Scheder will zu Olympia: „So kannst du nicht aufhören“

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Sophie Scheder
Sophie Scheder will beim Weltcup in Cottbus einen wichtigen Schritt Richtung Olympia machen. (Foto: Marijan Murat / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Ulli Brünger

Sieben Wochen nach dem WM-Aus geht Sophie Scheder ihren Olympia-Traum mit frischem Elan an. Die von Verletzungen gebeutelte 22-jährige Turnerin aus Chemnitz hat ihren Kampfgeist wiederentdeckt, beim Weltcup in Cottbus am Wochenende will sie einen Schritt Richtung Tokio machen.

„Im ersten Moment habe ich daran gedacht, aufzuhören. Es hat eine Woche gedauert, um die Enttäuschung zu verarbeiten. Dann habe ich mir gesagt: 'Okay, hier soll es nicht enden. So kannst du nicht aufhören!'“, schildert Scheder der Deutschen Presse-Agentur ihre Gedanken.

Beim letzten Training vor dem Team-Wettkampf bei der Heim-WM in Stuttgart zwickte es bei Scheder plötzlich am großen Rückenmuskel. Die Schmerzen strahlten bis in die Schulter. „Ich konnte meinen Arm nicht richtig ansteuern. Die Schulter fühlte sich instabil an.“

Wie ein Häufchen Elend sackte Scheder auf die Matte, die Tränen kullerten. „Die Weltmeisterschaft war mein ganz großes Ziel. Da wollte ich unbedingt hin. Es war mein Traum, weil man als Athletin wohl nur einmal eine Heim-WM erleben kann.“ Gemeinsam mit dem Stab um Cheftrainerin Ulla Koch und der medizinischen Abteilung des DTB wurde nicht einmal 24 Stunden vor dem ersten Wettkampf entschieden, dass es keinen Sinn hatte. Ersatzturnerin Pauline Schäfer ging stattdessen ans Gerät - und das Team sicherte sich das Ticket für Tokio.

Scheder hat in ihrer Karriere schon einige Verletzungen gemeistert, sich immer wieder herangekämpft. Eine Knie-Operation nach den Spielen von Rio, wo die gebürtige Wolfsburgerin mit der Bronzemedaille am Stufenbarren ihren bisher größten Erfolg feierte, steckte sie ebenso weg wie Rückschläge in diesem Jahr.

Nach Platz drei im Mehrkampf und Barren-Silber bei den deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin war ihr WM-Start zunächst durch einen Muskelfaserriss im Oberschenkel in Gefahr geraten. Erst vier Wochen vor der WM schaffte sie den Sprung ins Team, ehe der Stuttgart-Traum doch noch platzte. „Ich kann mittlerweile ganz gut mit meinen Verletzungen umgehen. Aber das war wirklich nicht einfach“, sagt Scheder, „weil es so kurz vor knapp war.“

Beim 44. Turnier der Meister in Cottbus, wo sie 2016 Gold am Barren gewann, will sie wieder angreifen. „Olympia ist jetzt mein Ziel. Bis Tokio turne ich definitiv noch und will richtig Gas geben. Ich habe einen gewissen Anspruch an mich selbst. Und ich will nochmal einen Erfolg vorweisen“, so die ehrgeizige Sportsoldatin.

Weil die Probleme noch nicht ganz verschwunden sind, hatte sie sich erst kurzfristig entschieden, in der Lausitz-Arena neben Balken auch an ihrem Paradegerät Barren zu turnen. Und sie belohnt sich am Donnerstagabend selbst, als sie in der Qualifikation wie Teamkollegin Kim Bui (Platz 6/13,833 Punkte) als Siebte mit 13,666 Punkten sogar ins Finale der besten Acht am Samstag (14.00 Uhr) einzog. „Ich bin sehr zufrieden. Es lief besser als erwartet. Bei der Übung hatte ich keine Probleme mit dem Rücken und der Schulter“, sagt Scheder, die noch einige Schwierigkeiten ausließ und Steigerungspotenzial sieht.

Wenn es bei den Weltcups gut läuft, kann sie ein Einzelstartrecht für Tokio erwerben. Die größten Chancen sieht sie sogar am Balken. „Am Barren ist die Konkurrenz unheimlich stark. Im Weltcup sind zwei Chinesinnen vor mir, die 14,9 Punkte turnen.“

In das auf vier Turnerinnen beschränkte DTB-Team für Tokio zu rutschen, werde schwierig, meint sie: „Es gibt zwölf Turnerinnen, die sich um vier Plätze rangeln. Das ist nicht ohne.“ Aber eben nicht unmöglich - und schon gar nicht für die Kämpferin Scheder.

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