Platz über 800 Meter Freistil und Rang fünf über die halbe Distanz war sie mächtig gefrustet.

Philip Heintz, der als Topfavorit über 200 Meter Lagen gestartet war und Zweiter wurde, zog zwar insgesamt ein positives Fazit, jedoch mit Einschränkungen. „Ich bin zu 70 Prozent zufrieden“, sagte der 27-Jährige. „Ich habe Silber gewonnen, das ist super gut. Die Zeiten sind die 30 Prozent. Da habe ich mir schon mehr erhofft.“ In 1:57,83 Minuten war der Heidelberger mehr als eine Sekunde langsamer als bei seiner EM-Qualifikations- und Weltjahresbestzeit Mitte April.

Schmetterlingsschwimmerin Hentke wurde ihrer Rolle als Mitfavoritin nicht gerecht. Über 200 Meter reichte es nur zu Platz vier. „Das ist nicht das, was ich kann“, haderte die 29 Jahre alter Magdeburgerin, die bei der WM vor einem Jahr für die einzige deutsche Beckenmedaille gesorgt hatte. Dreieinhalb Sekunden blieb sie über ihrer Bestzeit.

Während sich Hentkes EM-Wünsche nicht erfüllten, ging ein anderer Plan des Deutschen Schwimm-Verbandes auf: die sogenannte Staffel-Attacke. Lambertz hatte die Qualifikationsnormen für die Quartette gesenkt. Das Ziel: Mit möglichst jeder Staffel ins Finale kommen und sich dort einem großen Fernsehpublikum zeigen. „Wir sind damit sehr, sehr zufrieden“, sagt Lambertz. Die Staffeln erreichten nicht nur alle die Finals, sondern überraschten auch mit dreimal Edelmetall.

Und dann war da ja noch das neue Format. Die Schwimmer profitierten von den in das Multi-Sport-Event European Championships eingebetteten Europameisterschaften. Wellbrocks Gold-Coup verfolgten 2,63 Millionen Zuschauer in der Heimat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Das sind natürlich Zahlen, die wir sonst nicht erreichen“, sagte Lambertz. „So eine kleine Mini-Olympiade macht einfach Spaß.“ Die Schwimmer wollten die EM nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. „Ich denke, das hat ganz gut geklappt“, sagte Lambertz und lächelte.

Der Zeitplan der European Championships

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