Schalke: Neuer Manager, neues Team, neuer Trainer?

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Deutsche Presse-Agentur

Der krisengeschüttelte FC Schalke 04 steht vor einem radikalen Umbruch. Zur kommenden Saison in der Fußball- Bundesliga kündigte Präsident Josef Schnusenberg finanzielle Einschnitte und personelle Veränderungen an.

„Wir werden um einige Leistungsträger herum eine junge und hungrige Mannschaft bauen. Die Jugend spielte auf Schalke immer eine große Rolle. Diesen Trend wollen und müssen wir fortsetzen“, sagte der 68 Jahre alte Clubchef bei einer Talkrunde mit „adidas“-Vorstandschef Herbert Hainer in Gelsenkirchen.

Schnusenberg erwartet einen „langen Prozess“, der „hoffentlich von den Fans und dem neuen Manager mitgetragen“ werde. Ob Chefcoach Fred Rutten, über dessen bevorstehende Ablösung seit Tagen spekuliert wird, noch an der Umsetzung des neuen Konzepts mitwirken darf, ist weiter ungewiss. Der Niederländer verrichtete weiterhin unverdrossen seine Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Um keine falschen Hoffnungen aufkommmen zu lassen“, scherzte Schnusenberg bei der Begrüßung der rund 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Sport mit Blick auf Hainer, „unser Gast wird nicht Manager bei Schalke“. Und Hainer, bei Rekordmeister FC Bayern München stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, sagte schmunzelnd: „Ich hatte definitiv kein Gespräch. Aber Schalke ist ein solch bemerkenswerter Verein. Ich bin sicher, dass es viele geeignete Bewerber gibt.“

Derweil reduzierte sich der Kandidatenkreis für den freigeräumten Manager-Posten weiter. Nach der Absage von Eintracht Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Felix Magaths Beteuerung, er wolle beim VfL Wolfsburg in Doppelfunktion weitermachen, schied auch Schalkes Ex-Coach Huub Stevens aus. „Mit mir hat keiner Kontakt aufgenommen. Ich rechne auch nicht mehr damit und warte nicht darauf. Ich habe andere Angebote, die ich in Ruhe prüfen werde“, sagte der Niederländer der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Darüber hinaus ist Stevens, der als Trainer mit Schalke 1997 sensationell den UEFA-Cup gewonnen und zwei DFB-Pokalsiege (2001, 2002) gefeiert hatte, klug genug, um die chaotische Lage im Revier richtig einzuschätzen. „Dort wird zu viel Unruhe von oben hereingetragen. Und ich möchte in Ruhe arbeiten.“ Die negative Entwicklung seines früheren Clubs irritiert den Holländer: „Schalke hat eigentlich einen guten Kader und einen guten Trainer. Und ich verstehe auch nicht, warum Andreas Müller entlassen wurde.“

Immer mehr deutet auf den noch unentschlossenen Oliver Kahn hin, dem nun auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer den Rücken stärkt. „Ich traue ihm zu, Schalke wieder auf den Weg zu bringen. Er wäre der richtige Mann dafür“, sagte der „Kaiser“ in Kopenhagen. Auch Hainer ist überzeugt, dass Kahn zumindest das nötige Durchsetzungsvermögen mitbringt. „Ich habe häufig mit Kahn zu tun. Er hat einen unbändigen Willen. Auf der anderen Seite wäre er ein Neuling. Aber wenn er es werden sollte, hat er eine Chance verdient“, sagte er.

Derweil laufen weitere Planungen für eine bessere Zukunft. „Wir sind in diesem Jahr leider in allen Wettbewerben ausgeschieden. Wir fragen uns alle, woran das gelegen hat. Und es kann nicht damit erledigt sein, dass man den Manager entlässt“, sagte Schnusenberg, der die Verpflichtung zweier Talente als Vorboten eines Verjüngungs- Prozesses. Der tschechische Mittelfeldmann Jan Moravek (19/Bohemians Prag) und der uruguayische Stürmer Nicolas Mezquida (17/Penarol Montevideo) kommen im Sommer. Movarek erhält einen Vierjahresvertrag als Profi, Mezquida soll zunächst die Jugend verstärken.

Die Kosten für den zurzeit etwa 50 Millionen Euro teuren Kader sollen wegen der wohl fehlenden internationalen Einnahmen erheblich auf rund 35 bis 40 Millionen Euro reduziert werden. Ein neues Team soll entstehen, um die U 21-Auswahlakteure Manuel Neuer (22) und Benedikt Höwedes (21) sowie die A-Nationalspieler Jermaine Jones (27) und Heiko Westermann (25), der wie Höwedes Vertrag bis 2014 hat. Die Uhr für Routiniers wie Mladen Krstajic (35/Vertrag endet), Marcelo Bordon (33) und Lewan Kobiaschwili (31) läuft wohl ab. Ein Verkauf von Rafinha, der vom FC Bayern umworben sein soll, könnte viel Geld in die Kasse spülen. Offen ist, was mit Kevin Kuranyi oder den bisher enttäuschenden Jefferson Farfan und Orlando Engelaar geschieht.

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