Schalkes Abstiege nach dem „Wunder von Barsinghausen“

Vierter Abstieg
Perfekt: Nach der Niederlage in Bielefeld ist Schalke 04 zum vierten Mal in der Club-Geschichte abgestiegen. (Foto: Friso Gentsch / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Der vierte Bundesliga-Abstieg des FC Schalke 04 nach 1981, 1983 und 1988 ist perfekt.

Was viele nicht mehr wissen: Bereits 1965 waren die Königsblauen sportlich abgestiegen, doch dann kam es zum „Wunder von Barsinghausen“. Alle bisherigen - sportlichen - Abstiege Schalkes im Überblick.

1965: In Fritz Langner war ein eisenharter Trainer von Borussia Mönchengladbach gekommen, der den Schalkern Beine machen sollte. Das misslang. Von Saisonbeginn an stand S04 um Stan Libuda am Tabellenende und belegte am Ende zusammen mit dem Karlsruher SC einen Abstiegsrang. Dann verdonnerte der DFB Hertha BSC wegen verbotener Zahlungen an Spieler zum Zwangsabstieg. Der KSC als Tabellen-15. in der damaligen 16er-Liga sollte deshalb erstklassig bleiben, doch Schalke als Letzter protestierte. Mit Erfolg. Beim DFB-Bundestag im niedersächsischen Barsinghausen wurde die Aufstockung der Bundesliga beschlossen und Schalke blieb drin. Der Revierclub feierte den Klassenverbleib auf Umwegen wie eine achte Meisterschaft, auf die Schalke bis heute wartet.

1981: 16 Jahre später ist es dann so weit: Erstmals seit 1926 spielt Schalke nicht mehr in der höchsten deutschen Spielklasse. Mannschaftsbetreuer und Club-Faktotum Charly Neumann weint auf dem Rasen des Kaiserslauterner Betzenbergs bittere Tränen. Zuvor hatten finanzielle Probleme zum Verkauf wichtiger Spieler geführt. Rolf Rüssmann folgte Rüdiger Abramczik ausgerechnet zu Borussia Dortmund, Wolfram Wuttke ging zu Borussia Mönchengladbach.

1983: Nach dem direkten Wiederaufstieg misslang die Rückkehr in der Bundesliga, obwohl in Bernard Dietz ein gestandener Nationalspieler kam. Doch es entwickelte sich ein Torhüter-Problem. Dis bisherige Nummer eins, Norbert Nigbur, verkrachte sich mit Manager Rudi Assauer und Trainer Siggi Held. Als Ersatz kam Walter Junghans von den Bayern, wurde aber von den Fans kritisch beäugt und patzte hin und wieder. Der Kampf gegen den Abstieg zerrte auch an den Nerven der sportlichen Führung, auch Assauer und Held verkrachten sich schließlich. Held musste vorzeitig gehen und wurde durch Jürgen Sundermann ersetzt. Der rettete Schalke immerhin die Relegation, wo die Königsblauen aber an Bayer Uerdingen scheiterten.

1988: Auf Schalke regiert das Chaos. Wegen der hohen Schulden müssen viele Spieler verkauft werden. Der Plan, um Olaf Thon und Ex-Nationalkeeper Toni Schumacher eine erfolgreiche neue Mannschaft aufzubauen, misslingt. Unter Trainer Horst Franz wird Schalke abgeschlagen Letzter. Clubidol Thon wechselt nach München und auch Schumacher hat keine Lust auf Liga zwei. Sein Satz „Ich spiel' doch nicht in Meppen“ geht in die deutsche Fußballgeschichte ein. Auch der reaktivierte - inzwischen 43 Jahre alte - Klaus Fichtel kann nichts mehr ausrichten.

2021: Nach der Bundesliga-Rückkehr in den 1990er Jahren etablierte sich Schalke nach und nach in der nationalen und erweiterten europäischen Spitze. Ein nochmaliger Abstieg galt lange als unrealistisch bis sich Schalke 2019 nach einer verkorksten Saison nur knapp rettete. Unter dem neuen Trainer David Wagner schien dann alles wieder gut.

Nach starker Hinserie in der Saison 2019/2020 wähnte sich der einstige Champions-League-Dauergast im Januar 2020 wieder auf dem Weg zurück in Richtung Königsklasse, doch es folgte ein beispielloser Absturz: In den folgenden 15 Monaten gewinnen die Königsblauen genau zwei Bundesligaspiele. Wieder regiert das Chaos - sportlich und strukturell. Der nach Rassismus-Vorwürfen und einem Corona-Ausbruch in seiner Fleisch-Fabrik arg umstrittene Aufsichtsratschef und langjährige Club-Patron Clemens Tönnies tritt im Sommer 2020 zurück. Wechselnde Sportvorstände wirtschaften den Kader herunter, der Club ist hoch verschuldet. Insgesamt fünf Trainer in dieser Saison können Schalke nicht vor dem vierten Bundesliga-Abstieg bewahren.

© dpa-infocom, dpa:210420-99-285090/2

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