Schalke verliert Punkte und Realitätssinn

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Deutsche Presse-Agentur

Das Ausnutzen von Torchancen gehört derzeit nicht zu den Schalker Stärken, und auch der Sinn für Realität scheint einigen abhandengekommen zu sein.

„Wir haben super gespielt“, behauptete 04-Stürmer Gerald Asamoah allen Ernstes nach dem verpatzten Rückrunden-Auftakt mit dem 0:1 bei Hannover 96. „Darauf können wir aufbauen.“ Doch statt der versprochenen Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze waren die Schalker in alte Fehler verfallen. Immerhin: Ein paar Gelegenheiten, sich auszuzeichnen, erhielt 96-Keeper Robert Enke, der nach seinem Comeback ein Extralob von Bundestorwart-Trainer Andreas Köpke einheimste: „Robert hat hervorragend gespielt. Er hat Hannover den Sieg gerettet.“

Mehr als ein Dutzend bester Einschussmöglichkeiten besaßen die Schalker, das ist wahr. Aber sie scheiterten deutlich häufiger an ihrem Unvermögen als an Enke bei dessen erstem Pflichtspiel seit der Handverletzung im Oktober. Die anvisierten Champions-League-Plätze geraten für die Gelsenkirchener in immer weitere Ferne, der Druck auf die sportliche Führung wächst.

Trotzdem meinte Manager Andreas Müller: „Unser Sturmspiel war absolut okay.“ Und Trainer Fred Rutten sagte tatsächlich: „Wir haben bis zum Ende gekämpft, das gibt ein gutes Gefühl für die Zukunft.“ Dabei war es nicht allein die Chancenverwertung, die enttäuschend war. Auch das Aufbauspiel gegen die keineswegs überzeugenden Gastgeber war nicht zwingend genug, es gab viele unnötige Ballverluste. Zudem ließen die Schalker zu viele Möglichkeiten für Hannover zu und hatten schon am Anfang Glück, dass Schiedsrichter Felix Brych nach dem Tor von Sergio Pinto (8.) ein klares Handspiel von Benedikt Höwedes (15.) nicht mit Elfmeter ahndete.

Die Schalker wollten ihre Schwächen und ihre Mittelmäßigkeit nicht sehen - oder nur nicht zugeben. „Es gibt solche Spiele, da ist das Tor wie vernagelt“, klagte Müller stattdessen, es sei „wie verhext“. Bodenständiger fiel da schon die Analyse von Marcelo Bordon aus. „Die Punkte, das ist alles, was zählt“, sagte der Kapitän: „Die Champions League ist weit weg.“ Die Worte des Abwehrchefs, der seinen vorzeitigen Abschied für 2010 angekündigt hat, klangen fast schon resigniert. Das Auslassen von Torchancen wie in Hannover ist schließlich kein Einzelfall bei den Schalkern: 24 Tore in 18 Spielen sind für eine Spitzenmannschaft deutlich zu wenig.

Die in der Hinrunde ebenfalls enttäuschenden Gastgeber durften sich über die Punkte und besonders über die gelungene Rückkehr von Enke freuen. Der Nationaltorhüter bestritt sein erstes Punktspiel, seitdem er sich am 8. Oktober vergangenen Jahres in Düsseldorf beim Training mit der DFB-Auswahl einen Kahnbeinbruch zugezogen hatte, und glänzte dabei in mehreren Szenen. „Ich habe zwei hervorragende Reflexe gesehen“, lobte Köpke: „Wir wissen, was wir an ihm haben.“ Unerwähnt ließ er, dass Enke auch Szenen hatte, in denen er keinen sicheren Eindruck hinterließ. Und ob der Schlussmann für das Länderspiel gegen Norwegen am 11. Februar nominiert wird, verriet er auch nicht: „Das weiß ich selbst noch nicht.“

„Zu null zu spielen, ist ein tolles Gefühl“, kommentierte Enke. „Es ist auch schön, wenn man mal ein paar Bälle halten kann, die spektakulär sind.“ Da nehme er auch gerne „das bisschen Glück mit“, dass sein Team gehabt habe.

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