Sané muss unters Messer – Was das für Bayerns Ambitionen bedeutet

Lesedauer: 6 Min
 Leroy Sané wird nach seiner Verletzung untersucht.
Leroy Sané wird nach seiner Verletzung untersucht. (Foto: Adam Davy)
Patrick Strasser

Die Schreckensnachricht erreichte die Bayern-Verantwortlichen am frühen Mittwochnachmittag – ausgerechnet in ihrem Idyll am Tegernsee, während ihrer fünf Tage Landflucht an den Fuße des Wallbergs, dem zweiten Trainingslager während der Saison-Vorbereitung.

Leroy Sané, seit Wochen und Monaten d a s Objekt aller Transfer-Begierden des FC Bayern München, hat sich einen Kreuzbandanriss im rechten Knie zugezogen und muss demnach operiert werden. Sanés Club Manchester City bestätigte am frühen Abend in seinen sozialen Netzwerken entsprechende Meldungen von „kicker“ und „Bild“ und sicherte dem Nationalspieler jegliche Unterstützung zu. Er wird Monate fehlen. Mindestens die Vorrunde dürfte gelaufen sein für den Flügelstürmer. Wie lange er wirklich ausfällt, wird man erst nach der OP sagen können.

Lässt City Bayern-Arzt zu Sané?

Für die Bayern ist es nicht mehr und weniger als: der Super-Gau, denn Nationalstürmer Sané hatte den Münchner bereits zugesagt, man war sich weitestgehend über einen Fünfjahresvertrag einig. Der Linksfuß hätte nach der gerade beendeten Ära von Franck Ribéry und Arjen Robben das neue Gesicht des Clubs werden sollen, für den Wechsel aus der Premier League in die Bundesliga war man bereit, alle (Bundesliga-)Rekorde in Sachen Ablösesumme und Gehalt zu brechen.

Am Sonntag war Sané im englischen Supercup, gegen Liverpool bereits in der achten Minute nach einem Laufduell zu Boden gegangen. Sofort griff er sich unter Schmerzen ans Knie, nahm später jedoch mit einem Verband an der Siegerehrung teil. Dass der seit Monaten heftig Umworbene von City-Trainer Pep Guardiola, von 2013 bis 2016 bei Bayern in der Verantwortung, überhaupt eingesetzt wurde, galt hinter vorgehaltener Hand als Affront. Kurz vor einem sich anbahnenden Transfer werden Spieler nicht mehr eingesetzt.

Nun haben sie alle den Salat.

Und Bayern keinen Sané. Oder doch? Schnell war es vorbei mit der Ruhe am Tegernsee – obwohl: nun hat man endlich Gewissheit und kann beraten, welche Entscheidung die klügste ist. Steigen sie aus dem Poker aus oder verpflichten sie den Reha-Patienten, der übrigens auch der Nationalelf und Bundestrainer Joachim Löw in allen fünf restlichen EM-Qualifikationsspielen des Herbstes fehlen wird, trotzdem? Kommt Sané nun nach dem Motto: jetzt erst recht?

Einiges spräche dafür. Wenn Sané eine Ära über mindestens fünf Jahre prägen soll, warum könnte man dann nicht einige Monate warten? Bayern hatte sich auf Sané versteift, ein Rückzieher müsste nun durch eine weiterführende medizinische Untersuchung – falls Manchester City das gestattet – und ein daraus resultierendes negatives Fachurteil begründet werden.

Alternativen: Ziyech, Bergwijn ...

Im Fall von Lucas Hernández (23), der sich im Frühjahr einer Knie-Operation unterziehen musste und erst am Dienstag vorsichtig ins Mannschaftstraining eingestiegen war, hatte man nach einem erneuten Medizincheck durch Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt entschieden: Wir kaufen Hernández trotzdem – so wurde der Franzose mit 80 Millionen Euro Ablöse an Atlético Madrid der aktuelle Bundesliga-Rekordspieler. Sané sollte jetzt etwas günstiger als die im Raum stehenden 120 bis 150 Millionen werden. Bayern kann trotz der Hiobsbotschaft besser pokern, die Ablöse drücken. Denn City fehlt Sané nun auch bis zur Jahreswende. Und: Im Januar-Transferfenster können die Briten ja wieder einkaufen.

Andererseits: Sané kann Bayern nun nicht sofort helfen. Als ad-hoc-Alternativen zu den Flügelstürmern Kingsley Coman und Serge Gnabry, die als verletzungsanfällig gelten, bleiben: Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam, der allerdings mit den Holländern noch bis Ende des Monats in der Champions-League-Qualifikation im Einsatz ist, Steven Bergwijn (mit PSV Eindhoven in der Champions-League-Auali gescheitert), Philippe Coutinho, der den FC Barcelona verlassen soll und Leipzigs Timo Werner, für den dann eine Ablöse fällig wäre.

Ein offizielles Statement von Bayern stand derweil aus. Bayern-Präsident Uli Hoeneß war vor Bekanntwerden der Sané-Diagnose kurz angebunden, sagte: „Wir werden Fakten bekannt geben.“ Ob er zuversichtlich sei? Hoeneß' Antwort: „Tschüss!“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen