Schmitt bei Skiflug-Farce nur 15. - Olli gewinnt

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Deutsche Presse-Agentur

Eine fragwürdige Jury-Entscheidung hat den Skiflug-Weltcup in Oberstdorf zur Farce gemacht und Martin Schmitt um eine gelungene WM-Generalprobe gebracht.

Nachdem der siegreiche Finne Harri Olli im ersten Durchgang mit 225,5 Metern einen Schanzenrekord markiert hatte, durften die besten Vier des Weltcups erst nach einer langen Unterbrechung bei deutlich schlechteren Bedingungen springen und büßten dadurch ihre Erfolgschancen ein. Während Schmitt abgeschlagen auf Rang 15 landete, verpasste Weltcup-Spitzenreiter Gregor Schlierenzauer als Achter deutlich seinen siebten Sieg in Serie und damit den alleinigen Rekord.

Nach dem Wettbewerb entlud sich der Ärger von Athleten und Trainern in heftiger Kritik an den Verantwortlichen. „Die Jury hat sich verkalkuliert. Die lange Pause vor meinem ersten Sprung war unverständlich und ärgerlich. Ich hoffe, die machen bei der WM in Liberec einen besseren Job“, sagte Schmitt und fügte hinzu: „Nur weil Olli Schanzenrekord springt, muss man doch keine Angst haben, dass ich zehn Meter weiter springe. Man hätte alle bei diesen Bedingungen runterlassen oder abbrechen müssen.“

Olli setzte sich mit 225,5 und 216 Metern vor den Norwegern Anders Jacobsen und Johan Remen Evensen durch. In der Gesamtwertung der Team-Tour übernahm Norwegen vor dem finalen Mannschafts-Wettbewerb die Führung vor Österreich. „Das war eine Frechheit. Ich fühle mich ein wenig verarscht. Soll ich mir hier beide Beine brechen? Das war definitiv nicht die richtige Entscheidung. Mein Vertrauen in die Jury geht verloren“, schimpfte Schlierenzauer.

Zu diesem Zeitpunkt war Schmitt bereits von der Heini-Klopfer-Schanze geflohen. Zuvor hatte er nach 183 Metern im ersten Durchgang bei seinem Final-Sprung auf 187 Meter eine Telemark-Landung „verweigert“ und die Ski demonstrativ in Parallelstellung in den Schnee gestapft. „Das war in dem Moment eine spontane Reaktion, die aus dem Inneren kam. Ich bin einfach sauer“, sagte Schmitt.

Deutliche Worte fand auch Bundestrainer Werner Schuster. „Das war eine sehr eigenartige Entscheidung der Jury. Die haben nur darauf gewartet, dass der Wind einschläft. Die besten Springer hatten danach keine Chance mehr. Das war über der Grenze der Fairness“, kritisierte Schuster. Für ihn war der Wettbewerb, in dem Pascal Bodmer den 19. Platz und Michael Neumayer Rang 25 belegten, daher ein Muster ohne Wert.

FIS-Renndirektor Walter Hofer zeigte Verständnis für die Athleten, nahm aber gleichzeitig die Jury in Schutz. „Die Jury ist angehalten, den Wettbewerb zu unterbrechen, wenn die Sicherheit der Springer nicht mehr gewährleistet ist. Das hat sie getan“, sagte Hofer.

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