Schmitt & Co. enttäuschen - Jury sorgt für Skandal

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Deutsche Presse-Agentur

Erst wurde Martin Schmitt von der Jury um eine gelungene WM-Generalprobe im Einzel betrogen, dann stürzte er im Finale der Team-Tour mit der Mannschaft ab.

24 Stunden nach dem Skandal-Skifliegen von Oberstdorf rundete der sechste Platz im Team-Weltcup das schwarze Wochenende für die enttäuschten deutschen Skispringer ab, die nach dem Rückschlag drei Tage vor Eröffnung der Titelkämpfe in Liberec neidvoll auf die nach dem Tour-Gesamtsieg um 100 000 Euro reicheren Norweger blickten. „Es ist ziemlich schade und tut mir leid für die Fans, dass wir keine große Rolle gespielt haben. Wir wollten schon ein gewichtiges Wort mitsprechen. Das ist hier aus verschiedenen Gründen nicht gelungen. Wir sind keine Skiflug-Nation“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster.

Den Team-Wettbewerb gewannen die Finnen. Mit 1413,8 Punkten setzten sich die Skandinavier vor Russland (1378,3) und Österreich (1354,3) durch. Das deutsche Quartett mit Felix Schoft, Pascal Bodmer, Martin Schmitt und Michael Neumayer kam beim Finale der Team-Tour mit 1185,0 Zählern nur auf den sechsten Platz. Norwegen sicherte sich mit Rang vier den Gesamtsieg der neuen Team-Tour, die sich aus den fünf Weltcups in Willingen, Klingenthal und Oberstdorf zusammensetzt. Die deutsche Mannschaft landete im Gesamtklassement hinter Österreich und Finnland auf Rang vier.

Schmitt hakte das verpatzte Heimspiel im Allgäu schnell ab und richtete den Blick optimistisch nach vorn. „Für die WM spielt das gar keine Rolle, da gehe ich unbelastet rein. Meine Form stimmt und ich weiß, was ich kann. Ich habe keine negativen Gefühle. Die habe ich gestern im Auslauf liegen lassen“, sagte der 31 Jahre alte Routinier nach Sprüngen von 174,5 und 185,5 Metern.

Am Vorabend hatte Schmitt nach einer mehr als fragwürdigen Jury-Entscheidung noch vor Wut geschäumt. „Ich bin nicht frustriert, ich bin einfach sauer. Die lange Pause vor meinem ersten Sprung war unverständlich und ärgerlich“, wetterte Schmitt nach seinem 15. Platz. Nachdem der siegreiche Harri Olli im ersten Durchgang mit 225,5 Metern einen Schanzenrekord markiert hatte, unterbrach die Jury den Wettbewerb solange, bis die Windbedingungen deutlich schlechter geworden waren.

Schmitt sprang als Erster nach der Pause 42 Meter kürzer als der Finne und schimpfte: „Nur weil Olli Schanzenrekord springt, muss man doch keine Angst haben, dass ich zehn Meter weiter springe. Man hätte alle bei diesen Bedingungen runterlassen oder abbrechen müssen.“

Heftige Kritik äußerte auch Bundestrainer Werner Schuster. „Das war sehr umstritten und zweifelhaft von der Jury. Die haben nur darauf gewartet, dass der Wind einschläft. Martin wäre allemal zwischen 200 und 210 Meter gesprungen. Dazu hatte er nicht mehr die Chance“, stellte Schuster fest. Auswirkungen bei Schmitt im Hinblick auf die WM fürchtet er keine. „Ich glaube nicht, dass ihn das runterzieht. Er hat sich schon in Willingen geärgert und dann in Klingenthal eine tolle Leistung geboten“, meinte der Coach.

Dennoch wird er in den wenigen Tagen bis zur ersten WM-Entscheidung auf der Normalschanze als Psychologe gefordert sein. „Wir werden uns jetzt nicht zerfleischen. Ich möchte keine Zweifel aufkommen lassen, dass wir es nicht mehr können. Ich glaube an die Mannschaft und ihre Stärken, die dann auch ausgepackt werden müssen. Wir müssen das abhaken und wieder angreifen. Die Wahrheit liegt auf der Liberec-Schanze“, verkündete der Coach.

Dort will auch Gregor Schlierenzauer wieder angreifen, der als Achter seinen siebten Einzelsieg in Serie und damit den alleinigen Rekord verpasste. „Das war eine Frechheit. Ich fühle mich hintergangen und ein wenig verarscht. Soll ich mir hier beide Beine brechen? Das war definitiv nicht die richtige Entscheidung. Mein Vertrauen in die Jury geht verloren“, schimpfte der Weltcup-Spitzenreiter aus Österreich, der erstmals in seiner Karriere bei einem Skiflug-Wettbewerb nicht ganz oben auf dem Podest stand und auf einen Einsatz im Team-Wettbewerb verzichtete.

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