Schmitt vom Winde verweht - Schlierenzauer gewinnt

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Deutsche Presse-Agentur

Als Martin Schmitt beim Weltcup-Heimspiel in Willingen wie das deutsche Team 24 Stunden zuvor den erhofften Podestplatz bei der Weltpremiere der Team-Tour verpasst hatte, warf der beste deutsche Skispringer vor Wut seine Handschuhe in den Schnee.

„Natürlich bin ich sauer, weil die Bedingungen nicht für alle gleich waren und der Wettkampf damit nicht fair abgelaufen ist. Ich hatte mit Turbulenzen zu kämpfen und musste schauen, dass ich den Sprung heil runter bringe. Wenn ich nicht reagiert hätte, wäre ich garantiert gestürzt“, schimpfte Schmitt nach seinem 16. Platz.

Beim neunten Saisonsieg des Österreichers Gregor Schlierenzauer, der sich mit Weiten von 144 und 135 Metern knapp vor Simon Ammann aus der Schweiz und dem Japaner Noriaki Kasai durchsetzte, büßten die im Team-Wettbewerb viertplatzierten deutschen Springer in der Team-Tour-Wertung bereits alle Chancen auf die angestrebte Top-3- Platzierung ein. Zweitbester DSV-Athlet war Severin Freund als 24.

Dabei roch es nach dem ersten Durchgang nach dem dritten Saison-Podestplatz für Schmitt, der mit 135,5 Metern als Fünfter aussichtsreich in Lauerstellung lag. Doch im Finale wurde der 31 Jahre alte Routinier von einer Böe erwischt und dadurch völlig aus dem Konzept gebracht. „Mein ganzer Sprung ist auseinandergefallen“, sagte Schmitt und übte Kritik an der Jury: „Man hätte eine Pause machen müssen, so wie man das im ersten Durchgang vor den letzten zwei Springern auch getan hat.“

Bundestrainer Werner Schuster wollte die Schuld für den Absturz aber nicht nur beim Wind suchen. „Die Bedingungen bei Martin waren sehr schwierig, aber es kam auch noch ein Fehler dazu. Er wollte unbedingt ganz nach vorne, das ist daneben gegangen“, erklärte Schuster und zog ein ernüchterndes Fazit: „Wir haben in dieser Saison schon bessere Ergebnisse abgeliefert.“

Nach seinem bärenstarken Auftritt hatte Schmitt noch ein dickes Lob von Schuster erhalten. „Speziell Martin hat eine herausragende Leistung geboten“, sagte Schuster nach dem vierten Platz im Team-Wettbewerb, bei dem sich Österreich auch ohne Weltcup-Spitzenreiter Schlierenzauer vor Norwegen und Finnland als erster Sieger der neue Serie in die Annalen eintrug.

Bei extrem schwierigen Bedingungen mit Regen und Schnee fehlten dem DSV-Quartett am Ende 14,5 Zähler zum Platz auf dem Podium, weil sich Schmitts Teamkollegen noch nicht in WM-Form präsentierten. Dieser Trend setzte sich im Einzel fort, wo die WM-Fahrer Michael Neumayer und Stephan Hocke das Finale verpassten. „Das ist eine riesengroße Enttäuschung, weil ich nicht weiß, woran es gelegen hat. Ich bin ein bisschen ratlos“, sagte Neumayer. Und Hocke klagte: „Es ging ziemlich zäh, weil es null Luft hatte.“

Die Schwäche der Leistungsträger schmerzt umso mehr, als in Michael Uhrmann ein wichtiger Eckpfeiler im DSV-Team für die ganze Tour ausfällt. „Wir nehmen ihn komplett raus, er wird erst bei den Weltmeisterschaften wieder zur Mannschaft stoßen. Er wäre gerne gesprungen, aber wir haben Vernunft walten lassen, denn die Zeit ist ohnehin knapp“, sagte Schuster. Dennoch sieht er nicht schwarz, sondern blickt den kommenden Aufgaben zuversichtlich entgegen. „Ich bin überzeugt, dass wir bei der WM aus eigener Kraft auf das Podest springen können“, erklärte der Coach.

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